„Sie suchen den Ärger“ – Kritik an gefährlichem Giro-Finale in Neapel wächst

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 14 Mai 2026 um 14:30
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Die 6. Etappe des Giro d’Italia 2026 bietet den Sprintern die nächste große Gelegenheit auf einen Tagessieg. Das Peloton zieht weiter Richtung Norden, wo in Neapel ein prestigeträchtiger Massensprint erwartet wird. Doch schon vor dem Start wächst die Nervosität im Fahrerfeld deutlich – vor allem wegen der Wetterprognosen und eines technisch anspruchsvollen Finales auf nassem Kopfsteinpflaster.
Nach den zahlreichen Stürzen der ersten Giro-Tage steht das Thema Sicherheit ohnehin stärker denn je im Fokus. Besonders der Massencrash auf Etappe 2 hat viele Teams alarmiert. Hinzu kamen schwierige Bedingungen auf der fünften Etappe, als die Fahrer zeitweise im strömenden Regen unterwegs waren. Die Sorge, dass Regen und gefährliche Finals das Rennen entscheidend beeinflussen könnten, begleitet das Peloton seitdem permanent.

Kritik an Zielankunft auf der Piazza del Plebiscito

Entsprechend kritisch wird das Finale der sechsten Etappe bewertet. Denn der Sprint in Neapel führt über nasses Kopfsteinpflaster – ein Szenario, das insbesondere bei den Sprintern und Klassementteams für Unbehagen sorgt.
Karte des Finales der 6. Etappe
Karte des Finales der 6. Etappe
Die Organisatoren hatten die Etappe zuletzt noch angepasst und einen späten Anstieg aus dem Streckenprofil entfernt. Dadurch gilt ein Massensprint nun als sehr wahrscheinlich. Gleichzeitig wurde jedoch auch der Zielort verändert: Statt wie in früheren Jahren direkt am Meer endet die Etappe diesmal auf der Piazza del Plebiscito, einem der bekanntesten Plätze Neapels.
Genau diese Entscheidung stößt innerhalb des Pelotons auf Kritik.
„Sie suchen den Ärger. Wir sind hier in Neapel schon früher angekommen, normalerweise ging es einfach geradeaus. Das war immer ein sehr schöner Sprint für die Sprinter“, erklärte Marc Reef, Sportdirektor von Visma - Lease a Bike, gegenüber In de Leiderstrui. „Jetzt kommen erst kleine Pflastersteine, und dann finishen wir auf großen Steinplatten.“

Schwierige Balance zwischen Spektakel und Sicherheit

Von einem klassischen Sprintfinale kann deshalb kaum die Rede sein. Zwar könnte die leicht ansteigende Zielgerade das Tempo etwas reduzieren und damit das Risiko begrenzen, doch die Streckenführung bleibt heikel.
Innerhalb des letzten Kilometers warten sowohl eine 90-Grad- als auch eine 180-Grad-Kurve auf die Fahrer – und das auf flachem Terrain. Gerade für die Sprinter bedeutet das maximalen Einsatz bei hoher Geschwindigkeit, wenn sie um den prestigeträchtigen Etappensieg kämpfen wollen.
Die Wetterbedingungen kann niemand kontrollieren. Dennoch hält Reef die Entscheidung für das neue Finale in Neapel für unnötig riskant.
„Aus meiner Sicht müssen sie nicht immer solche Dinge suchen. Es hätte auch so einen großartigen Sprint gegeben“, sagte der Niederländer.
Das Thema Sicherheit ist im modernen Profiradsport in den vergangenen Jahren zunehmend in den Mittelpunkt gerückt. Umso intensiver wird nun über die schwierige Balance zwischen spektakulären TV-Bildern und möglichst sicheren Rennbedingungen diskutiert.
„Ich glaube, sie wollen schöne Bilder vom Ziel auf diesem Platz“, erklärte Reef abschließend. „Für mich ist das nicht nötig. Wir müssen am Donnerstag einfach sicher durchkommen, ohne Risiken einzugehen. Danach sehen wir weiter.“
Damit steht die 6. Etappe des Giro d’Italia schon vor dem Start unter besonderer Beobachtung – nicht nur wegen des erwarteten Sprints, sondern auch wegen der Frage, ob das Finale in Neapel ein unnötiges Sicherheitsrisiko darstellt.
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