Krise bei Visma | Lease a Bike: Rücktritte und Pausen werfen das Team im Duell mit UAE zurück

Radsport
Donnerstag, 08 Januar 2026 um 15:30
TadejPogacar JonasVingegaard SeppKuss
In den vergangenen Jahren zeichnet sich ein beunruhigender Trend ab: Team Visma | Lease a Bike verliert spürbar Boden auf UAE Team Emirates – XRG. In mancher Hinsicht bleibt die niederländische Mannschaft zwar der einzige ernsthafte Gegner des Emirati-Teams, doch das könnte sich nach dem Abgang mehrerer Schlüsselfiguren zur Saison 2026 ändern.
Die Nachricht vom Karriereende von Simon Yates ist einer der einschneidendsten Wintermomente – und äußerst nachteilig für die Niederländer. Yates hatte bis 2025 unterschrieben und erwies sich als nahezu perfekter Transfer: ein Fahrer im Spätstadium seiner Laufbahn, der ein neues Umfeld testete, um zu sehen, ob er sich als Rennfahrer noch weiterentwickeln kann.
Das bestätigte sich, und Yates gewann den Giro d’Italia. Mit Jonas Vingegaard als Sieger der Vuelta a España – auch wenn beide Triumphe nicht dominant waren – gewann die niederländische Mannschaft 2025 zwei Grand Tours und lag damit vor UAE, das die Tour de France holte. Welche Leistung höher zu bewerten ist, bleibt Ansichtssache. Visma gewann zudem die Tour de France Femmes mit Pauline Ferrand-Prévot, was im Gesamtbild die erfolgreiche Saison 2025 unterstreicht. 2026 könnten die Kräfteverhältnisse jedoch kippen.
Nach UCI-Punkten oder Saisonsiegen gibt es tatsächlich keinen Vergleich. Trotz zweier Grand-Tour-Erfolge lag Visma bei den Monumenten und in der Breite deutlich zurück. Das überrascht kaum, denn UAE hat mit Tadej Pogacar eine Ausnahmefigur, die nahezu jedes fokussierte Rennen gewinnt. Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass Visma UAE voll ebenbürtig ist, wenn es nur einen Pogacar gibt. Doch 2025 stand kein Visma-Fahrer bei einem Monument auf dem Podium, während Pogacar bei allen fünf dort landete.
Für 2026 dürfte Jonas Vingegaard den Giro d’Italia anpeilen. Einen frischen Tadej Pogacar bei der Tour de France zu schlagen, wirkt wenig aussichtsreich, und bei der Vuelta a España dürfte Vingegaard fehlen, wo Visma ohne klaren Siegkandidaten dastünde. Entsprechend ist mit weniger Balance zwischen beiden Teams zu rechnen.
Auch der Transfermarkt spielt Visma nicht in die Karten. Mit Olav Kooij, Tiesj Benoot und Cian Uijtdebroeks verliert das Team drei Fahrer mit klarer WorldTour-Qualität. Die Resultate 2026 könnten Skeptiker widerlegen, doch die neun Neuzugänge enthalten keinen echten Zugpferd-Namen, und nur vier der neun kommen aus anderen WorldTour-Strukturen.
UAE verliert Juan Ayuso und Edelhelfer Rafal Majka, doch insgesamt fällt der Aderlass geringer aus. Für 2026 wurden nur drei Fahrer verpflichtet – ein Zeichen der Stabilität, da der Kader im Winter kaum Abgänge verzeichnete und das Leistungsniveau dem von 2025 sehr ähnlich bleiben dürfte.
Olav Kooij
Obwohl erst 24 Jahre alt, steuerte Olav Kooij seit 2021 insgesamt 47 Siege zum Visma-Erfolg bei. Das ist nun vorbei.

Visma verliert binnen eines Monats zwei Schlüsselakteure

Das Kernproblem: Neben den Transfers hat Visma zwei Fahrer durch unvorhergesehene Umstände verloren – zwei Anführer. Yates’ Abschied reduziert den Kader auf 28 Fahrer. Zwar rücken häufig Talente aus dem Development-Team nach, doch das zeigt ungenutztes Potenzial. Zwei zusätzliche Verpflichtungen wären möglich, aber Januar-Verträge sind aus mehreren Gründen suboptimal. Zudem ist der Markt derzeit dünn an Fahrern, die das Team spürbar aufwerten könnten.
Neben Simon Yates hat die Mannschaft den Vertrag mit der Cross-Weltmeisterin Fem van Empel einvernehmlich aufgelöst. Der Konkurrenzkampf zwischen Visma und UAE Team ADQ ist in der Women’s WorldTour weniger scharf, doch der Verlust schmälert Vismas Fähigkeit, Erfolg breit zu streuen, und erhöht die Abhängigkeit vom Männerkader. Beide Abgänge erfolgten binnen drei Wochen – tief im Winter, wo Ersatz kaum zu finden ist.
Van Empel ist dreifache Cross-Weltmeisterin und wurde oft als „neue Marianne Vos“ bezeichnet – auch, weil beide Teamkolleginnen waren und aus derselben niederländischen Stadt stammen. Die 23-Jährige legt den Radsport auf Eis. Trotz ihres Status als eine der Allerbesten weltweit ist ihre Rückkehr ungewiss.
Das wirft auch Fragen zu den Methoden des Teams auf. Der Erfolg ist unbestritten, doch die Anforderungen sind enorm. Nicht jede oder jeder kann dieses Niveau dauerhaft tragen. Selbst an der Spitze des Sports ist es nicht immer möglich, über Jahre physisch und mental stabil zu bleiben. Das ist nicht exklusiv für Visma, doch es kann weitere plötzliche Rücktritte begünstigen – wie 2022 bei Tom Dumoulin.
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