Nach der 3. Etappe der Tour de France kam die Diskussion im Podcast The Move fast einhellig zum Schluss:
Tadej Pogacar und UAE Team Emirates-XRG diktieren seit Tag eins das Rennen, und Visma-Lease a Bike muss eine andere Formel finden, wenn
Jonas Vingegaard angreifen soll.
Lance Armstrong,
Bradley Wiggins, George Hincapie und Spencer Martin
analysierten den Sieg des Weltmeisters, die Dominanz der Emiratis und die zunehmend entscheidende Rolle von Isaac del Toro.
Die Leitfrage der Folge war deutlich: Wie kann
Visma Pogacar bei dieser Tour unter Druck setzen? Im Verlauf des Gesprächs gaben die Experten allerdings zu, dass die Antwort alles andere als einfach ist.
Bradley Wiggins stellte zuerst heraus, dass der moderne Radsport völlig anders tickt als zu der Zeit, als er und Armstrong die Tour fuhren.
„Es scheint heute der Normalfall zu sein“, erklärte der Brite. „Tadej will in der ersten Rennhälfte so viel Zeit wie möglich anhäufen, um in Woche drei etwas rausnehmen zu können.“
Laut Wiggins ist der Kontrast zu früheren Generationen klar. Früher verteilten die Topfavoriten ihre Kräfte über drei Wochen, heute nutzt UAE jede Chance auf Etappensiege und baut von Beginn an ein Polster auf.
Armstrong: „Wir müssen das alte Playbook wegwerfen“
Lance Armstrong stimmte der Analyse voll zu und beharrte darauf, dass frühere Bezugspunkte nicht mehr erklären, wie Pogacar Rennen fährt.
„Ich denke, wir müssen das alte Playbook wegwerfen“, sagte er. „Das hier ist anders.“
Der Amerikaner erinnerte daran, dass in seinen Rennjahren ein Tour-Anwärter-Team nie versucht hätte, auf Etappe 3 eine derart harte Flucht nur für den Tagessieg zu kontrollieren. Pogacar habe jedoch das Rennlesen komplett neu definiert und zwinge alle anderen Teams zur Anpassung.
Jonas Vingegaard wurde Zweiter
Del Toro beeindruckt weiter
Auch wenn der Sieg an Pogacar ging, nahm Isaac del Toro erneut einen großen Teil der Debatte ein.
Bradley Wiggins kürte den
Mexikaner zu seinem „Move des Tages“ für die enorme Führungsarbeit am letzten Anstieg.
„Er hat die Gruppe am Schlussanstieg mindestens 800 Meter lang gezogen und wurde trotzdem Neunter, nur vier Sekunden hinter Tadej“, merkte er an.
Der Brite ging sogar weiter und meinte, ohne diese Arbeit für seinen Kapitän hätte Del Toro um den Sieg fahren können. Auch George Hincapie lobte den Mexikaner, während Armstrong erneut den riesigen Einfluss betonte, den er im Team hat.
„Ich gehe wieder mit Del Toro“, sagte er. „Es war egal, wer dahinter saß. Nur ein Fahrer konnte aus diesem Tempo heraus antreten, und das war Pogacar.“
Für Armstrong wird das Tempo des Mexikaners zunehmend zu einem psychologischen Problem für alle Rivalen.
Ein einschüchterndes UAE
Auffällig war vor allem das Kollektivniveau von UAE Team Emirates-XRG. Armstrong sieht eine Ausstrahlung von Überlegenheit, die über nackte Resultate hinausgeht.
„Du schaust dich um und denkst: ‚Was habt ihr?‘. Die laufen ab Tag drei auf allen Zylindern“, sagte er.
Hincapie teilte diese Sicht und hob hervor, dass neben Pogacar und Del Toro auch Fahrer wie Brandon McNulty herausragend liefern. McNulty wurde von Armstrong sogar zum Fahrer des Tages gewählt, nachdem er nahezu die gesamte Etappe an der Spitze des Pelotons gearbeitet hatte.
Überragender Tadej Pogacar bei der Tour de France 2026
Wie kann Visma reagieren?
Der Kern der Debatte drehte sich um die Strategie, die Visma-Lease a Bike einschlagen sollte. Bradley Wiggins meint, das niederländische Team müsse den Ansatz der vergangenen Tours ändern.
„Sie haben es mehrere Tours versucht, insgesamt Zweiter zu sitzen und auf etwas zu warten“, erklärte er. „Aber was willst du gegen Pogacar machen, wenn er nicht stürzt, sich verletzt oder krank wird?“
Für den Briten reicht es nicht mehr, nur auf Fehler des Slowenen zu hoffen. Spencer Martin setzte dagegen einen anderen Akzent. Aus seiner Sicht könnte es positiv sein, dass UAE nun die Last der Rennkontrolle schultern muss.
„Jetzt greift UAE an, jagt früh Etappensiege und Gelb. Vielleicht macht das das Rennen nach Tag zehn interessanter“, merkte er an.
Armstrong erwartet keinen Gegenwind aus dem Peloton
Ein weiteres Thema war, ob die anhaltende Dominanz von UAE Gegenwehr der übrigen Teams auslösen könnte.
Armstrong glaubt das nicht: „Ich denke nicht, dass das Feinde schafft“, sagte er. „Es gibt enorm viel Respekt für sie im Peloton.“
Er hob zudem die Haltung sowohl von
Pogacar als auch Del Toro hervor, die er im Feld als hochangesehene Fahrer einstuft. Laut dem Amerikaner macht diese Mischung aus Resultaten und gutem Standing Anti-UAE-Allianzen noch unwahrscheinlicher.
Vingegaard bleibt die große Hoffnung
Trotz Pogacars Machtdemonstration erklärte niemand auf dem Panel die Tour für entschieden. Armstrong verwies darauf, dass Jonas Vingegaard zeitgleich mit dem Slowenen liegt und die großen Bergetappen noch ausstehen.
Er ist überzeugt, dass die bisherigen, explosiven Ziele klar Pogacar liegen, während lange Anstiege den Wettkampf ausgleichen könnten. Wiggins lieferte dazu eine technische Erklärung.
„Wenn
Jonas wirklich 57 Kilo wiegt, kann es sein, dass er diese anfängliche Pogacar-Beschleunigung schlicht nicht treten kann“, erklärte er.
Der Brite meint, dieses Defizit verschwinde, sobald die Anstiege auf eine Stunde anwachsen, Terrain, auf dem Vingegaard zu den besten Kletterern der Welt zählt.
Isaac Del Toro, der aufstrebende Star von UAE
Del Toros Lehrstück in Erinnerung
Unweigerlich drehte sich das Gespräch zurück zum Mexikaner. Armstrong erinnerte an das Lehrstück vom Vortag, als Del Toro einen Defekt hatte, kurz gegen die Fahrtrichtung zum Teamwagen fuhr und dennoch die Etappe gewann. „Del Toro lag eineinhalb Minuten zurück, kam ins Feld zurück und gewann trotzdem die Etappe“, erinnerte er. „Diese Jungs sind auf einem anderen Niveau.“
Für das Team von
The Move fasst diese Episode perfekt das aktuelle Momentum von UAE Team Emirates-XRG zusammen. Pogacar bleibt der klare Favorit auf den Tour-de-France-Sieg, doch an seiner Seite ist ein Fahrer aufgetaucht, der jede Etappe umformen kann. Und nach drei Renntagen ist Armstrong überzeugt, dass Vismas größtes Kopfzerbrechen nicht nur Pogacar heißt. Sein Name ist auch Isaac Del Toro.