„Viele Teams sind schon verzweifelt“ – Bruyneel analysiert die Giro d’Italia-Taktik nach Movistars gescheitertem Etappenangriff
Radsport
Die 12. Etappe des Giro d’Italia bot ein Finale, das den modernen Radsport auf den Punkt bringt: Strategie, Verschleiß, Opportunismus und kühle Nerven. In der neuesten Folge des Lance-Armstrong-YouTube-Kanals „The Move“ zerlegten Johan Bruyneel und Spencer Martin einen chaotischen Tag, der mit Alec Segaerts Sieg endete – nach einer immensen, letztlich vergeblichen Arbeit des Movistar Team.
Bruyneel hob die taktische Cleverness des Belgiers beim entscheidenden Angriff hervor. Für den früheren Sportdirektor war die Aktion sowohl gut vorbereitet als auch sauber ausgeführt: „Es war ein perfekt geplanter Angriff.“ Das Timing war entscheidend. Segaert sprang drei Kilometer vor dem Ziel direkt nach einer Kurve – und erwischte alle Teams auf dem falschen Fuß, die gerade die Verfolgung organisieren wollten.
Martin verglich die Aktion sogar mit den Lehrstücken des offensiven Rennens: „Er muss Greg LeMonds Buch gelesen haben. In den Kurven angreifen.“ Der Analyst erklärte, wie das Feld zu lange zögerte, während Visma an der Spitze nur kontrollierte, um Jonas Vingegaard zu schützen – ohne echtes Interesse, die Lücke zu schließen.
Für Bruyneel ist der Sieg umso beeindruckender mit Blick auf Segaerts Statur. Er merkte an, dass der Belgier rund 79 Kilo wiegt und dennoch das hohe Movistar-Tempo an den späten Anstiegen hielt. „Er musste enorme Watt drücken, um dort zu bleiben“, sagte er. Nach seiner Schätzung musste der Belgier an den Anstiegen wohl über 450 Watt treten, um den Anschluss nicht zu verlieren.
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Der ehemalige Sportdirektor betonte zudem, dass dies nicht Segaerts erster Langangriff war. Ähnliche Versuche hatte er bereits bei Gent–Wevelgem und anderen Klassikern unternommen. Der Unterschied diesmal: Niemand konnte die Lücke schließen.
Die Arbeit des Movistar Team verpufft
Ein Großteil der Analyse drehte sich um die Taktik des Movistar Team. Die Spanier machten das Rennen früh schwer, um die reinen Sprinter zu zermürben. Der Plan ging teilweise auf: Fahrer wie Jonathan Milan, Groenewegen und Lund wurden distanziert. Das Problem kam laut Bruyneel danach.
„Die Gefahr solcher Strategien ist, dass man weit vor dem Ziel viele Fahrer verheizt“, sagte er. Movistar verkleinerte zwar die Gruppe, hatte anschließend aber zu wenig Helfer, um die späten Angriffe zu kontrollieren. Genau dann schlug Segaert zu und nutzte das perfekte Timing.
Martin betonte, dass mehrere Teams die Movistar-Arbeit indirekt verstärkten. INEOS setzte auf Ethan Vernon, und EF jagte Optionen mit Madis Mikkels. So entstand ein ideales Szenario für einen reduzierten Sprint – aber ohne die Kontrolle, um eine Überraschungsattacke zu verhindern.

Movistar Team, bei der Giro de Italia 2026
Bruyneel wiederholte, dass Visma nie ernsthaft hinterherfahren wollte. Das niederländische Team wollte nur Vingegaard aus dem Gröbsten heraushalten. „Ihre Aufgabe war, Jonas aus Problemen zu halten, nicht Segaert zu fangen“, stellte er klar. Er erinnerte auch an die kuriose Szene, als Victor Campenaerts, Segaerts Teamkollege und Freund, an der Spitze zog, während der Ausreißer seinen Vorsprung ausbaute.
Ein weiteres großes Thema war Toon Aerts. Der Belgier wurde Zweiter und schrieb eine der auffälligsten Geschichten des Tages. Martin merkte an, dass er bis vor Kurzem fast ausschließlich im Cyclocross unterwegs war. Bruyneel erläuterte, dass der volle Wechsel auf die Straße erst 2025 kam, und lobte seine Leistung: „Es ist der Beweis, dass es nie zu spät ist.“
Der frühere Sportdirektor sprach auch über die Sanktion, die Aerts vor Jahren wegen einer unbeabsichtigten Kontamination erhielt. Es sei nie eine Substanz gewesen, die klar leistungssteigernd wirke, dennoch verbüßte der Fahrer eine zweijährige Sperre.
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Eulalio und der Erfolg von Bahrain Victorious
Über den Etappensieg hinaus hob Bruyneel die ausgezeichnete Stimmung bei Bahrain Victorious bei diesem Giro hervor. Leader Alfonso Lualio sammelte weitere Bonifikationen, und auch Ben O’Connor nahm im Finale Zeit ab. Für den Belgier kann diese Dynamik in einer Grand Tour psychologisch den Unterschied machen.
„Erfolg ist ansteckend in einer Grand Tour“, sagte er. Laut Bruyneel fühlt sich das Leiden völlig anders an, wenn ein Team spürt, dass alles läuft und Ergebnisse kommen. „Es ist etwas anderes, aus einem Grund zu leiden, als nur zu leiden, weil man das Tempo anderer Teams halten muss“, ergänzte er.
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Martin verwies anschließend auf eine bemerkenswerte Statistik im Gesamtklassement: Vier Australier liegen in den Top 10 des Giro. Ben O’Connor, Jai Hindley, Michael Storer und Chris Harper halten die australischen Hoffnungen in der Italien-Rundfahrt am Leben.
Zeit blieb auch für einige taktische Kuriositäten. Bruyneel wunderte sich, dass Teams wie Lidl-Trek oder Soudal Quick-Step nicht mehr Fahrer zurückfallen ließen, um ihren abgehängten Sprintern zu helfen. Besonders auffällig war Milans Fall, der den Anschluss verlor, aber dennoch Chancen auf die Rückkehr zu haben schien.
„Ich hätte alle zurückgepfiffen, um den Sprint zu retten“, so der Belgier. Martin ergänzte, dass das Tempo so hoch war, dass selbst von Teamkollegen eskortierte Fahrer die Lücke kaum schließen konnten.

Afonso Eulálio im Rosa Trikot des Giro d’Italia
Bruyneels Ausblick auf Etappe 13
Mit Blick auf die 13. Etappe waren sich Bruyneel und Martin einig: Die Strecke verspricht erneut ein hochkomplexes taktisches Gefecht. Im Finale wartet ein giftiger Schlussanstieg mit Rampen über 10%, gefolgt von einer schnellen Abfahrt ins Ziel.
Bruyneel glaubt, dass die Sprinter chancenlos sind, und hob zwei Topfavoriten hervor: Jonathan Narváez und Giulio Ciccone. Beide brächten das ideale Profil mit, um den letzten Anstieg zu überstehen und in einer reduzierten Gruppe zu vollenden.
Allerdings räumt er auch einer Ausreißergruppe realistische Chancen ein. „Es wird davon abhängen, wie viel UAE und Lidl-Trek fahren wollen“, erklärte er. Über so viele Kilometer eine Gruppe zu kontrollieren, würde die Helfer enorm beanspruchen.
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Martin brachte sogar ins Spiel, dass Narváez versuchen könnte, direkt in die richtige Gruppe zu springen. Bruyneel bezweifelte allerdings die Kooperation: „Wer will im Moment mit Narváez zusammenarbeiten?“
Das Gespräch endete mit einem interessanten Blick auf die zweite Giro-Hälfte. Bruyneel sieht viele Teams unter wachsendem Zugzwang, weil die Gelegenheiten schwinden. Bei nur noch wenigen wirklich zugänglichen Etappen könnten die Taktiken deutlich aggressiver und unberechenbarer werden. „Wir werden Manöver sehen, die wir vielleicht nicht verstehen – aber das liegt daran, dass viele Teams bereits verzweifelt auf einen Etappensieg aus sind“, schloss er.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










