Patrick Lefevere meint, Roglics Wechsel zu Lotto würde Marketing über sportliche Ziele stellen: „Nicht viele Teams stehen Schlange, um ihn zu verpflichten“

Radsport
Sonntag, 16 August 2026 um 10:25
Primoz Roglic
Primoz Roglic ist derzeit eines der Aushangesichter von Red Bull - BORA - hansgrohe, doch seine dreijährige Zeit beim deutschen Team hat nicht die erhofften Früchte getragen – trotz des Vuelta-Titels 2024. Daher steht der 36-jährige Slowene für die nächste Saison aktuell ohne Vertrag da.
Interesse am Fahrer mit Top-10-Resultaten bei Tirreno-Adriatico und der Tour de Suisse in diesem Jahr gibt es weiterhin, aber nicht mehr aus dem Kreis der klassischen Grand-Tour-Schwergewichte. Stattdessen haben sich Lotto-Intermarche als ernsthafter Anwärter auf seine Verpflichtung hervorgetan.
„Man muss ehrlich sein: Die Teams stehen nicht gerade Schlange, um ihn zu verpflichten“, schreibt der frühere Soudal - Quick-Step-Manager Patrick Lefevere in seiner Kolumne bei Het Nieuwsblad.
Lefevere vermutet zudem, dass Lotto-Intermarche eher ein neues Aushängeschild nach den Abgängen von Lennert Van Eetvelt und Arnaud De Lie sucht, statt eines tatsächlichen Leaders mit dem Anspruch, die größten Rennen zu gewinnen.
Mit diesem Gedanken blickt Lefevere auf einige frühere Transfers von Lotto zurück. Er nennt John Degenkolb, Elia Viviani und Philippe Gilbert bei dessen Rückkehr zum Team. Das Trio verbrachte zusammengenommen sechs Saisons beim belgischen Rennstall am Ende ihrer Karrieren – jedoch ohne große Erfolge.
„Sie kamen zusammen auf insgesamt vier Siege, keiner davon in der WorldTour“, merkt Lefevere an.

Der Versuch, massive grundlegende Probleme zu kaschieren

Die Motive liegen auf der Hand: Ein bekannter Fahrer bringt Prestige und eröffnet einem Team die Chance, sein Profil gegenüber Sponsoren, Fans und der Außenwelt zu schärfen.
Grundsätzlich hält Lefevere an einer solchen Verpflichtungspolitik nichts für falsch – solange Gehalt und Ergebnisse nicht zu lange auseinanderklaffen und zur Budgetlast werden, wie etwa bei der Verpflichtung von Chris Froome durch Israel - Premier Tech im Jahr 2021.
Für ein WorldTour-Team aus dem Tabellenkeller, das ums Überleben in der höchsten Kategorie kämpft, sieht er diese Strategie jedoch nicht als vernünftig an. Zumal sich die meisten Leader in die entgegengesetzte Richtung orientieren.
In diesem Zusammenhang erkennt Lefevere bei Lotto-Intermarche keine klare sportliche Vision. Einzig die Langzeitkonstante scheine zu sein, dass man Leader verliere, sobald sie in diese Rolle hineingewachsen sind.
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