Da die Abstände zwischen vielen Fahrern in den vergangenen Jahren - abseits der offensichtlichen Ausnahmeerscheinungen - immer kleiner geworden sind, entscheiden Details mehr denn je. Wer über mehrere Saisons hinweg weitgehend verletzungs- und krankheitsfrei bleibt, besitzt an der Weltspitze einen klaren Vorteil. Genau dieser fehlt
Wout van Aert. Das ist ein zentraler Grund, warum er sich nicht in dem Maße entwickeln konnte wie
Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar.
„Es hatte etwas Tragisch-Poetisches: da gehen wir schon wieder… Er wollte nur ein paar Crossrennen fahren, um Explosivität und Technik zu schärfen“, sagte Zonneveld im Podcast In de Waaier. „Es ist keine schwere Sprunggelenksfraktur, sondern ein kleiner Riss. Normalerweise wäre sein Frühling dadurch nicht in Gefahr. Es kostet ihn einfach ein paar Wochen mehr.“
Jede verpasste Trainingswoche vergrößert den Abstand
Doch erneut läuft der Belgier der Zeit hinterher, und seine Frühjahrskampagne dürfte darunter leiden. Vermutlich bleibt er mindestens zwei Wochen vom Rad, verliert wertvolle Winterkilometer - und das bei nur noch vier Monaten bis zu seinen wichtigsten Saisonhöhepunkten.
Wout van Aert und Mathieu van der Poel im direkten Duell: Während der Niederländer seit Jahren nahezu ohne Unterbrechung trainieren und sich weiterentwickeln kann, werfen Verletzungen Van Aert immer wieder entscheidend zurück
„Wichtig ist jetzt, nicht zu weit zurückzufallen. Manchmal krampft es ein wenig.“ Wahrscheinlich erreicht Van Aert dennoch seine Bestform. Doch jede weitere Phase ohne substanzielle Trainingsarbeit vergrößert den Rückstand auf Rivalen, die zu dieser Jahreszeit lange Grundlagenstunden sammeln. Das verschärft zugleich seine Positionsprobleme im Feld, die ebenfalls eine Folge zahlreicher Stürze sind.
Zonneveld verweist auf eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren deutlich abgezeichnet hat. Während die Dominanz von Tadej Pogacar und
Mathieu van der Poel wohl auch in dieser Saison anhält, hängt sie maßgeblich mit ihrer Fähigkeit zusammen, schwere Verletzungen zu vermeiden, die wertvolle Trainingszeit kosten.
Weniger gilt das für Jonas Vingegaard und Remco Evenepoel, Pogacars wohl stärkste Herausforderer, und für Van Aert im direkten Vergleich mit Van der Poel. Der Belgier ist in den vergangenen zwei Saisons mehrfach zu entscheidenden Zeitpunkten gestürzt oder krank geworden.
„Nicht krank werden, nicht stürzen, widerstandsfähig bleiben und sich kontinuierlich weiterentwickeln… Das hatte Van Aert in den vergangenen Jahren eben nicht. Es gab so viele Rückschläge, die Van der Poel und Pogacar nicht in dieser Intensität erlebt haben“, argumentiert der niederländische Experte.
„Für Van Aert ist es das x-te Mal, und das hat Folgen. Anstatt auf diesem Winter aufzubauen, sind es wieder drei Wochen oder ein Monat mit keinem oder weniger Training.“
Nach dem nächsten Rückschlag fällt es schwer zu erkennen, wie Van Aert im Frühjahr mit den beiden dominierenden Fahrern mithalten soll. Kurzfristig verhindert die Verletzung zudem das direkte Duell mit
Mathieu van der Poel im Cross und schließt ihn auch von den Weltmeisterschaften aus.
Mads Pedersen bleibt neben den „Big Two“ der einzige große Name im Peloton, der in den vergangenen Jahren weitgehend gesund geblieben ist. Sein Aufstieg in den Klassikern zeigte sich 2024 deutlich: Abgesehen von Pogacar kam der Däne Van der Poel am nächsten.
„Van Aerts Verletzungen sind der Hauptgrund, warum die Lücke zu Van der Poel und Pogacar so groß geworden ist. Van der Poel konnte sich kontinuierlich weiterentwickeln; er ist jetzt eine echte Maschine. Bei Van Aert ist es nur Copy und Paste.“