Paul Magnier hat am Sonntag bei den ADAC Cyclassics ein eindrucksvolles Ausrufezeichen gesetzt. Nach einer späten Teilung des Pelotons entschied der Franzose den Sprint eines reduzierten Feldes dominant für sich. Der Profi von Soudal Quick-Step knüpfte damit an seine Etappensiege beim Giro d'Italia an und feierte mit mehreren Radlängen Vorsprung bereits seinen siebten Saisonsieg.
Nach dem Start in Buxtehude führte die Strecke auf den Hamburger Rundkurs. Insgesamt standen 207 Kilometer und fünf Überquerungen des Wasebergs auf dem Programm, dessen 700 Meter mit durchschnittlich mehr als neun Prozent ansteigen. Die letzte Passage erfolgte 16 Kilometer vor dem Ziel, ehe es über einen weitgehend flachen Abschnitt zur Ziellinie ging – auf dem Papier ideale Voraussetzungen für die Sprinter.
Sechs Ausreisser unter Kontrolle – Vermeersch-Brüder gehen in die Offensive
Nachdem Rory Townsend im Vorjahr mit einer erfolgreichen Flucht für die Überraschung gesorgt hatte, wollten die Teams diesmal kein ähnliches Szenario zulassen. Entsprechend konsequent kontrollierten sie eine sechsköpfige Ausreissergruppe, zu der Jonas Rutsch, Benjamin Thomas, Dries De Pooter, Lokalmatador Niklas Behrens, Loe van Belle und Filip Maciejuk gehörten.
Der Vorsprung der Spitzengruppe wuchs zwischenzeitlich auf mehr als vier Minuten an. Eine deutliche Tempoverschärfung im letzten Renndrittel sorgte jedoch dafür, dass der Abstand 50 Kilometer vor dem Ziel bereits auf weniger als zwei Minuten gesunken war.
Anschließend bekam das Rennen eine familiäre Note: Florian und Gianni Vermeersch lösten sich gemeinsam aus dem Feld. Die Brüder, die für UAE Team Emirates - XRG beziehungsweise Red Bull - BORA - hansgrohe unterwegs waren, konnten sich nach einer Attacke von Tim Rex absetzen.
Das Duo wurde allerdings wieder vom Peloton gestellt. Die erhöhte Aktivität im Feld ließ den Vorsprung der Ausreisser auf 1:20 Minuten schrumpfen, während mehrere Teams versuchten, bereits eine Vorentscheidung herbeizuführen. In der Spitzengruppe bekam De Pooter 37 Kilometer vor dem Ziel die Folgen des hohen Tempos zu spüren und musste darum kämpfen, den Anschluss zu halten.
Stürze und Attacken: Das Rennen zerfällt vor dem Finale
Wenig später brach die zuvor geordnete Rennsituation endgültig auseinander. Rutsch und Thomas versuchten, sich zu zweit an der Spitze abzusetzen. Gleichzeitig kam es zu Stürzen von Isaac del Toro und Biniam Girmay. Del Toro verfing sich in der Verpflegungszone in der Tasche eines Betreuers und ging zu Boden.
Der Vorsprung an der Spitze wurde immer kleiner, während sich nun auch die Favoriten zunehmend zeigten. Van Belle und Behrens arbeiteten vorne weiterhin gut zusammen, sodass sich gut 20 Kilometer vor dem Ziel eine vierköpfige Spitzengruppe mit rund 45 Sekunden Vorsprung behaupten konnte.
Auf der letzten Auffahrt zum Waseberg erwiesen sich Rutsch und Thomas schließlich als die stärksten Fahrer der Flucht. Doch auf der anschließenden Abfahrt wurden auch sie vom heranstürmenden Peloton gestellt. Del Toro führte die Gruppe mit hohem Tempo bergab, sodass 14 Kilometer vor dem Ziel sämtliche Ausreisser eingeholt waren und das Rennen wieder zusammenlief.
Entscheidung durch Teilung im Peloton – Milan und Kooij abgehängt
Im Finale öffnete sich schließlich eine entscheidende Lücke im Peloton. Jonathan Milan und Olav Kooij gehörten zu den prominenten Sprintern, die den Anschluss an die vordere Gruppe verloren. Visma - Lease a Bike und Soudal Quick-Step machten dagegen in der Spitze Tempo und arbeiteten für Filippo Fiorelli beziehungsweise Paul Magnier.
Auf dem letzten Kilometer wurde alles für den Sprint vorbereitet. Rund 300 Meter vor der Ziellinie wurde Magnier lanciert – und der Franzose ließ anschließend keine Zweifel mehr am Ausgang des Rennens aufkommen. Mit einem überlegenen Sprint hielt er Mike Teunissen, Laurence Pithie und die übrigen Verfolger klar auf Distanz. Die späte Teilung des Feldes hatte damit erneut mehreren der favorisierten Sprinter die Chance genommen, auf der Hamburger Zielgeraden um den Sieg zu kämpfen.
Neben Magnier, Teunissen und Pithie schafften es unter anderem Milan Fretin, Soren Waerenskjold und Arnaud De Lie in die Top Ten der ADAC Cyclassics.
Ergebnisse ADAC Cyclassics Hamburg 2026: