„Seixas trifft keinerlei Schuld“ – LIDL-Trek spricht den Franzosen nach dem Sturz von Juan Ayuso in Québec frei

Radsport
durch Nic Gayer
Samstag, 12 September 2026 um 14:30
JuanAyuso
Der heftige Sturz von Juan Ayuso in den Schlusskilometern des GP de Québec hat wenige Wochen vor den Weltmeisterschaften in Montréal für Unruhe im spanischen Lager gesorgt. Der Fahrer aus Alicante kam nach einer Verwicklung mit Paul Seixas in der entscheidenden Phase des kanadischen Rennens zu Fall. Zwar konnte Ayuso die Ziellinie anschließend zu Fuß überqueren, doch das tatsächliche Ausmaß seiner Verletzungen dürfte sich erst in den kommenden Tagen zeigen.
Josu Larrazabal, Coach von LIDL-Trek, äußerte sich gegenüber MARCA zum Zustand des Spaniers und mahnte zur Vorsicht, bevor belastbare Aussagen über dessen Genesung getroffen werden können. Der baskische Trainer tauschte nach dem Rennen Nachrichten mit Ayuso aus. Zumindest die ersten Reaktionen des Fahrers gaben dabei vorsichtigen Anlass zur Entwarnung.

LIDL-Trek will bei Ayuso 48 Stunden abwarten

„Das sind Blessuren, bei denen man ein, zwei Tage warten muss, bis die wirklichen Folgen sichtbar werden“, erklärte Larrazabal. Ayuso sei nach dem Vorfall zwar verärgert gewesen, habe seinen Humor jedoch nicht verloren und sogar noch scherzen können. „Er war aufgebracht und konnte trotzdem scherzen, insofern war die erste Reaktion nicht schlecht“, berichtete der Coach.
Juan Ayuso vor Rennstart.
Juan Ayuso kam in der Schlussphase des GP de Québec heftig zu Fall. Nun muss der Spanier um seinen Start beim GP de Montréal und seine weitere WM-Vorbereitung bangen.
Auch die erste medizinische Untersuchung lieferte zunächst keinen Anlass zu größerer Sorge. Larrazabal betonte allerdings, dass es für verlässliche Schlussfolgerungen noch zu früh sei. „Die erste Einschätzung des Arztes war ebenfalls nicht schlecht, aber wir wollen vorsichtig sein und 48 Stunden abwarten“, sagte er.
Damit werden die kommenden Stunden entscheidend. Gerade bei einem derart heftigen Aufprall können sich die körperlichen Beschwerden erst mit einiger Verzögerung in ihrem vollen Ausmaß zeigen. „Heute wird er es sicher spüren, aber häufig ist der schlimmste Moment bei solchen Prellungen nach 48 Stunden, deshalb muss man umsichtig bleiben“, erklärte Larrazabal.

Start beim GP de Montréal fraglich

Zusätzliche Brisanz erhält die Situation dadurch, dass Ayuso bereits am Sonntag beim GP de Montréal starten soll. Ob der Spanier tatsächlich antreten kann, hängt jedoch davon ab, wie sich sein Zustand in den kommenden Stunden entwickelt. Noch größere Bedeutung besitzt mit Blick auf die weitere Planung die Weltmeisterschaft in Montréal, deren Straßenrennen am 27. September 2026 ausgetragen wird.
Ayuso soll die spanische Nationalmannschaft im WM-Straßenrennen anführen. Jede körperliche Beeinträchtigung zu diesem Zeitpunkt der Saison wäre deshalb für das spanische Team äußerst besorgniserregend. Larrazabal machte deutlich, dass nun keinerlei unnötiges Risiko eingegangen werden soll. „Wir bereiten uns auf eine WM vor, also müssen wir aufmerksam bleiben und es Tag für Tag angehen.“
Im Vordergrund steht deshalb nicht eine möglichst schnelle Rückkehr ins Renngeschehen. Entscheidend ist zunächst, genau zu beobachten, wie Ayusos Körper auf den heftigen Einschlag in Québec reagiert. Sollte er beim GP de Montréal antreten können, dürfte das Rennen zugleich einen ersten wichtigen Hinweis darauf liefern, ob der Sturz nachhaltige körperliche Folgen hinterlassen hat.

Larrazabal verteidigt Seixas nach Kritik

Neben Ayusos Gesundheitszustand äußerte sich Larrazabal auch zum genauen Hergang des Sturzes. Nachdem die Fernsehbilder Kritik an Paul Seixas ausgelöst hatten, nahm der Coach von LIDL-Trek den jungen Franzosen ausdrücklich in Schutz. Aus seiner Sicht trägt Seixas keine Verantwortung für Ayusos Sturz.
„Es gibt eine Bewegung eines Lotto-Fahrers, der Seixas berührt, und Seixas wird weggeschleudert“, rekonstruierte Larrazabal die entscheidende Situation. Die anschließend gegen den Franzosen gerichteten Vorwürfe hält er deshalb für ungerechtfertigt.
„Die Leute kritisieren Seixas, aber ehrlich gesagt … aus unserer Perspektive trifft Seixas überhaupt keine Schuld“, stellte Larrazabal unmissverständlich klar.
Nach seiner Darstellung wurde die gesamte Kettenreaktion durch das Manöver eines Lotto-Fahrers ausgelöst. Dieser berührte Seixas, wodurch der Franzose nach innen in das Fahrerfeld gedrängt wurde. Ayuso wurde anschließend in die daraus resultierende Kollision verwickelt und kam zu Fall.
„Alles beginnt mit der Aktion eines der Lotto-Fahrer, und Seixas steckt mitten drin“, erklärte Larrazabal. Auch Ayuso selbst habe seinem französischen Konkurrenten nach dem Sturz keinerlei Vorwürfe gemacht: „Auch Juan hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass Seixas schuld war.“
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