Rätsel um Marco Pantanis Tod: „Geld ist der Schlüssel zu allem“ – Mutter kämpft weiter um die Wahrheit

Radsport
durch Nic Gayer
Marco Pantani ist eine der Ikonen des Giro d’Italia. @Sirotti
Mehr als 22 Jahre nach dem Tod von Marco Pantani gibt seine Mutter den Kampf um die Wahrheit nicht auf. Am 14. Februar 2004 wurde der einstige italienische Radstar tot in einem Zimmer des Hotels Le Rose in Rimini aufgefunden. Doch Tonina Belletti ist bis heute davon überzeugt, dass ihr Sohn an jenem Morgen nicht allein war. Sie vermutet, dass ein Streit um Geld und Drogen eine entscheidende Rolle bei seinem Tod gespielt haben könnte.
Die Familie des legendären „Il Pirata“ hat die Schlussfolgerung, Pantani habe sich das Leben genommen, nie akzeptiert. Gemeinsam mit den Anwälten Fiorenzo und Alberto Alessi bemühen sich seine Eltern seit Jahren darum, Beweise für einen anderen Tathergang zu finden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob der ehemalige Radprofi möglicherweise Opfer eines Mordes wurde.

Pantanis Mutter bleibt überzeugt: „Jemand war bei Marco“

Inzwischen beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Rimini bereits zum dritten Mal mit den Umständen von Pantanis Tod. Obwohl die erneuten Ermittlungen bislang keine neuen Beweise hervorgebracht haben, die den Mordverdacht der Familie erhärten könnten, lässt sich Belletti von den ausbleibenden Fortschritten nicht entmutigen. Auch mehr als zwei Jahrzehnte nach der Tragödie fordert sie weiterhin Antworten auf die aus ihrer Sicht ungeklärten Fragen.
Marco Pantani liest die Gazzetta dello Sport
Marco Pantani starb Anfang 2004
In einem Interview mit Il Resto del Carlino bekräftigte Pantanis Mutter nun erneut ihre Zweifel an der offiziellen Darstellung der Ereignisse. „Ich war und bin überzeugt, dass an jenem Morgen jemand bei Marco war“, erklärte Belletti. Sie hält es für möglich, dass ihr Sohn nach einer Auseinandersetzung um Geld angegriffen wurde.

Streit um Geld und Drogen: Belletti vermutet ein konkretes Motiv

Im Zentrum ihrer Theorie steht ein möglicher finanzieller Konflikt im Zusammenhang mit Drogen. Belletti geht davon aus, dass eine solche Auseinandersetzung zu einem Angriff auf ihren Sohn geführt haben könnte. Diese Vermutung vertritt sie bereits seit vielen Jahren, auch wenn die bisherigen Ermittlungen keine entsprechenden Beweise liefern konnten.
„Geld ist der Schlüssel zu allem“, betonte Belletti. „Deshalb ist an jenem Morgen jemand zu Marco gegangen.“ Als möglichen Hinweis auf ihre Theorie führt sie an, dass Pantani in der Zeit vor seinem Tod mehrfach Bargeld abgehoben haben soll. Ihrer Überzeugung nach verfügte er zum Zeitpunkt der Ereignisse über eine beträchtliche Geldsumme.
Nach Einschätzung seiner Mutter könnte Pantani rund 20.000 Euro in bar bei sich gehabt haben. Für Belletti ist dieser Umstand ein entscheidender Ansatzpunkt, um die Geschehnisse jenes Morgens zu rekonstruieren. Sie vermutet, dass das Geld den Auslöser einer folgenschweren Auseinandersetzung gebildet haben könnte. Allerdings handelt es sich dabei weiterhin ausschließlich um ihre persönliche Interpretation der Ereignisse und nicht um eine gerichtlich bestätigte Feststellung.
Ein weiteres Detail, das Belletti für bedeutsam hält, betrifft die Zugänge zum Hotel. Ihren Angaben zufolge existierte auf der Meerseite des Gebäudes ein Zugang, über den eine Person möglicherweise zu Pantanis Zimmer gelangen konnte, ohne den Haupteingang benutzen zu müssen. Diese Möglichkeit sei auch in den Ermittlungsakten dokumentiert, erklärte sie. Ihrer Ansicht nach müsse dieser Umstand bei der Rekonstruktion der Bewegungen möglicher Beteiligter an jenem Morgen berücksichtigt werden.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Tod des einstigen Giro-d'Italia- und Tour-de-France-Siegers hofft seine Familie damit weiterhin auf eine umfassende Aufklärung. Die offenen Fragen rund um die letzten Stunden des italienischen Radsportidols lassen seine Angehörigen bis heute nicht los.
Die inzwischen dritte Untersuchung der Staatsanwaltschaft Rimini hält die Diskussion über die Todesumstände zwar am Leben, konkrete neue Beweise für ein Tötungsdelikt liegen bislang jedoch nicht vor. Für Tonina Belletti ist das dennoch kein Grund, ihre Bemühungen einzustellen. Ihr Entschluss bleibt unverändert: „Ich werde eine Niederlage nicht hinnehmen, bis ich weiß, dass die ganze Wahrheit festgehalten wurde.“
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