Der Giro d’Italia 2026 hat bereits in den ersten Tagen für große Spannung gesorgt. Nach fünf Etappen trugen bereits vier verschiedene Fahrer das Rosa Trikot – der aktuellste Name auf dieser Liste: Afonso Eulálio. Der portugiesische Kletterspezialist profitierte am fünften Renntag von einer erfolgreichen Fluchtgruppe und übernahm überraschend die Gesamtführung der Corsa Rosa.
Während Eulálio öffentlich weiterhin als Fahrer im letzten Vertragsjahr gilt, deutet hinter den Kulissen inzwischen vieles auf eine langfristige Zukunft bei
Bahrain - Victorious hin. Denn offenbar hat sich das Team die Dienste des 23-Jährigen bereits vor seinem großen Durchbruch beim Giro gesichert.
Vertragsverlängerung offenbar schon vor Giro-Start fixiert
Wie Journalist
Daniel Benson am Mittwoch vor Ort beim Giro d’Italia berichtete, soll Eulálio einer Vertragsverlängerung bis einschließlich 2028 zugestimmt haben. Demnach sei die Einigung bereits unmittelbar vor dem Start der Corsa Rosa erzielt worden – noch bevor sich der Portugiese mit seinen Leistungen ins Rampenlicht des internationalen Radsports fuhr.
Afonso Eulálio begeistert beim Giro d’Italia 2026 mit dem Maglia Rosa und bestätigt sein enormes Potenzial als Kletterspezialist
Vor Etappe 6 führt Eulálio den Giro d’Italia weiterhin an. Vieles spricht dafür, dass er das Maglia Rosa mindestens bis zur schweren Bergankunft am Blockhaus auf Etappe 7 verteidigen kann. Entscheidend dürfte allerdings sein, wie gut er den Sturz im Finale der Mittwochsetappe wegsteckt. Sollte er gesundheitlich ohne größere Probleme bleiben, könnte er das Rosa Trikot sogar bis in die zweite Rennwoche hinein tragen.
Wird Eulálio zum neuen Gesicht von Bahrain - Victorious?
Die Entwicklung des Portugiesen gehört seit einiger Zeit zu den spannendsten Geschichten im internationalen Radsport. Eulálio zählt zu den wenigen Fahrern aus Portugal, die direkt aus der nationalen Szene den Sprung in die WorldTour geschafft haben. Dies gelang ihm im Alter von 23 Jahren – unterstützt von der Agentur A&J All Sports, die unter anderem auch Tadej Pogacar und Isaac del Toro betreut.
Gemanager wird Eulálio vom früheren WorldTour-Profi Beñat Intxausti, der Ende 2024 den Kontakt zu Bahrain - Victorious hergestellt haben soll. Der Schritt in die höchste Rennklasse gelang dem Portugiesen bemerkenswert schnell.
Bereits bei seinem WorldTour-Debüt bei der Tour Down Under überzeugte Eulálio mit Rang 15 gegen starke Konkurrenz. Ein echtes Ausrufezeichen setzte er dann beim Giro d’Italia 2025, als er den Passo del Mortirolo als Erster erreichte und auf einer der schwersten Etappen des Rennens seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Kletterer demonstrierte.
Im weiteren Verlauf der Saison bestätigte Eulálio sein Potenzial eindrucksvoll. Rang sechs bei der Tour of Britain sowie vor allem ein Top-10-Ergebnis bei den anspruchsvollen Weltmeisterschaften in Ruanda untermauerten endgültig seinen Ruf als eines der größten Bergfahrtalente im Peloton.
Zwar verlief das Frühjahr 2026 vergleichsweise ruhig, dennoch zeigte der Portugiese konstant starke Leistungen. Nach Rang fünf bei der AlUla Tour fuhr er auf der Königsetappe der Katalonien-Rundfahrt in die Top 10, übernahm bei Bahrain - Victorious jedoch überwiegend Helferdienste.
Auch beim Giro d’Italia war ursprünglich eine ähnliche Rolle vorgesehen. Doch nachdem Santiago Buitrago infolge seines Sturzes auf Etappe 2 aussteigen musste, erhielt Eulálio innerhalb der Mannschaft deutlich mehr Freiheiten.
Diese nutzte der Portugiese konsequent. Auf Etappe 5 ging er in die Gruppe des Tages und spielte dort seine Qualitäten am Berg eindrucksvoll aus. Zunächst schaffte er den entscheidenden Sprung nach vorne, ehe er im weiteren Rennverlauf sämtliche Rivalen distanzierte – einzig Igor Arrieta, der zuvor attackiert hatte, blieb vor ihm.
Die kommenden Wochen könnten nun richtungsweisend für die Zukunft von Bahrain - Victorious werden. Mit Damiano Caruso und Pello Bilbao stehen zwei erfahrene Leistungsträger offenbar vor dem Karriereende, während Santiago Buitrago den Rennstall voraussichtlich verlassen wird. Als mögliches Ziel des Kolumbianers gilt Movistar.
Damit eröffnet sich für Eulálio die Chance, mittelfristig in die Rolle des Teamkapitäns hineinzuwachsen. Entscheidend dafür werden seine weiteren Auftritte beim Giro d’Italia sein – dort soll sich der Portugiese endgültig als Kletterer der Spitzenklasse und potenzieller Anwärter auf Grand-Tour-Erfolge beweisen.