Der baskische Radsommer erreicht mit der
Clasica San Sebastian einen seiner absoluten Höhepunkte. Das traditionsreiche Eintagesrennen zählt zu den prestigeträchtigsten und anspruchsvollsten Klassikern im WorldTour-Kalender und versammelt am 1. August erneut zahlreiche Topstars des internationalen Pelotons – nur wenige Tage nach dem Ende der Tour de France. Wir werfen einen Blick auf das anspruchsvolle Profil der diesjährigen Ausgabe.
Die Donostia Klasikoa hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Klassiker für Kletterer, Puncheure und Rundfahrer etabliert. Anspruchsvolle Anstiege, enge und kurvenreiche Straßen sowie ein selektiver Streckenverlauf machen das Rennen Jahr für Jahr zu einer idealen Bühne für die komplettesten Fahrer des Pelotons. Auch 2026 bleibt der Veranstalter dem bewährten Erfolgsrezept treu.
Eine lange Geschichte großer Sieger
Die Fahrer erwartet eine 221,1 Kilometer lange Strecke mit Start und Ziel in San Sebastián. Insgesamt sind knapp 4.300 Höhenmeter sowie sieben klassifizierte Anstiege zu bewältigen. Das Rennen wurde 1981 erstmals ausgetragen und direkt vom Spanier Marino Lejarreta gewonnen, der seinen Erfolg ein Jahr später wiederholen konnte.
Schon wenige Jahre nach seiner Premiere entwickelte sich das Rennen zu einem internationalen Prestigeereignis. 1985 triumphierte Adrie van der Poel, ehe in den 1990er-Jahren unter anderem Miguel Induráin, Claudio Chiappucci, Lance Armstrong und Davide Rebellin die Siegerliste prägten. Damit etablierte sich die Clásica San Sebastián endgültig als Rennen für Fahrer, die sowohl bei Grand Tours als auch bei anspruchsvollen Klassikern erfolgreich sind.
Auch im neuen Jahrtausend reihten sich zahlreiche große Namen in die Siegerliste ein. Laurent Jalabert, Alejandro Valverde, Paolo Bettini und Philippe Gilbert gewannen den baskischen Klassiker ebenso wie Julian Alaphilippe und
Remco Evenepoel. Der Olympiasieger ist mit drei Erfolgen (2019, 2022 und 2023) einer der erfolgreichsten Fahrer der jüngeren Geschichte. Die bislang letzte Austragung entschied
Giulio Ciccone 2025 nach einer Soloattacke am letzten Anstieg für sich.
Vorschau auf die Clásica San Sebastián 2026
Remco Evenepoel – Es gibt keinen Fahrer, der dieses Rennen eigentlich nur verlieren kann. Wenn man jedoch betrachtet, in welcher Verfassung Remco Evenepoel die Tour de France beendet hat, fällt es schwer, sich an einem guten Tag einen stärkeren Fahrer vorzustellen. Der Belgier konnte die Clásica San Sebastián bereits mehrfach gewinnen und ist sowohl für kurze als auch für längere Belastungen bestens geeignet. Zudem tritt er mit seinem Tour-de-France-Gewicht an und beendete die Frankreich-Rundfahrt in herausragender Form.
Die Geschlossenheit von Red Bull könnte angesichts der unklaren Rolle von Primož Roglič Fragen aufwerfen. Giulio Pellizzari und Maxim Van Gils sollten Evenepoel jedoch perfekt in Position bringen können. Mit so vielen Spitzenfahrern dürfte das Team zu keinem Zeitpunkt von den Entwicklungen im Rennen überrascht werden.
UAE – Red Bull muss an den längeren Anstiegen großen Druck ausüben, denn UAE hat einen gefährlichen Mann im Aufgebot. Jhonatan Narváez ging ohne vorherige Renneinsätze beim Giro d’Italia an den Start und präsentierte sich dort in hervorragender Verfassung. Nun könnte sich dieses Szenario wiederholen. Mit Jan Christen, der im vergangenen Jahr Zweiter wurde, verfügt UAE über eine weitere starke Option und insgesamt über mehrere Karten, die das Team ausspielen kann.
Lidl-Trek – Giulio Ciccone gewann dieses Rennen im vergangenen Jahr. Er vereint die nötige Stärke an längeren Anstiegen mit einer hohen Explosivität. Der Italiener ist wie geschaffen für ein Rennen dieser Art und verfügt außerdem über einen starken Sprint. Genau wie Red Bull kann auch das deutsche Team auf ein äußerst starkes Kollektiv bauen.
Bauke Mollema hat hier bereits gewonnen und befindet sich in sehr guter Form. Quinn Simmons kommt ebenfalls mit einer starken Tour de France in den Beinen. Dazu stehen Derek Gee und Thibau Nys im Aufgebot, der in Bestform am finalen Anstieg zu einer großen Gefahr werden könnte.
Bahrain Victorious – Auch Bahrain verdient besondere Aufmerksamkeit, denn das Team verfügt über ein sehr breit aufgestelltes Aufgebot. Lokalmatador Pello Bilbao kennt die Straßen wie seine Westentasche. Afonso Eulálio fühlt sich auf steilem und explosivem Terrain besonders wohl, während Lenny Martínez die Tour de France in der Form seines Lebens beendete. Mit den steilen Anstiegen und längeren Belastungen ist er ein idealer Kandidat für dieses Rennen.
Das Teilnehmerfeld ist allerdings außergewöhnlich stark. Es scheint beinahe unvermeidlich, dass das Rennen am Erlaitz auseinanderbricht. Mehrere reine Kletterer müssen dort ihre Chance suchen, selbst wenn die größten Favoriten noch abwarten. Fahrer wie Felix Gall, Carlos Rodríguez, Mikel Landa und Enric Mas können an diesem Anstieg ihre Karten ausspielen und um ein Spitzenergebnis kämpfen.
Evenepoel, Martínez und Ciccone könnten jedoch dasselbe vorhaben. Zu den weiteren Kletterern, die berücksichtigt werden müssen, zählen Luke Plapp, Alex Baudin, Ben Tulett, Matteo Jorgenson, Ilan Van Wilder, Ion Izagirre, Javier Romo und Diego Pescador.
Letztlich bleibt die Clásica San Sebastián jedoch ein hügeliger Klassiker. Einige Puncheure könnten den Erlaitz überstehen und anschließend noch um ein gutes Ergebnis kämpfen.
Mauro Schmid, Tom Gloag, Christian Scaroni, Clément Champoussin, Ben Healy und Alex Aranburu gehören in diese Kategorie. Sie zählen zwar nicht zu den absoluten Topfavoriten, doch auch die früheren Sieger Julian Alaphilippe und Marc Hirschi, die für Tudor antreten, dürfen nicht abgeschrieben werden.
Prognose für die Clásica San Sebastián 2026
*** Remco Evenepoel, Lenny Martínez
** Jhonatan Narváez, Giulio Ciccone, Mauro Schmid
* Maxim Van Gils, Jan Christen, Quinn Simmons, Felix Gall, Ben Tulett, Matteo Jorgenson, Christian Scaroni
Tipp: Remco Evenepoel
So gewinnt er: Mit einem Angriff nach dem Erlaitz setzt sich Evenepoel ab und fährt als Solist zum Sieg.
Streckenprofil: San Sebastián - San Sebastián
San Sebastián - San Sebastián, 221,3 Kilometer
Sieben Anstiege und mehr als 4.300 Höhenmeter
Bereits die erste Rennhälfte verlangt den Fahrern einiges ab. Nach dem Start in San Sebastián führt die Strecke zunächst entlang der Küste von Gipuzkoa, ehe die ersten Anstiege beginnen. Den Auftakt macht der Alto de Kalbario (2,2 Kilometer mit durchschnittlich acht Prozent Steigung) bei Rennkilometer 55,9. Kurz darauf folgt mit dem Azkarate (4,2 Kilometer bei 7,3 Prozent) bereits die nächste anspruchsvolle Bergwertung, an der das Feld meist erstmals auseinanderfällt.
Das erste große Hindernis wartet anschließend mit dem Alto de Urraki. Der Anstieg der zweiten Kategorie ist 8,6 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 6,9 Prozent auf. Traditionell wird hier das Rennen deutlich selektiver und zahlreiche Favoriten verlieren ihre letzten Helfer. Nach der Abfahrt folgt der Alto de Alkiza (4,4 Kilometer mit 6,2 Prozent), ehe ein längerer Übergangsabschnitt zurück in Richtung San Sebastián führt.
Jaizkibel, Erlaitz und Murgil als Schlüsselstellen
Wie so oft dürfte die Entscheidung an den letzten drei Anstiegen fallen. Rund 62 Kilometer vor dem Ziel erreichen die Fahrer den legendären Jaizkibel. Der 7,9 Kilometer lange Anstieg mit durchschnittlich 5,6 Prozent Steigung gilt seit Jahrzehnten als klassischer Ausgangspunkt für die ersten Attacken der Favoriten. Die Steigungswerte sind zwar moderat, doch die bereits absolvierten Rennkilometer machen ihn zu einem entscheidenden taktischen Punkt.
Nur wenig später wartet mit dem Erlaitz der wohl härteste Anstieg des Tages. Die Bergwertung der ersten Kategorie ist lediglich 3,8 Kilometer lang, weist jedoch eine durchschnittliche Steigung von 10,6 Prozent auf und zählt damit zu den steilsten Anstiegen im gesamten WorldTour-Kalender. Hier entstehen regelmäßig die größten Zeitabstände des Rennens. Vom Gipfel sind es noch rund 45 Kilometer bis ins Ziel – ideale Voraussetzungen für lange Solofluchten oder taktische Angriffe kleiner Gruppen.
Doch selbst danach ist das Rennen noch nicht entschieden. Mit der berüchtigten Murgil-Mauer wartet der letzte große Prüfstein des Tages. Der Schlussanstieg ist 2,1 Kilometer lang und im Durchschnitt 10,1 Prozent steil. Seine explosiven Rampen lieferten in den vergangenen Jahren mehrfach die Bühne für entscheidende Attacken und dürften auch 2026 zum finalen Selektionspunkt werden.
Nach der Kuppe verbleiben nur noch acht Kilometer bis zum Ziel in San Sebastián. Mehr als 4.300 Höhenmeter, sieben klassifizierte Anstiege und ein extrem anspruchsvolles Finale machen die Clásica San Sebastián einmal mehr zu einem der spektakulärsten Eintagesrennen des Jahres – und zum perfekten Terrain für Kletterer, Puncheure sowie ambitionierte Rundfahrer.
Siegerliste Clásica San Sebastián
| Jahr | Sieger | Zweiter | Dritter |
| 1981 | Marino Lejarreta (ESP) | Graham Jones (GBR) | Faustino Rupérez (ESP) |
| 1982 | Marino Lejarreta (ESP) | Jesús Rodríguez Magro (ESP) | Pedro Delgado (ESP) |
| 1983 | Claude Criquielion (BEL) | Antonio Coll (ESP) | Reimund Dietzen (GER) |
| 1984 | Niki Rüttimann (SUI) | Reimund Dietzen (GER) | Celestino Prieto (ESP) |
| 1985 | Adrie van der Poel (NED) | Iñaki Gastón (ESP) | Juan Fernández Martín (ESP) |
| 1986 | Iñaki Gastón (ESP) | Marino Lejarreta (ESP) | Juan Fernández Martín (ESP) |
| 1987 | Marino Lejarreta (ESP) | Ángel Arroyo (ESP) | Fede Etxabe (ESP) |
| 1988 | Gert-Jan Theunisse (NED) | Enrique Aja (ESP) | Steven Rooks (NED) |
| 1989 | Gerhard Zadrobilek (AUT) | Francisco Antequera (ESP) | Tony Rominger (SUI) |
| 1990 | Miguel Induráin (ESP) | Laurent Jalabert (FRA) | Sean Kelly (IRL) |
| 1991 | Gianni Bugno (ITA) | Pedro Delgado (ESP) | Maurizio Fondriest (ITA) |
| 1992 | Raúl Alcalá (MEX) | Claudio Chiappucci (ITA) | Eddy Bouwmans (NED) |
| 1993 | Claudio Chiappucci (ITA) | Gianni Faresin (ITA) | Alberto Volpi (ITA) |
| 1994 | Armand de Las Cuevas (FRA) | Lance Armstrong (USA) | Stefano della Santa (ITA) |
| 1995 | Lance Armstrong (USA) | Stefano della Santa (ITA) | Johan Museeuw (BEL) |
| 1996 | Udo Bölts (GER) | Stefano Cattai (ITA) | Massimo Podenzana (ITA) |
| 1997 | Davide Rebellin (ITA) | Alexandr Gonchenkov (UKR) | Stefano Colagè (ITA) |
| 1998 | Francesco Casagrande (ITA) | Axel Merckx (BEL) | Leonardo Piepoli (ITA) |
| 1999 | Francesco Casagrande (ITA) | Rik Verbrugghe (BEL) | Giuliano Figueras (ITA) |
| 2000 | Erik Dekker (NED) | Andréi Chmil (BEL) | Romāns Vainšteins (LAT) |
| 2001 | Laurent Jalabert (FRA) | Francesco Casagrande (ITA) | Davide Rebellin (ITA) |
| 2002 | Laurent Jalabert (FRA) | Igor Astarloa (ESP) | Gabriele Missaglia (ITA) |
| 2003 | Paolo Bettini (ITA) | Ivan Basso (ITA) | Danilo Di Luca (ITA) |
| 2004 | Miguel Ángel Martín Perdiguero (ESP) | Paolo Bettini (ITA) | Davide Rebellin (ITA) |
| 2005 | Tino Zaballa (ESP) | Joaquim Rodríguez (ESP) | Eddy Mazzoleni (ITA) |
| 2006 | Xavier Florencio (ESP) | Stefano Garzelli (ITA) | Andréi Kashechkin (KAZ) |
| 2007 | Leonardo Bertagnolli (ITA) | Juanma Gárate (ESP) | Alejandro Valverde (ESP) |
| 2008 | Alejandro Valverde (ESP) | Aleksandr Kolobnev (RUS) | Davide Rebellin (ITA) |
| 2009 | Roman Kreuziger (CZE) | Mickaël Delage (FRA) | Peter Velits (SVK) |
| 2010 | Luis León Sánchez (ESP) | Alekszandr Vinokurov (KAZ) | Carlos Sastre (ESP) |
| 2011 | Philippe Gilbert (BEL) | Carlos Barredo (ESP) | Greg Van Avermaet (BEL) |
| 2012 | Luis León Sánchez (ESP) | Simon Gerrans (AUS) | Gianni Meersman (BEL) |
| 2013 | Tony Gallopin (FRA) | Alejandro Valverde (ESP) | Roman Kreuziger (CZE) |
| 2014 | Alejandro Valverde (ESP) | Bauke Mollema (NED) | Joaquim Rodríguez (ESP) |
| 2015 | Adam Yates (GBR) | Philippe Gilbert (BEL) | Alejandro Valverde (ESP) |
| 2016 | Bauke Mollema (NED) | Tony Gallopin (FRA) | Alejandro Valverde (ESP) |
| 2017 | Michał Kwiatkowski (POL) | Tony Gallopin (FRA) | Bauke Mollema (NED) |
| 2018 | Julian Alaphilippe (FRA) | Bauke Mollema (NED) | Anthony Roux (FRA) |
| 2019 | Remco Evenepoel (BEL) | Greg Van Avermaet (BEL) | Marc Hirschi (SUI) |
| 2020 | Abgesagt | – | – |
| 2021 | Neilson Powless (USA) | Matej Mohorič (SLO) | Mikkel Honoré (DEN) |
| 2022 | Remco Evenepoel (BEL) | Pavel Sivakov (FRA) | Tiesj Benoot (BEL) |
| 2023 | Remco Evenepoel (BEL) | Pello Bilbao (ESP) | Aleksandr Vlásov (Neutral) |
| 2024 | Marc Hirschi (SUI) | Julian Alaphilippe (FRA) | Lennert Van Eetvelt (BEL) |
| 2025 | Giulio Ciccone (ITA) | Jan Christen (SUI) | Maxim Van Gils (BEL) |