Der Giro d’Italia 2026 findet vom 08.05. bis 31.05. statt. Er ist die erste Grand Tour der Saison, mit 21 Etappen durch viele ikonische Städte Italiens, die mythischen Alpen und zahlreiche tückische Abschnitte – jede Etappe kann die Chancen der Kletterer zunichtemachen. Wir blicken auf Etappe 19, deren Start und Ziel voraussichtlich um 12:15 bzw. 17:10 CET liegen.
Streckenprofil Etappe 19: Feltre - Alleghe (Piani di Pezzè)
Etappe 19: Feltre - Alleghe (Piani di Pezzè), 151 Kilometer
Etappe 19 des Giro ist die Königsetappe – auf der
Jonas Vingegaard versuchen wird, sein
Rosa Trikot zu verteidigen – mit 151 Kilometern in den Dolomiten. Die Etappe ist kurz, ja, aber so schwer, dass es kein Entkommen gibt. Die Anstiege sind nicht nur sehr anspruchsvoll, sie folgen auch Schlag auf Schlag und führen zudem in große Höhen.
Die ersten Kilometer sind wellig und erlauben Ausreißversuche, zumal kein klassifizierter Anstieg ansteht – entsprechend kann ein breites Fahrerprofil versuchen, dem Feld vor den Bergen zuvorzukommen. 4900 Höhenmeter stehen an, den Auftakt macht meist der Passo Duran.
Passo Duran – Anstiegsprofil
Der erste Anstieg des Tages entspricht vom Profil her der Alpe d’Huez: 12 Kilometer mit über 8 Prozent. Eine kurze Abfahrt führt direkt in den Coi mit 5,8 km bei 9,3 Prozent; und eine weitere kurze Abfahrt leitet unmittelbar auf den dritten Anstieg des Tages, die Forcela Staulanza (6,3 km; 6,7 Prozent), über.
Doch diese Anstiege werden trotz ihrer Härte wohl vor allem genutzt, um Müdigkeit für den vierten Anstieg zu erzeugen. Der mythische Passo Giau kehrt zurück und wird von Selva di Cadore aus, seiner härtesten Seite, befahren. Der Anstieg ist 9,8 Kilometer lang, im Schnitt 9,3 Prozent steil und gipfelt auf 2226 Metern – er vereint alles, was einen Anstieg brutal macht.
Das Wetter in der Region ist zudem oft instabil, mit unvermeidlich kalten Temperaturen am Gipfel. Es folgt eine sehr schnelle Abfahrt, direkt in den Passo Falzarego, der 10 Kilometer bei 5,4 Prozent misst.
Doch der Anstieg kann größere Abstände reißen, als man erwarten würde – mit der aufgestauten Ermüdung, insbesondere direkt nach dem Giau, und angesichts der Höhe mit über 2100 Metern am Pass.
Die Fahrer verlieren anschließend über 1000 Höhenmeter, doch die Etappe ist damit nicht zu Ende. Es wartet ein Gipfelankunft in Piani di Pezzè, kürzer, aber extrem steil. 5 Kilometer bei 9,6 Prozent setzen einen passenden Schlusspunkt.
Passo Giau – Anstiegskarte
Passo Falzarego – Anstiegsprofil
Piani di Pezzè – Anstiegsprofil
Die Favoriten
Topfavorit auf den Etappensieg ist Jonas Vingegaard, viel Analyse braucht es nicht. Es gab vier Bergetappen, alle vier gewann der Däne ohne echte Spannung. Er ist der mit Abstand stärkste Kletterer im Rennen, und nichts deutet auf eine Wende hin. Zudem ist dies die schwerste Etappe – selbst wenn eine Fluchtgruppe viel Vorsprung erhält, werden die Schwierigkeiten des Tages die Besten natürlicherweise nach vorn spülen.
Taktische Spielchen sind kaum zu erwarten. Sollte sich die Gruppe erst am Passo Duran absetzen, werden Fahrer wie
Giulio Ciccone,
Einer Rubio und Co. erneut im Ausreißerzug um den Sieg kämpfen, wie schon das ganze Rennen über. Außenseiter im Gesamtklassement werden gleichermaßen versuchen, vorzuspringen – oft sinnvoller, als im Feld ohne Teamkollegen in einer von Visma kontrollierten Gruppe mitzuschwimmen.
Chris Harper, David de la Cruz, Jan Hirt, Johannes Kulset, Igor Arrieta und Wout Poels sind Anwärter. Es braucht jedoch einen Topkletterer in absoluter Bestform, um durchzukommen. Sinnvoll wäre auch ein Angriff von Egan Bernal; der Tag liegt ihm. Doch INEOS fuhr bislang sehr konservativ – wie zu Team-Sky-Zeiten – und dürfte ihn wohl bei Thymen Arensman belassen, um das Podium abzusichern.
Im GC – was kann sich ändern? Vieles hängt vom Tagesgefühl ab. Der Etappentyp liegt
Felix Gall, Thymen Arensman und
Jai Hindley gleichermaßen. Dennoch dürfte Arensman am meisten unter Druck geraten; die Abstände ums Podium sind klein.
Ich erwarte, dass Afonso Eulálio seinen fünften Platz an Derek Gee und Michael Storer verliert, während es im Kampf um Weiß eng bleibt. Die langen, stetigen Anstiege werden ihm zusetzen – zusätzlich zum heutigen Sturz –, während der von Visma gezogene Davide Piganzoli hier Großes leisten kann.
Prognose Giro d’Italia 2026 Etappe 19
⭐⭐⭐ Jonas Vingegaard
⭐⭐ Giulio Ciccone, Einer Rubio, Chris Harper
⭐ Felix Gall, Jai Hindley, Thymen Arensman, Egan Bernal, Derek Gee, David de la Cruz, Johannes Kulset, Wout Poels, Igor Arrieta
Tipp: Jonas Vingegaard
Wie: Ein weiterer dominanter Solosieg.