„Pogačar, der in Flandern dominiert, und dann hast du Van der Poel, Van Aert und Pedersen“ – Ex-Quick-Step-Kapitän über den Rückschritt des Teams in den Klassikern

Radsport
Donnerstag, 08 Januar 2026 um 17:15
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Soudal - Quick-Step stand über Jahre, ja Jahrzehnte, an der Spitze der Kopfsteinpflaster-Klassiker. Mit mehreren Legenden in den eigenen Reihen war das belgische Team Siege auf heimischem Terrain gewohnt. In den vergangenen Jahren fehlte jedoch nicht nur die Kraft, um mit den neuen Taktgebern mitzuhalten; oft fehlte sogar die Power, um in den großen Klassikern überhaupt um Topresultate zu kämpfen.

Quick-Step im Umbruch Wie Stuyven, Van Baarle und Magnier die Klassiker-Hoffnung beleben

Das setzte in den 2020ern ein. Kasper Asgreen feierte 2021 einen starken Sieg gegen Mathieu van der Poel bei der Flandern-Rundfahrt, doch von da an geriet das belgische Team ins Hintertreffen. Die Lücke zur Spitze wurde Jahr für Jahr größer.
„Danach begannen wir zurückzufallen. Andere Teams legten enorm zu und überflügelten uns, vor allem Jumbo-Visma zu jener Zeit. Der supertalentierte Van der Poel dominierte zudem überall“, sagte Lampaert im Podcast Live Slow Ride Fast. „Uns fehlte damals ein solches Talent im Team.“
Visma kontrollierte lange Zeit die Pflaster-Klassiker außerhalb der Monumente, während Mathieu van der Poel seit Jahren verlässlich Monumente gewinnt. Quick-Step musste sich derweil mit Tadej Pogacar auseinandersetzen, der zu den Klassikern wechselte, und mit Mads Pedersen, der den nächsten Schritt machte. Im eigenen Team hielt jedoch niemand mit dieser Entwicklung Schritt.
„Wir waren mit unserem Latein am Ende, es herrschte fast eine Beerdigungsstille. ‘Wie kann das passieren? Was läuft schief?’ Wir treffen schlicht auf außergewöhnliche Talente. Pogacar, der in Flandern dominiert, und dazu Van der Poel und Van Aert. Pedersen schmerzt uns ebenfalls, etwa bei Gent–Wevelgem im vergangenen Jahr, wenn man sieht, wie hart Pedersen da fuhr. Das war phänomenal“, argumentiert Lampaert.
Der Routinier selbst fährt nicht mehr um die ganz großen Klassiker wie in früheren Jahren. Ausschlaggebend war jedoch ein genereller Qualitätsmangel und die Investition in den Kletterblock zur Unterstützung von Remco Evenepoel, die diesen Wandel mitprägte. In diesem Jahr verschieben sich die Prioritäten erneut. Die Verpflichtungen der Monumente-Sieger Jasper Stuyven und Dylan van Baarle könnten die Wende nach ein paar harten Jahren einleiten.
„Uns fehlte kollektiv die Stärke. Früher war es ein echter Kampf, in den Kader zu rücken. Jetzt steht die Auswahl früh fest. Unser Kader für die Tour war breiter als jener für die Klassiker.“

Lampaert lobt Paul Magnier

Doch neben den Neuzugängen gibt es intern Anlass zur Hoffnung: „In der Breite sind wir definitiv stärker. Letztes Jahr sind wir etwa mit vier Debütanten nach Paris–Roubaix gestartet. Das wäre früher undenkbar gewesen. Mit Van Baarle und Stuyven und hoffentlich auch mit Paul Magnier – der noch einen Schritt machen kann – haben wir Männer für das Finale.“
Der Franzose ist ein starker Sprinter, hat aber ebenso auf kurzen, explosiven Anstiegen großes Talent gezeigt, ähnlich wie Arnaud De Lie, der sich ebenfalls in einem belgischen Team entwickelte. In diesem Frühjahr testet sich Magnier in größeren Rennen. Das Team könnte ihn in mehreren Wettbewerben zum Kapitän machen.
„Als Profi im zweiten Jahr hat er neunzehn Siege geholt. Nur einer war besser, und das war Pogacar. Natürlich hatten Pogacars Siege höhere Qualität, aber in dem Alter musst du es erst mal machen“, so der Routinier. „Vier von fünf Etappen bei der Slowakei-Rundfahrt zu gewinnen, das ist mal ein Ausrufezeichen.“
„Nach dem Omloop habe ich letztes Jahr gesagt, ich sehe in ihm einen neuen Tom Boonen. Er ist sehr athletisch, hat Substanz und ist im Finale unglaublich schnell. Im direkten Sprint sind er und Merlier derzeit vielleicht die schnellsten Fahrer.“
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