„Primoz ist in einer Form wie seit Langem nicht“ – Sloweniens Coach setzt auf Roglic, um die Pogacar‐Lücke im WM‐Anlauf zu schließen

Radsport
Donnerstag, 10 September 2026 um 16:00
Primoz Roglic
Primoz Roglic wird nach Tadej Pogacars saisonbeendendem Sturz bei der Vuelta a España Sloweniens Angriff auf das Regenbogentrikot bei den Weltmeisterschaften 2026 anführen. Der Ausfall des Titelverteidigers zwingt die Auswahl nur wenige Wochen vor Montreal zu einem grundlegenden Umdenken.
Pogacar hatte die vergangenen beiden Weltmeistertitel im Straßenrennen der Elite gewonnen und wäre auf einem Kurs mit fast 3.800 Höhenmetern am 27.09. erneut einer der Topfavoriten gewesen. Stattdessen setzt Nationaltrainer Uros Murn auf Roglic, der sich bei der laufenden Vuelta in starker Verfassung zurückgemeldet hat.
Zum slowenischen Straßenrennen-Aufgebot gehören zudem Jan Tratnik, Luka Mezgec, Matej Mohoric, Gal Glivar, Matevz Govekar und Tilen Finkst. Der Verband hofft, dass Jakob Omrzel nach einem beeindruckenden Grand-Tour-Debüt in Spanien die Freigabe seines Teams für die Reise erhält. Sollte Omrzel nicht starten können, wird Slowenien laut Murn keinen Ersatz nominieren.

Slowenien – Weltmeisterschaften 2026 Straßenrennen Männer Elite

Fahrer
Primoz Roglic
Jan Tratnik
Luka Mezgec
Matej Mohoric
Gal Glivar
Matevz Govekar
Tilen Finkst
Jakob Omrzel (vorbehaltlich Teamfreigabe)
Für den Nationaltrainer ist Roglic’ Form das stärkste Argument, dass Slowenien auch ohne Pogacar eine prägende Rolle spielen kann. „Primoz ist in einer Form, wie schon lange nicht mehr“, sagte Murn zu Siol. „Er kann es selbst kaum glauben, und ich bin überzeugt, dass er weiß, wie er sie nutzen muss.“

Roglic erhält eine weitere Chance auf die elusive WM-Medaille

Roglic hat einen Großteil der Vuelta an der Spitze der Gesamtwertung verbracht und gibt Slowenien nach dem Ausfall des Fahrers, um den die ursprünglichen WM-Pläne gebaut waren, eine formstarke Alternative.
Murn glaubt zudem, dass das Terrain in Montreal ihm entgegenkommt. „Die Anstiege im Rennen liegen ihm, technisch ist der Kurs wegen der breiten Straßen nicht allzu anspruchsvoll“, sagte er. „Die Positionskämpfe im Feld werden sehr wichtig sein, damit wir ihn vorne schützen und ihm die nötige Unterstützung geben können.“
Das Straßenrennen der Männer Elite führt über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter. Die Entscheidung fällt auf wiederholten Runden des Mount-Royal-Kurses, nicht auf einem langen Schlussanstieg.
Trotz Roglic’ enormer Grand-Tour-Erfolge blieb der Durchbruch im WM-Straßenrennen bisher aus. Sein bestes Ergebnis ist Rang sechs in Imola 2020, eine Medaille im Elite-Straßenrennen hat er noch nie gewonnen. Pogacar dagegen verabschiedet sich nach aufeinanderfolgenden Siegen in Zürich und Kigali im Regenbogentrikot.

Slowenien wechselt von Rennkontrolle zu Angriffen

Der Führungswechsel verändert auch Sloweniens taktische Rolle. Mit Pogacar hätten laut Murn die Rivalen erneut erwartet, dass Slowenien maßgeblich die Rennkontrolle übernimmt. Ohne ihn verlagert sich der Druck auf andere Nationen und ermöglicht Roglic und seinen Teamkollegen einen weniger exponierten Ansatz in Montreal.
„Der gesamte Fokus auf uns wird folglich stärker auf die belgische und die französische Mannschaft übergehen, während wir aus der dritten oder vierten Reihe angreifen können“, erklärte Murn.
Der slowenische Coach räumte ein, dass Pogacars Ausfall in den letzten Wochen vor den Titelkämpfen größere Umstellungen erzwang. „Nach Tadejs Verletzung gab es einiges an Hektik bei den Anpassungen. Wenn Omrzel nicht in Kanada ist, reist niemand an seiner Stelle, weil Domen Novak mit seinem Team in Kroatien fährt. Andere Fahrer brauchen wir angesichts der veränderten Renndynamik nicht wirklich. In den vergangenen Jahren mussten wir das Rennen kontrollieren, jetzt überlassen wir das anderen.“
Tratnik bestreitet zudem mit Red Bull - BORA - hansgrohe den GP Quebec und den GP Montreal, bevor er zum Nationalteam stößt. So sammelt ein weiterer Slowene vor der WM Wettkampfpraxis in Kanada.

Murn tippt auf Evenepoel, sieht aber mögliches belgisches Reiben

Belgien ist für Murn jene Nation, auf die nun viel von der zuvor auf Slowenien gerichteten Aufmerksamkeit übergehen dürfte.
Remco Evenepoel, Weltmeister 2022 und Vorjahreszweiter hinter Pogacar in Kigali, teilt sich die Führung mit Wout van Aert. Murn sieht Evenepoel als Einzelfavoriten, warnt jedoch, dass zwei Siegkandidaten im gleichen Team eigene Reibungen erzeugen können.
„Die Ambitionen aller Nationalteams sind nach dem Schock von Pogacars Ausfall gestiegen. Alles wird sich verändern“, sagte er. „Für mich ist Remco Evenepoel der Favorit, aber ich denke, es könnte etwas Reibung im Team geben, weil Wout van Aert ebenfalls gewinnen will und bei der Vuelta außergewöhnlich stark fährt.“
Auch Frankreich wird Murn zufolge mehr Verantwortung tragen müssen, wodurch Slowenien den Wettkampf anders angehen kann als bei den Titelgewinnen Pogacars 2024 und 2025.
Roglic reist somit als erste Option Sloweniens nach Montreal und nicht als unterstützender Grand-Tour-Superstar. Mit 36 Jahren und Rang sechs aus Imola als bisher bestem Resultat im Elite-Straßenrennen jagt er die erste WM-Straßenmedaille seiner Karriere.
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