Die
Tour de France ist ein besonderes Ereignis. Für Fahrer und Fans ist sie oft eine einmalige Chance, Teil des Rennens zu sein. Deshalb gehen viele Zuschauer die Extrameile, um die Aufmerksamkeit der TV-Kameras zu erlangen. Und ihr Erlebnis auf ein neues Level zu heben.
Bis hierhin ist das in Ordnung, doch wenn Aktionen das Rennen beeinflussen – oder gar die Fahrer gefährden –, ist eine Grenze überschritten.
Beinahe dazu kam es gleich, als die Ausreißergruppe der zweiten Etappe den ersten kategorisierten Anstieg erreichte. Ein Fan im Bananenkostüm sprintete neben den drei Fluchtfahrern her, erntete dafür feindselige Blicke – und einen Schlag mit zusammengerollten Zeitungen von einem anderen Zuschauer. Hoffentlich genug, um solche gefährlichen Einlagen künftig zu verhindern.
Mit einem Clip des Vorfalls in den sozialen Medien richteten die Organisatoren der Tour ihren ersten Appell dieser Rundfahrt an die Zuschauer am Straßenrand: Begeisterung für das größte Radrennen der Welt bitte mit Bedacht zeigen. „Lauft nicht neben den Fahrern her, auch nicht, wenn ihr eine Banane seid!“, mahnte der Social-Media-Account der Tour.
Später auf der Etappe warnten die Organisatoren zudem davor, Bengalos an die Strecke zu bringen, nachdem während der Schlussrunden in Barcelona beim Anstieg zum Montjuïc eine Rauchbombe gezündet worden war.
„Es ist wirklich ein gemischtes Bild“, sagte Alex Dowsett, der bei der Tour als Performance Engineer für XDS Astana arbeitet, gegenüber
road.cc. „Solange es die Rennspitze nicht beeinträchtigt, ist es okay. Es braucht eine Balance. Das ist irgendwie auch das, wofür der Profiradsport steht.“
„Es ist Teil des Charmes, finde ich. Wenn man wie in der Formel 1 überall Absperrgitter aufstellt, verliert der Radsport das, was ihn besonders macht. Wie überall im Leben braucht es einfach ein Gleichgewicht. Aber ich finde es richtig, dass die Organisatoren vorsichtig sind und die Fans mahnen, um überbordender Begeisterung im weiteren Rennverlauf vorzubeugen.“
Haben soziale Medien alles verschlimmert?
Dowsett sorgt sich, dass sich das Verhalten der Fans über die Jahre verändert hat: „Vielleicht stellt sich im Zeitalter der sozialen Medien und der Viralität die Frage, ob die Motivation der Fans eher darin liegt, selbst etwas zu kreieren, statt Teil des Rennens zu sein.“
„Früher ging es wohl darum, vielleicht im Fernsehen aufzutauchen, aber eben als Teil des Rennens – ein kurzer Schnappschuss, wie die Fahrer vorbeifliegen, das ist Radsport. Wenn man ein Stück mitläuft, verlängert man diesen Moment.“
„Wenn Fans es jedoch nicht wegen des Rennens tun, sondern aus eigenem Ehrgeiz, irgendwo auf dem Bildschirm zu erscheinen, dann kippt die Balance in die falsche Richtung.“