Selbst Remco Evenepoel konnte ihn nicht umstimmen: Tour-of-Britain-Sieger Wellens sagt WM ab und konzentriert sich auf seine Aufgaben bei UAE

Radsport
durch Nic Gayer
Montag, 07 September 2026 um 13:00
Tim Wellens und Tadej Pogacar bei der Tour de Suisse 2026
Tim Wellens wird bei den kommenden Weltmeisterschaften nicht für Belgien an den Start gehen. Dabei sucht die belgische Nationalmannschaft nach klassikerstarken Fahrern, um im Kampf um das Regenbogentrikot möglichst breit aufgestellt zu sein – und stellt mit Remco Evenepoel inzwischen selbst den Topfavoriten. Evenepoel wandte sich sogar persönlich an seinen Landsmann, um ihn von einem Start zu überzeugen. Doch Wellens bleibt bei seiner Absage und wird während des WM-Zeitraums für UAE Team Emirates - XRG im Einsatz sein.
Noch vor gut einer Woche hatte Nationaltrainer Serge Pauwels über seine Optionen für das bevorstehende WM-Rennen gesprochen. Wellens hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits selbst aus dem Kreis der Kandidaten genommen. „Tim konnte die Renewi Tour nicht bestreiten und hat mir mitgeteilt, dass auch die Weltmeisterschaften in gut einem Monat wenig Sinn ergeben“, erklärte Pauwels.

Wellens findet nach schwierigen Wochen zurück zu Topform

Wie schwer die Wochen zuvor für Wellens gewesen waren, verdeutlichte der Belgier bei der Tour of Britain. „Ich konnte zwei Wochen lang im Training keinen Zentimeter bewegen. Ich kam nicht über 150 Watt“, sagte er gegenüber Het Nieuwsblad. Die Renewi Tour, die er in der Vergangenheit bereits gewonnen hatte, musste Wellens deshalb auslassen. Erst bei der Tour of Britain kehrte er ins Renngeschehen zurück.
Tim Wellens auf Etappe 2 der Tour de France 2026.
Tim Wellens hätte bei der WM an der Seite von Remco Evenepoel fahren können. Trotz persönlicher Nachrichten seines Landsmanns hält er an seiner Absage fest.
Dort gehörte der frühere belgische Meister prompt zu den Topfavoriten – und wurde dieser Rolle eindrucksvoll gerecht. UAE Team Emirates - XRG dominierte die Gesamtwertung und setzte in Earlston mit einer kollektiven Machtdemonstration den Schlusspunkt. Gleich fünf Fahrer der Mannschaft gehörten dort zur kleinen Spitzengruppe.
Wellens sicherte sich schließlich den Gesamtsieg und bewies damit, dass er seiner Topform inzwischen wieder sehr nahe ist. An seiner zuvor getroffenen Entscheidung gegen einen WM-Start ändert das allerdings nichts. Dabei verriet der Belgier, dass sogar Evenepoel persönlich versucht hatte, ihn noch umzustimmen.

„Remco hätte mich gerne im Team gehabt“

„Ich muss ehrlich sein: Ich habe kurz gezögert. Nicht wegen Serge [Pauwels], sondern wegen der Nachrichten, die ich von Remco bekommen habe“, erklärte Wellens.
Die persönliche Kontaktaufnahme des belgischen WM-Kapitäns ließ den 35-Jährigen seine Entscheidung zumindest für einen Moment hinterfragen. „Diese Nachrichten zeigten, dass Remco mich gerne im Team gehabt hätte. Das schmeichelte meinem Ego. Aber ich bleibe trotzdem bei meiner Entscheidung.“
Damit steht fest: Wellens wird die Weltmeisterschaften nicht bestreiten. Der Grund dafür liegt weder in seiner Form noch in gesundheitlichen Problemen. Auch das Streckenprofil wäre für den vielseitigen Belgier kein Hindernis gewesen. Schließlich hat Wellens bereits den GP de Montreal gewonnen – auf denselben Straßen, auf denen auch das WM-Rennen ausgetragen wird.

Versprechen an UAE Team Emirates - XRG verhindert WM-Start

Entscheidend sind stattdessen Wellens' Verpflichtungen gegenüber UAE Team Emirates - XRG. Noch bevor seine Form wieder deutlich nach oben zeigte, hatte der Belgier seinem Team zugesagt, während des Zeitraums der Weltmeisterschaften andere Rennen zu bestreiten. Dieses Versprechen will er nun einhalten.
„Mir ist bewusst, dass es eine Ehre und ein Privileg ist, für die Nationalmannschaft zu fahren. Allerdings habe ich dem Team bereits mein Wort gegeben“, erklärte Wellens.
Hinter seiner Entscheidung steht auch die angespannte Personalsituation bei UAE Team Emirates - XRG. „Ich werde die letzten Saisonrennen für das Team bestreiten, die mit den Weltmeisterschaften kollidieren. Das Team hat in dieser Saison viele Verletzungen und zu wenig verfügbare Fahrer. Deshalb springe ich ein“, erläuterte der Belgier.
Auch ohne Wellens kann Belgien mit einer hochkarätigen Doppelspitze in die Weltmeisterschaften gehen. Mit Evenepoel, der sich derzeit im Höhentraining in Livigno befindet, und dem formstarken Wout van Aert stehen zwei Anführer für das WM-Rennen bereit. Damit verfügt Belgien weiterhin über einen starken Block im Kampf um das Regenbogentrikot, während die übrigen Plätze in der Auswahl derzeit noch vergeben werden.
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