Tirreno–Adriatico 2026 findet vom 09. bis 15.03. statt und zählt – wie jedes Jahr – zu den wichtigsten Frühjahrsrennen. Es bietet Sprintern, Zeitfahrern und Kletterern goldene Chancen bei einem der Top-Events Italiens; und zugleich ideale Wettkampfkilometer für Klassiker-Spezialisten vor ihren großen Zielen. Wir blicken auf Etappe 5, der Start ist um 10:55 Uhr, das Ziel wird gegen 15:45 Uhr CET erwartet.
Das Rennen wurde 1966 ins Leben gerufen und führt – wie der Name verrät – von der Tyrrhenischen Küste bis an die Adria. Es quert Mittelitalien von West nach Ost mit Etappen für alle Fahrertypen. Dino Zandegù gewann die erste Ausgabe, doch schon bald strömten große internationale Namen herbei – trotz Terminüberschneidung mit Paris–Nizza. Die sechs Gesamtsiege in Serie von Roger De Vlaeminck zwischen 1972 und 1977 hoben das Rennen auf höchstes Niveau, zahlreiche Legenden haben ihren Namen in dieser einwöchigen Rundfahrt verewigt.
Francesco Moser, Giuseppe Saronni, Joop Zoetemelk und Tony Rominger prägten die Siegerlisten des 20. Jahrhunderts. In diesem Jahrhundert fehlten manchen Ausgaben Bergetappen, was die Vielfalt der Gesamtsieger erhöhte. Klassiker-Asse wie Paolo Bettini und Óscar Freire triumphierten auf dem Höhepunkt, Fabian Cancellara siegte 2008 und selbst Greg Van Avermaet holte sich 2016 den Titel...
In den letzten 15 Jahren jedoch ist die Qualität der Sieger außerordentlich: Viele der besten Kletterer der Welt gewannen die Gesamtwertung auf dem Zenit ihrer Karriere. Cadel Evans, Vincenzo Nibali, Alberto Contador, Nairo Quintana, Primož Roglič, Simon Yates, Tadej Pogačar, Jonas Vingegaard... Eine bessere Liste ist kaum vorstellbar. 2025 reihte sich Juan Ayuso in diese Galerie ein: Gesamtsieg nach Triumph auf der Königsetappe, er entthronte einen Filippo Ganna, der die besten Kletterbeine seiner Karriere zeigte.
Profil Etappe 5: Marotta-Mondolfo - Mombaroccio
Etappe 5: Marotta-Mondolfo - Mobaroccio, 184 Kilometer
Wieder eine explosive Etappe, ein Tirreno–Adriatico-Klassiker mit Anstiegen von Start bis Ziel, meist moderat, nicht allzu schwer, und mit einem zündenden Rundkurs-Finale. Der Monte delle Ceane ist ein echter Test: über 7% im Schnitt auf mehr als 7 Kilometern. Er endet jedoch über 80 Kilometer vor dem Ziel, und danach folgen noch zahlreiche Wellen.
Entsprechend kann das Rennen jederzeit explodieren – oder zusammenbleiben bis zum GC-Schlagabtausch am Schlussanstieg. 3800 Höhenmeter sorgen dafür, dass die Fahrer beim Santuario del Beato Sante sicher nicht frisch sind. Nach vielen kurzen Anstiegen können hier die Kletterer Akzente setzen: 4,2 Kilometer bei etwas über 6% im Schnitt.
Ein sehr offener Tag, das Profil bevorzugt weder reine Kletterer noch Puncheure eindeutig. Tempo und Rennhaltung entscheiden über die Gewichte. Der letzte Anstieg endet nur 1,5 Kilometer vor dem Ziel, anschließend geht es hinab zurück nach Mombaroccio zur Ziellinie.
Die Favoriten
Auf dem Papier sind viele Rennverläufe möglich, am Ende könnten sich die Kräfteverhältnisse jedoch neutralisieren. BORA hat keinen Grund mehr zu attackieren, seit
Giulio Pellizzari in Führung liegt und sie das Rennen kontrollieren. Keine absolute Kontrolle – der Vorsprung auf
Isaac Del Toro ist gering –, doch der junge Italiener trägt Gelb, also wird das Team eher absichern. Absichern vor
Isaac Del Toro, der explosiver und endschneller ist; heute aber aus meiner Sicht miserables Timing im Sprint hatte, sein Ergebnis verspielte und dem Italiener Sekunden überließ.
Der GC-Kampf bleibt spannend, und weil alles eng ist, werden nur wenige früh am Tag volles Risiko gehen – es sei denn, ein Team zündet die Lunte und alles fliegt auseinander. Möglich, aber eher eine Frage des Moments als planbar.
Der Schlussanstieg ist nicht brutal, aber durchaus fordernd. Neben Bonifikationen sind Lücken und ein Etappensieg drin – genug Gründe zum Abwarten. Fahrer wie Ben Healy oder das Bahrain-Duo Santiago Buitrago und Antonio Tiberi könnten früh attackieren. Giulio Ciccone, Matteo Jorgenson und Tobias Johannessen fahren derzeit enorm stark; vor allem die beiden Letzteren sind gefährlich, wenn sie eine Lücke reißen – ihre Form übertrifft womöglich das, was die Gesamtwertung zeigt.
Und die Klassikerfahrer? Sie werden sich testen. Viel Klettern, aber nicht zu hart, als dass
Mathieu van der Poel und
Wout van Aert nicht mithalten könnten. Für Flandern ist es ein wertvoller Härtetest, beide werden geschützt und probieren es. Ihre Chancen, die vielen Anstiege zu überstehen, sind ähnlich – nicht riesig, aber wenn das Rennen nicht zu hart gefahren wird, sind sie im Finale dabei. Man darf es leise sagen: Das gilt auch für
Filippo Ganna.
Mit einem Andrea Vendrame im Mix gibt es zudem Fahrer, die sprinten können und die erwartete GC-Ordnung im Kampf um den Tagessieg durcheinanderbringen. Clément Champoussin und Jan Christen waren heute ebenfalls in der ersten Gruppe – als Puncheure sind sie für einen derart giftigen Tag prädestiniert und verdienen die Nennung.
Prognose Tirreno–Adriatico 2026, Etappe 5
*** Isaac Del Toro, Mathieu van der Poel
** Giulio Pellizzari, Matteo Jorgenson, Tobias Johannessen
* Wout van Aert, Ben Healy, Andrea Vendrame, Jan Christen, Clément Champoussin
Tipp: Isaac Del Toro
Wie: Sprint einer reduzierten Gruppe.
Original: Rúben Silva