Etappe 18 der
Vuelta a España ist ein 32,1 Kilometer langes Zeitfahren in Jerez de la Frontera, das für den Ausgang der Gesamtwertung entscheidend sein wird. Im Folgenden analysieren wir die bisherigen Zeitfahren von
Enric Mas, Primož Roglič und
Felix Gall im direkten Vergleich, schätzen die zu erwartenden Zeitabstände und ordnen ein, was das im Kampf um das Rote Trikot bedeutet.
Seit dem Ausstieg von Tadej Pogačar ist die Vuelta a España zu einem Dreikampf geworden, in dem drei Fahrer in den Bergen der Spanien-Rundfahrt herausragen: Enric Mas, Primož Roglič und Felix Gall. Drei Fahrer mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten gegen die Uhr, die jeweils eigene Ziele im zweiten Zeitfahren der Rundfahrt verfolgen.
Wir haben die Zeitfahren aller drei Fahrer der vergangenen drei Saisons – seit 2024 – herangezogen und die Zeitdifferenzen untereinander berechnet. Ziel ist es, belastbare Schlüsse zu ziehen und zentrale Fragen zu beantworten, vor allem die große: Kann Primož Roglič Enric Mas in der Gesamtwertung noch überholen?
Enric Mas gegen Primož Roglič
Dies ist die wichtigste Schätzung von allen. 2:10 Minuten trennen Enric Mas und Primož Roglič, entstanden auf mehreren Bergetappen, die das Feld bereits hinter sich hat. Seit 2024 sind die beiden siebenmal im Zeitfahren aufeinandergetroffen. Darunter waren extreme Abstände wie beim Bergzeitfahren nach Peyragudes, als der Slowene in Topform war.
Aussagekräftiger sind jedoch flache Zeitfahren, in denen beide um die Gesamtwertung eines Rennens fuhren. Die Saison 2024 ist besonders aufschlussreich, da beide bei der Vuelta in Bestform waren und als Erster und Zweiter abschlossen. 1,91 und 2,56 Sekunden pro Kilometer gewann Primož Roglič in den beiden Zeitfahren. Im abschließenden Zeitfahren in Madrid über 24 Kilometer nahm Roglič Mas 1:03 Minuten ab – etwa die Hälfte dessen, was er an diesem Donnerstag benötigt.
Im Auftaktzeitfahren der Tour de France 2025 gewann Roglič über 33 Kilometer 1:38 Minuten (nahezu identische Distanz und Profil). Ein signifikanter Gewinn von 2,96 Sekunden pro Kilometer, aber noch nicht die Größenordnung, die der Fahrer von Red Bull - BORA - hansgrohe braucht.
Zuletzt gibt es zwei relevante direkte Vergleiche. Bei der Tour de Suisse gewann Roglič über 23,7 Kilometer 1:17 Minuten, ein Unterschied von 3,24 Sekunden pro Kilometer. Mas schien damals jedoch nicht in Bestform, die er jetzt hat. Im Eröffnungszeitfahren der Vuelta verlor er auf 9,4 Kilometern nur 11 Sekunden – etwas über eine Sekunde pro Kilometer.
| Jahr | Rennen | Mas | Roglic | Distanz | Abstand | Sekunden/Kilometer |
| 2024 | Tour de France | 30 | 3 | 25,3 | 1:25 | 3,39 |
| 2024 | La Vuelta | 32 | 8 | 12 | 0:23 | 1,91 |
| 2024 | La Vuelta | 23 | 2 | 24,6 | 1:03 | 2,56 |
| 2025 | Tour de France | 37 | 12 | 33 | 1:38 | 2,96 |
| 2025 | Tour de France | 16 | 3 | 10,9 (MTT Peyragudes) | 1:38 | 8,99 |
| 2026 | Tour de Suisse | 55 | 12 | 23,7 | 1:17 | 3,24 |
| 2026 | Vuelta a España | 50 | 24 | 9,4 | 0:11 | 1,17 |
Enric Mas will sein Rotes Trikot im Vuelta-Zeitfahren verteidigen
Enric Mas gegen Felix Gall
Felix Gall liegt als Gesamtzweiter 2:06 Minuten hinter dem Spanier. Gall tut sich jedoch gegen die Uhr schwer. Er dürfte im Zeitfahren Zeit auf Mas und Roglič verlieren, wird aber versuchen, die Schäden zu begrenzen.
Im direkten Vergleich mit Mas sind die Differenzen nicht allzu hoch. Es gibt einzelne Rennen mit sehr großen Abständen, die für diese
Analyse jedoch wenig taugen, weil einer der beiden klar nicht in Bestform war. Das jüngste Beispiel ist der Giro 2026, wobei die Differenzen teils auch anderswo deutlich ausfielen.
Aussagekräftig sind etwa das erste Zeitfahren der Vuelta 2024, in dem Mas über 12 Kilometer 15 Sekunden gewann (1,25 Sekunden pro Kilometer), und die Tour 2025, wo Mas im flachen 33-Kilometer-Zeitfahren nur 7 Sekunden gutmachte. Würde Gall gegen Mas lediglich so viel verlieren, bliebe er vor der Schlussetappe im Rennen um den Vuelta-Sieg.
Beim Vuelta-Zeitfahren in Monaco nahm Mas Gall 13 Sekunden ab, was 1,38 Sekunden pro Kilometer entspricht. Das dürfte aktuell der realistischste Referenzwert sein.
| Jahr | Rennen | Mas | Gall | Distanz | Abstand | Sekunden/Kilometer |
| 2024 | Tour de Suisse | 55 | 70 | 4,7 | - 0:02 | 0,42 |
| 2024 | Tour de Suisse | 12 | 14 | 15,7 | - 0:15 | 0,95 |
| 2024 | Tour de France | 30 | 50 | 25,3 | - 0:56 | 2,21 |
| 2024 | Tour de France | 25 | 103 | 33,7 | - 3:15 | 5,78 |
| 2024 | La Vuelta | 32 | 68 | 12 | - 0:15 | 1,25 |
| 2024 | La Vuelta | 23 | 125 | 24,6 | - 2:42 | 6,58 |
| 2025 | Tour de France | 37 | 39 | 33 | - 0:07 | 0,21 |
| 2025 | Tour de France | 16 | 10 | 10,9 (MTT Peyragudes) | 0:36 | 3,30 |
| 2026 | Giro d'Italia | 91 | 33 | 42 | 2:29 | 3,54 |
| 2026 | La Vuelta | 50 | 91 | 9,4 | - 0:13 | 1,38 |
Primož Roglič gegen Felix Gall
Wenig überraschend liegen die größten Unterschiede zwischen
Primoz Roglic und Felix Gall. Der Slowene ist im Kampf gegen die Uhr deutlich stärker, und die vier Sekunden zwischen beiden werden in der 32 Kilometer langen Prüfung bedeutungslos sein.
Im frühen Vuelta-Zeitfahren 2024 nahm Roglic über 12 Kilometer 38 Sekunden ab, das entspricht 3,16 Sekunden pro Kilometer. Bei der Tour 2025 ein ähnliches Bild: 3,39 pro Kilometer, als Roglic über 33 Kilometer 1:52 Minuten gewann (wohl eine ähnliche Spanne wie diesmal).
Im Zeitfahren der 1. Etappe in Monaco im August gewann Roglic über 9,4 Kilometer 24 Sekunden, also 2,55 Sekunden pro Kilometer. Das sind deutliche Abstände, was bedeutet, dass beide bis zum Ende der 18. Etappe klar getrennt sein sollten.
| Jahr | Rennen | Roglic | Gall | Distanz | Rückstand | Sekunden/Kilometer |
| 2024 | Itzulia Basque Country | 1 | 109 | 10 | 1:15 | 7,5 |
| 2024 | Tour de France | 3 | 50 | 25,3 | 2:22 | 5,61 |
| 2024 | La Vuelta | 8 | 68 | 12 | 0:38 | 3,16 |
| 2024 | La Vuelta | 2 | 125 | 24,6 | 3:38 | 8,86 |
| 2025 | Tour de France | 12 | 39 | 33 | 1:52 | 3,39 |
| 2025 | Tour de France | 3 | 10 | 10,9 (MTT Peyragudes) | 1:02 | 5,68 |
| 2026 | La Vuelta | 24 | 91 | 9,4 | 0:24 | 2,55 |
Das Fazit
Daraus ergibt sich eine einfache Schlussfolgerung: Primoz Roglic wird am Tag klar der Schnellste der drei sein, dahinter ein formstarker Enric Mas und schließlich Felix Gall, der die Verluste so klein wie möglich halten will, um den Gesamtsieg im Blick zu behalten.
Primoz Roglic muss im 32 Kilometer langen Zeitfahren etwas mehr als 4 Sekunden pro Kilometer gutmachen, um die 2:10 Minuten Rückstand auf Enric Mas zu tilgen. Blickt man auf die Daten, wirkt das sehr unwahrscheinlich. Realistischer erscheint eine Differenz um 2,5 Sekunden. Das ergäbe rund 1:20 Minuten Zeitgewinn – signifikant, aber zu wenig.
Gewinnt Roglic im gleichen Tempo wie auf Etappe 1, kämen nur 37 Sekunden zusammen. Den benötigten Zugewinn von 4 Sekunden pro Kilometer hat er unter ähnlichen Umständen noch nicht erreicht.
Andererseits steigen Roglic’ Chancen auf Rang zwei deutlich. In flachen Zeitfahren bei guter Form beider liegt der Abstand zu Gall bei etwa 3 Sekunden pro Kilometer. Rund 1:40 Minuten erscheinen als erwartbare Differenz zwischen den beiden.
Der Abstand zwischen Mas und Gall sollte im Zeitfahren ebenfalls wachsen, aber nicht dramatisch. In zwei der drei relevanten Einzelzeitfahren lag die Differenz bei rund 1,3 Sekunden pro Kilometer, also etwa 40 Sekunden.
Historisch gesehen ist das Tour-Zeitfahren 2025 die beste Referenz, und dort verlor Gall lediglich 7 Sekunden. Kann der Decathlon-Profi diese Leistung wiederholen, sind seine Chancen auf den Gesamtsieg noch nicht dahin.