Remco Evenepoel blickt selbstbewusst seiner Rückkehr zur
Tour de France entgegen. Die schwierigen Erfahrungen des Vorjahres hat der Belgier dabei ebenso im Hinterkopf wie eine diesmal bis ins Detail durchdachte Vorbereitung. Der Profi von
Red Bull - BORA - hansgrohe ist zwar seit mehr als zwei Monaten kein Rennen mehr gefahren, ist jedoch überzeugt, pünktlich zum Grand Départ in Topform zu sein.
Der 26-Jährige entschied sich bewusst für einen rein trainingsbasierten Aufbau in Richtung Tourstart in Barcelona, der nur noch acht Tage entfernt ist. Im Mittelpunkt standen intensive Trainingsblöcke und ein kontrollierter Gewichtsverlust, um rechtzeitig seine optimale Form für die Frankreich-Rundfahrt zu erreichen.
Evenepoel setzt auf eine andere Vorbereitung als 2025
Evenepoel reist gemeinsam mit Florian Lipowitz als Co-Kapitän zur Grand Boucle. Gleichzeitig weiß der Olympiasieger, dass im Kampf um das Gelbe Trikot allein die eigene Leistungsfähigkeit zählt. Um Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard herausfordern zu können, müsse er das Niveau der beiden dominierenden Fahrer der vergangenen Jahre erreichen.
Remco Evenepoel reist nach einer bewusst trainingsorientierten Vorbereitung mit großem Selbstvertrauen zum Start der Tour de France nach Barcelona.
Auf seine lange Wettkampfpause seit seinem Podiumsplatz bei Lüttich–Bastogne–Lüttich Mitte April angesprochen, erklärte Evenepoel, dass die Vorbereitung trotz der üblichen Höhen und Tiefen insgesamt äußerst positiv verlaufen sei.
„Ich fühle mich gut, ja. Natürlich gehören zu so einer Vorbereitung auch schwächere Momente; es schwankt eben“, sagte Evenepoel im Gespräch mit
Medien.
„Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Fortschritt seit Lüttich–Bastogne–Lüttich. Ich konnte gute Trainingsblöcke absolvieren, selbst in der extremen Hitze.“
Im vergangenen Jahr verlief die Vorbereitung dagegen alles andere als optimal. Nach seinem Trainingssturz im Winter vor der Saison 2025 kehrte Evenepoel erst Ende April ins Renngeschehen zurück. Bei der Tour de France hatte er nach einem drastischen Gewichtsverlust auf rund 63 Kilogramm sichtbar mit körperlichen Problemen zu kämpfen und musste die Rundfahrt auf der 14. Etappe erschöpft und krank aufgeben.
„Vor zwölf Monaten kam ich bei meinem letzten Höhentrainingslager kaum noch herum, fuhr mit einer mageren Basis und ohne gutes Gefühl zur Tour und zahlte den Preis. Jetzt ist es eine andere Geschichte. Ich kann mit Vertrauen nach Barcelona reisen.“
Evenepoel machte deutlich, dass ihn der Gewichtsverlust im vergangenen Jahr wertvolle Leistungsfähigkeit gekostet habe. Diesmal sei die Situation eine völlig andere.
„Ohne dabei Leistung zu opfern; auch das ist ein Unterschied zu 2025. Wir haben dieses Risiko mit den richtigen Methoden abgefedert.“
Gewichtskontrolle ohne Leistungsverlust
Wie ihm das gelungen sei? Laut Evenepoel durch einen kontrollierten und vernünftigen Umgang mit der Ernährung während der Trainingslager. Dabei erinnerte er erneut an die Fehler aus dem Vorjahr.
„Ich habe nichts Verrücktes gemacht; ich blieb auf smarte Weise im Kaloriendefizit. Das sorgte für die richtige Balance. Nicht wie im letzten Jahr, als ich mich Ende Juni komplett ausgelaugt fühlte. Rein körperlich gibt es ein paar Parameter aus dem Trainingslager, an denen ich mich festhalten kann. Treffe ich die später, ist alles gut. Wenn nicht? Okay, dann bleibt Arbeit.“
Nach seinen Höhentrainingslagern in der Sierra Nevada und auf dem Teide kehrte Evenepoel zuletzt auf Meereshöhe zurück und absolvierte in den französischen Alpen mehrere Streckenbesichtigungen. Dort nahm er einige der entscheidenden Bergetappen unter die Lupe. Eine dieser Ausfahrten führte ihn über mehr als 190 Kilometer und rund 5000 Höhenmeter. Mit einem Augenzwinkern erklärte er, dass auch solche Einheiten eben zum Trainingsplan gehörten.
„Ich habe gesehen, was ich sehen wollte. Wegen Straßenbau waren ein paar Pässe gesperrt, wie jeden Sommer. Aber ich habe mir die härtesten und wichtigsten Etappen eingeprägt. In diesen zwei Monaten ohne Rennen musste ich ja auch mal aus dem bequemen Sessel aufstehen, oder? Aber keine Sorge: Es werden sicher andere auch sieben Stunden im Sattel gesessen haben.“
Rückblickend ist Evenepoel überzeugt, mit seinem Verzicht auf Vorbereitungsrennen die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Statt Startnummern, hektischen Rennsituationen und großem Medienrummel setzte er konsequent auf das Training. Dass dieser Ansatz funktionieren kann, habe er bereits mehrfach bewiesen – und genau daran möchte er nun bei der Tour de France anknüpfen.
„Ich habe es nicht zwingend gebraucht, um für die Tour bereit zu sein. Natürlich verstehe ich die Zweifel von außen. Es gibt keine Referenzen auf Basis konkreter Resultate.“
Abschließend ergänzte Evenepoel: „Aber ich denke, ich habe in der Vergangenheit gezeigt, dass ich aus einem breiten Trainingsblock stark herauskommen kann. Jetzt ruhig bleiben, alles unter Kontrolle halten. Dann sehe ich gute Chancen.“