„Vingegaard wird allen weitere Zeit abnehmen“ – Bruyneel gibt auf der knochenharten Königsetappe des Giro d’Italia niemandem eine Chance

Radsport
Freitag, 29 Mai 2026 um 14:35
Jonas Vingegaard Giro de Italia 3
Etappe 19 des Giro d’Italia ist die Königsetappe – brutal schwer. Im THEMOVE+-Podcast analysierten Johan Bruyneel und Spencer Martin, was sie in den Dolomiten erwarten, und waren sich in einem Punkt einig: Sie sehen Jonas Vingegaard als klaren Topfavoriten.
Das Gespräch folgte auf eine deutlich lebhaftere 18. Etappe als erwartet, doch beide stellten klar: Der echte Giro erreicht sein Finale in der Höhe, mit einem nervenaufreibenden Freitag–Samstag-Doppel.
Spencer Martin hob die extreme Härte der Strecke hervor und betonte die langen Passagen über 1.500 Metern: „Bis jetzt hatten wir nur rund 15 Kilometer über 1.500 Metern. Morgen sind es fast 50 Kilometer auf dieser Höhe.“
Bruyneel stimmte zu, dass die Etappe einen radikalen Bruch darstellt: „Es ist ein völlig anderes Spiel. Es gibt Bergetappen – und es gibt Hochgebirgsetappen.“

„Es ist ein völlig anderes Spiel“

Der ehemalige Sportdirektor erklärte, dass Höhe unerwartete Abstände zwischen Fahrern erzeugen kann, die bisher stabil wirkten: „Wir könnten sehen, dass einer der bislang sehr starken Fahrer aus den Top drei oder Top vier fällt.“
Bei der Prognose für die Königsetappe wurde Johan Bruyneel deutlich. Für ihn war Team Visma | Lease a Bike so dominant im gesamten Giro, dass er erneut eine taktische Meisterleistung erwartet. „Ich denke, Visma kontrolliert und Jonas gewinnt seine fünfte Etappe.“
Er ergänzte, dass Vingegaard gierig auf weitere Siege ist: „Ich sah ein Interview, in dem er sagte, es wäre schön, noch zwei Etappen zu gewinnen. Das hat er im Kopf.“
Jonas Vingegaard gewinnt Etappe 16
Jonas Vingegaard gewann die 16. Etappe des Giro d’Italia

Bruyneel hat keinen Zweifel: „Visma wird kontrollieren und Jonas wird gewinnen“

Bruyneel betonte, dass das niederländische Team seinen Plan im ganzen Rennen präzise umgesetzt hat: „Bei diesem Giro würde ich sagen, dass der Plan, den Visma vor jeder Etappe hat, in der Regel genau so umgesetzt wird. Sie liefern meist exakt, was sie wollen.“
Er schloss mit einer klaren Prognose: „Ich glaube, morgen gewinnt Vingegaard die Etappe und nimmt allen Rivalen weitere Zeit ab. Das ist die logischste Folge.“
Martin kam zu einer nahezu identischen Einschätzung und erwartet keinen ausgeglichenen Fight. „Ich denke, Jonas wird die Etappe gewinnen, und es wird nicht besonders knapp.“

Auch Spencer Martin erwartet totale Kontrolle

Der US-Journalist ergänzte, dass die Kontrolle auf der Straße absolut sein wird, selbst wenn die offiziellen Abstände moderat wirken: „Vielleicht sieht es zeitlich eng aus, physisch wird es das nicht sein. Er wird über die gesamte Etappe die Kontrolle haben.“
Bruyneel wagte sogar einen deutlichen Vorsprung im Ziel: „Ich denke, morgen wird es wieder mindestens eine Minute.“
Beide Analysten sehen den eigentlichen Kampf um das Podium, nicht um die Spitze. Bruyneel äußerte Zweifel an einigen Fahrern, die bislang hartnäckig mithielten.

Zweifel an den Rivalen

Über den jungen Eulalio – den er als besonders anfällig für Höhe und kumulierte Müdigkeit sieht – sagte er: „Diese kurzen Antritte sind sein Terrain, aber die Folgen des heutigen Sturzes werden sich morgen bemerkbar machen.“
Zudem ordnete er den Podiumskampf unter Kletterern wie Felix Gall, Jai Hindley und Thymen Arensman ein: „An einem fünf Kilometer langen Anstieg mit 10 % zählt der reine Kletterer mehr als der große Motor.“
Die Königsetappe bietet fast 5.000 Höhenmeter und mythische Anstiege wie den Passo Giau, die Cima Coppi dieses Giros auf über 2.300 Metern. Für Bruyneel und Martin wirkt das wie die perfekte Bühne für die nächste Vingegaard-Gala.
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