Rätselraten um Primoz Roglic geht weiter – Grand-Tour-Ikone vertagt Entscheidung über seine Zukunft bis nach der Radsport-WM

Radsport
durch Nic Gayer
Dienstag, 22 September 2026 um 20:00
Primož Roglič auf Etappe 10 der Vuelta a España 2026
Primoz Roglic wird voraussichtlich erst nach der Radsport-WM 2026 in Montreal endgültig darüber entscheiden, für welches Team er in der kommenden Saison fahren wird. Trotz monatelanger Spekulationen ist weiterhin offen, wo der fünfmalige Grand-Tour-Sieger seine Karriere 2027 fortsetzen wird.
Nach Informationen des renommierten Gazzetta dello Sport-Journalisten Ciro Scognamiglio hat Roglic noch keine Entscheidung über seinen künftigen Arbeitgeber getroffen. Eine endgültige Wahl wird demnach erst nach der Radsport-WM erwartet, bei der der 36-Jährige in Abwesenheit von Tadej Pogacar den slowenischen Angriff auf das Regenbogentrikot im Straßenrennen der Elite anführen soll.

Roglic-Abschied steht fest – doch wohin führt sein Weg?

Damit zieht sich eine der spannendsten noch offenen Personalfragen auf dem Transfermarkt weiter hin. Dass Roglic Red Bull - BORA - hansgrohe zum Saisonende verlassen wird, steht bereits fest. Wesentlich unklarer ist hingegen, welches Trikot der Slowene anschließend tragen wird.
Vuelta a España 2026 Podium: Enric Mas, Felix Gall, Primoz Roglic
Roglic wurde bei der Vuelta 2026 trotz massiv gestörter Vorbereitung Zweiter
Teammanager Ralph Denk hatte bereits im Sommer bestätigt, dass Roglic nach dem Auslaufen seines Vertrages am 31. Dezember kein neues Angebot erhalten werde. Damit endet eine dreijährige Zusammenarbeit, die begann, nachdem der Slowene Visma - Lease a Bike vor der Saison 2024 verlassen hatte. Slowenische Berichte nach der Vuelta a Espana unterstrichen erneut, dass mehrere mögliche Ziele für Roglic im Rennen sind.

Lotto-Verbindungen weiter ohne endgültige Einigung

Lotto-Intermarche spielte in den Spekulationen um Roglic bislang eine besonders prominente Rolle. Belgische Berichte deuteten bereits im August darauf hin, dass Gespräche über einen möglichen Wechsel geführt wurden. Cycling News berichtete anschließend, dass die Tour de Suisse und ein weiterer Start bei der Tour de France zu Roglic' Ambitionen für 2027 gehören könnten. Die Tour de Suisse zählt zu den wenigen großen einwöchigen Rundfahrten, die in seinem Palmares noch fehlen. Eine erneute Teilnahme an der Tour de France würde hingegen jenes Kapitel seiner Karriere wieder öffnen, das 2020 durch seinen zweiten Platz hinter Pogacar besondere Bedeutung erhielt.
Das Interesse von Lotto wurde inzwischen öffentlich bestätigt, eine Einigung jedoch bislang nicht verkündet. Das slowenische Portal Siol berichtete nach der Vuelta a Espana, dass neben Lotto-Intermarche auch Tudor, Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team und sogar eine mögliche Rückkehr zu Visma - Lease a Bike mit Roglic in Verbindung gebracht wurden.
Unmittelbar nach dem Ende der Vuelta a Espana auf seine Zukunft angesprochen, vermittelte Roglic nicht den Eindruck, dass eine Entscheidung kurz bevorsteht. „Die Zukunft wird zeigen, wo wir landen. Wenn ich es selbst wüsste, könnte ich mehr sagen. Wir werden sehen“, erklärte er gegenüber dem slowenischen Radiosender Val 202. „Jetzt haben wir diese Vuelta wirklich abgeschlossen. Es stehen noch einige Aufgaben an. Auch zu Hause, schließlich. Die Dinge der Reihe nach angehen und dann sehen, wie es läuft.“
Scognamiglios jüngste Informationen geben dieser Ungewissheit nun zumindest einen konkreteren zeitlichen Rahmen. Demnach will Roglic offenbar zunächst die Radsport-WM in Montreal bestreiten, ehe er die Frage nach seinem nächsten Team endgültig klärt.

Vuelta-Podium stärkt Roglic' Position

Die Entscheidung steht am Ende einer Saison, in der Roglic bewusst von seinem üblichen Grand-Tour-Programm abwich. Sowohl den Giro d'Italia als auch die Tour de France ließ er aus und konzentrierte sich stattdessen auf den Versuch, bei der Vuelta a Espana einen rekordverdächtigen fünften Gesamtsieg einzufahren. Seine Vorbereitung erhielt allerdings Ende Juli einen massiven Rückschlag, als Roglic während einer Trainingsfahrt in einen Autounfall verwickelt wurde.
Vor dem Rennen erklärte Roglic, dass das dabei entstandene Hämatom normales Training unmöglich gemacht habe. Etwas mehr als zwei Wochen vor dem Start habe er sogar bei alltäglichen Bewegungen Probleme gehabt. Trotz dieser schwierigen Vorgeschichte belegte er in der Gesamtwertung hinter Enric Mas den zweiten Platz und kehrte damit erstmals seit seinem Vuelta-Sieg 2024 auf das Podium einer Grand Tour zurück.
Es war bereits Roglic' neunter Podestplatz bei einer Grand Tour und eine weitere Ergänzung seines beeindruckenden Palmares. Dieser umfasst vier Gesamtsiege bei der Vuelta a Espana, den Triumph beim Giro d'Italia 2023, olympisches Gold im Einzelzeitfahren sowie den Sieg bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.
Statt seine Saison nach der Spanien-Rundfahrt langsam ausklingen zu lassen, ist Roglic als slowenischer Kapitän nach Montreal gereist, wo am Sonntag das Straßenrennen der Männer bei der Radsport-WM auf dem Programm steht. Nationaltrainer Uros Murn beschrieb seine Form als „wie schon lange nicht mehr“. Durch Pogacars vorzeitiges Saisonende nach dessen Sturz bei der Vuelta a Espana fällt Roglic auf dem 273,7 Kilometer langen Kurs in Kanada zudem unerwartet eine zentrale Rolle zu.
Nach der Radsport-WM folgen die Europameisterschaften auf heimischen Straßen in Slowenien – einen weiteren Start, den Roglic bereits bestätigt hat. Ob der 36-Jährige seine Saison anschließend noch bei den italienischen Herbstklassikern fortsetzen wird, ist derzeit offen.
Bis dahin könnte schließlich auch die Frage beantwortet sein, welches Trikot Roglic im kommenden Jahr tragen wird. Vorerst befinden sich Lotto-Intermarche und mehrere Alternativen weiterhin im Rennen. Fest steht lediglich: Zunächst wartet Montreal – erst danach dürfte jene Entscheidung fallen, die den nächsten Abschnitt in Roglic' außergewöhnlicher Karriere bestimmen wird.
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