Tadej Pogacar könnte bei der
Tour de France 2026 langsam die Belastungen der vergangenen Wochen zu spüren bekommen. Diesen Eindruck hat zumindest Ex-Profi
Laurens ten Dam, der den Weltmeister zuletzt ungewohnt müde und weniger lebhaft erlebt haben will. Nach seiner Einschätzung fordert die enorme Intensität der bisherigen Rundfahrt ihren Tribut.
Der Niederländer glaubt, dass vor allem das außergewöhnlich hohe Tempo der diesjährigen Tour sowie die zusätzlichen Verpflichtungen als Träger des Gelben und des Gepunkteten Trikots ihre Spuren hinterlassen. Im
Podcast Live Slow Ride Fast erklärte ten Dam, weshalb Pogacar auf ihn zuletzt anders wirkte als gewohnt.
Ten Dam erkennt Veränderungen bei Pogacar
„Ich fand, Pogi wirkte etwas ausgelaugt“, sagte der ehemalige Profi.
Laurens ten Dam glaubt, dass Tadej Pogacar nach den intensiven ersten beiden Wochen der Tour de France erste Anzeichen von Müdigkeit zeigt.
„Ich habe das Interview gesehen, und normalerweise sitzt da ein sehr quirliger kleiner Kerl, bei dem man denkt: Der hat gar nicht gelitten. Aber diesmal starrte er leer voraus. Sein Gesicht sah auch etwas weniger frisch aus als an anderen Tagen. Vielleicht ist das Erbsenzählerei, aber es ist mir aufgefallen.“
Im vergangenen Jahr trug Pogacar auf dem Weg zu seinem vierten Tour-Sieg an 13 Tagen das Gelbe Trikot. Bei der diesjährigen Ausgabe führt er das Gesamtklassement ebenfalls über weite Strecken an. Bereits acht der ersten 13 Etappen bestritt er in Gelb, gewann drei Etappen und trug zwischenzeitlich zusätzlich das Gepunktete Trikot.
Mit den Erfolgen wächst jedoch auch die Belastung abseits des Rennens. Wer das Gelbe Trikot trägt, muss täglich zahlreiche Medien- und Sponsorentermine absolvieren – ein zusätzlicher Kraftaufwand, der sich nach zwei intensiven Tour-Wochen bemerkbar machen kann.
Ten Dams Einschätzung erinnert zudem an die Schlussphase der Tour de France 2025. Damals wirkte Pogacar ebenfalls zunehmend erschöpft, attackierte seltener und sein Team bestätigte später, dass er neben einer Knieverletzung auch mit erheblicher Müdigkeit zu kämpfen hatte.
Zweifel an der Stimmung bei Visma - Lease a Bike
Neben Pogacars Verfassung sprach ten Dam auch über die Situation bei Visma - Lease a Bike. Zwar vermittelt das Team nach außen weiterhin Zuversicht, den Rückstand von
Jonas Vingegaard von 3:36 Minuten noch aufzuholen, doch der Niederländer glaubt nicht, dass die Stimmung intern ähnlich positiv ist.
„Ich weiß nicht, ob ich das wirklich glaube. Wenn du wie Victor Campenaerts seit zwei Wochen mit relativ schlechten Beinen herumfährst, ist das hart. Und Jorgensen ist krank, Armirail völlig abgekämpft. Dann ist es schwierig, die Moral hochzuhalten.“
Zwar könne das Team öffentlich kaum etwas anderes sagen, doch ten Dam vermutet, dass die Zuversicht inzwischen deutlich kleiner sei als noch zu Beginn der Rundfahrt.
„Sie können schlecht sagen, dass ihnen die Moral fehlt, aber ich denke, sie ist deutlich niedriger als beim Mannschaftszeitfahren in Barcelona. Da war die Stimmung wirklich top.“
Ten Dam warnt vor einer direkten Konfrontation
Sollte Visma - Lease a Bike Pogacar noch angreifen wollen, sieht ten Dam vor allem eine Strategie, die das Team vermeiden müsse. Den Slowenen an langen Anstiegen mit hohem Tempo am Hinterrad mitzuschleppen, hält er für den falschen Ansatz.
„Du solltest gegen besseres Wissen nicht den Kopf unter die Guillotine legen. Vor ein paar Jahren hat Vingegaard auch versucht, vom Fuß eines Anstiegs hart zu fahren, mit Pogacar am Hinterrad. Da weißt du, dass der Konter kommt. Den solltest du jetzt nicht provozieren.“
Dennoch schließt der frühere Profi nicht aus, dass Pogacar in der dritten Tour-Woche erstmals Schwächen zeigen könnte. Deshalb müsse Visma - Lease a Bike den Rückstand kontrollierbar halten und auf den langen Alpenetappen geduldig auf eine Gelegenheit warten.
„Vor ein paar Tagen gab es Risse bei UAE, da wurden sie alle schnell abgehängt. Und vielleicht siehst du einen Riss bei Pogi. Wartet einfach auf die dritte Woche, auf die zwei Auffahrten der Alpe d'Huez. Dieses Defizit kann man auch in einer einzigen Bergetappe drehen.“