Nach dem Sieg bei der Lombardei-Rundfahrt und seinem Tour-de-France-Debüt: Wie weit kann Paul Seixas 2027 kommen?
Radsport
Paul Seixas ist nicht mehr nur eines der größten Talente im Radsport. Er hat sich als bewährter Sieger etabliert, der auch bei den bedeutendsten Rennen des Kalenders bestehen kann. Der Franzose vom Decathlon CMA CGM Team beendete die Saison 2026 mit einem historischen Sieg bei der Lombardei-Rundfahrt und bestätigte damit seine bemerkenswerte Entwicklung in den Monaten zuvor.
Mit 20 Jahren wurde er bei seinem Debüt bei der Tour de France bereits Vierter, forderte Tadej Pogačar bei großen Klassikern heraus und gewann eines der fünf Monumente des Radsports. Der nächste Schritt besteht nicht mehr nur darin, zu beweisen, dass er mit den Besten mithalten kann. Nun geht es darum, sein Potenzial auszuloten und seine Karriere so zu gestalten, dass er sich weiterentwickeln kann.
Sein Sieg beim italienischen Klassiker hat die Wahrnehmung des Franzosen verändert. Bislang ließ sich jedes starke Ergebnis als weiteres Zeichen seines enormen Potenzials werten. Nach dem Erfolg in Como greift diese Einschätzung zu kurz. Seixas weiß nun, was es braucht, um eines der größten Eintagesrennen der Welt zu gewinnen. Dabei setzte er sich gegen etablierte Konkurrenten durch. Seine Saison garantiert nicht, dass er das Peloton in den kommenden Jahren dominieren wird. Sie liefert jedoch sportliche Gründe, ihn zu den Fahrern zu zählen, die den Radsport der Zukunft prägen könnten.
Am 10. Oktober gewann Seixas die Lombardei-Rundfahrt. Seinen entscheidenden Angriff lancierte er am Anstieg nach Civiglio, rund 19 Kilometer vor dem Ziel. Der Franzose setzte sich von seinen Verfolgern ab und hielt das Tempo bis nach Como hoch, wo er allein die Ziellinie überquerte. Enric Mas wurde mit 48 Sekunden Rückstand Zweiter, Giulio Ciccone komplettierte das Podium mit 1:05 Minuten Rückstand. Remco Evenepoel belegte vor dem Weltmeister Brandon McNulty den vierten Platz.

Paul Seixas bei der Lombardei-Rundfahrt
Das Ergebnis war historisch. Seixas wurde zum jüngsten Sieger der Lombardei-Rundfahrt und trug sich in die Siegerliste eines der fünf Monumente ein. Es war weder ein Erfolg bei einem weniger bedeutenden Rennen noch ein Sieg gegen ein geschwächtes Feld. Die 239 Kilometer lange Strecke mit 4.600 Höhenmetern verlangte Ausdauer, Kletterstärke und taktisches Gespür. Der Franzose brachte alle drei Qualitäten mit.
Auch die Art seines Sieges war bemerkenswert. Seixas wartete weder auf einen Sprint einer reduzierten Gruppe noch profitierte er von einem Fehler seiner Rivalen auf den letzten Metern. Er griff an einem der entscheidenden Anstiege an, baute seinen Vorsprung aus und machte aus den Schlusskilometern ein Einzelzeitfahren bis ins Ziel. Dafür musste er über viele Kilometer eine sehr hohe Leistung bringen. Gleichzeitig drohten die Verfolger, sich zu organisieren und ihn wieder einzuholen. Doch der Franzose behauptete seinen Vorsprung und machte den Sieg perfekt.
Der Erfolg kam zudem nach einer Saison, in der Seixas bereits in unterschiedlichen Rennen seine Konkurrenzfähigkeit bewiesen hatte. Die Lombardei-Rundfahrt sollte daher nicht als Einzelleistung verstanden werden, die plötzlich alle Erwartungen verändert. Sie war der Höhepunkt einer Entwicklung, die seit Monaten auf den nächsten Schritt hindeutete.
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Vom Klassiker-Aufsteiger zum Herausforderer Pogačars
Eine der auffälligsten Eigenschaften von Seixas’ Saison war, dass er seine Form von einem Rennen ins nächste mitnehmen konnte. Bei den Frühjahrsklassikern rückte er in den Kreis der führenden Fahrer vor. Besonders auf anspruchsvollen Strecken, auf denen die Anstiege das Feld oft schon vor den letzten Kilometern auseinanderreißen, machte er auf sich aufmerksam.
Strade Bianche und Lüttich–Bastogne–Lüttich boten zwei wichtige Maßstäbe, um seine Entwicklung einzuschätzen. Bei beiden Rennen konnte er sich mit Tadej Pogačar messen, der in den vergangenen Jahren viele der bedeutendsten Klassiker dominiert hat. Der Franzose hat noch nicht gezeigt, dass er den Slowenen regelmäßig schlagen kann. Doch er hat sich einen Platz in der sportlichen Diskussion neben dem führenden Fahrer seiner Generation erarbeitet.
Dieser Unterschied ist wichtig. Bei Rennen niedrigerer Kategorie hervorzustechen oder starke Ergebnisse bei weniger anspruchsvollen Veranstaltungen zu erzielen, ist das eine. Um Siege gegen Fahrer zu kämpfen, die seit Jahren die größten Rennen gewinnen, ist etwas ganz anderes. Seixas hat sich rasch vom Talent, das man im Blick behalten sollte, zu einem Rivalen entwickelt, den die Teams bei jedem großen Rennen einplanen müssen.
Die Lombardei-Rundfahrt verstärkte diesen Eindruck, denn dort treffen viele der besten Kletterer und Klassikerspezialisten der Welt aufeinander. Ein Sieg auf diese Weise vermittelt eine andere Erfahrung, als eine Spitzenplatzierung zu erreichen, indem man den Attacken der anderen Favoriten folgt.
Dennoch wäre es verfrüht, Seixas bereits auf jedem Terrain mit Pogačar gleichzusetzen. Der Slowene hat seine Dominanz über mehrere Jahre aufgebaut, während der Franzose erst am Anfang seiner Profikarriere steht. Der Vergleich zeigt, mit welchem Kaliber an Rivalen er sich bereits messen kann. Er bedeutet nicht, dass der Generationenwechsel vollzogen ist.
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Der vierte Platz bei der Tour verändert die Erwartungen
Die Klassiker zeigten, dass Seixas um große Siege bei Eintagesrennen mitfahren kann. Die Tour de France fügte seiner Entwicklung eine weitere Facette hinzu. Bei seinem Debüt im Rennen wurde der Franzose Vierter – ein außergewöhnliches Ergebnis für einen Fahrer, der am 24. September 20 Jahre alt wurde. Über drei Wochen bewies er, dass er nicht nur auf explosive Belastungen reagieren, sondern auch bei einer anspruchsvollen Rundfahrt konstant auf hohem Niveau fahren kann.
Sein Gesamtergebnis bei der Tour ist besonders bedeutsam, weil es Seixas eine weitere Perspektive für die Zukunft eröffnet. Die Klassiker können ihm Siege von enormem Prestige bescheren. Seine Leistung bei der Frankreich-Rundfahrt auf diesem Niveau zeigt jedoch, dass er auch das Potenzial für eine Spitzenrolle bei einer Grand Tour hat.
Der vierte Platz ist jedoch keine Garantie dafür, dass er als Nächstes um den Gesamtsieg mitfahren wird. Dafür muss er sich auch in Bereichen verbessern, die über seine Kletterfähigkeiten hinausgehen. Konstanz in den Bergetappen, Zeitfahren, Regeneration zwischen den Etappen, Positionierung im Peloton und Teamarbeit können entscheidend sein, wenn es darum geht, drei Wochen lang eine Spitzenposition zu behaupten.
Außerdem muss er lernen, mit den steigenden Erwartungen umzugehen. Nach dem vierten Platz bei der Tour und dem Sieg bei Il Lombardia in derselben Saison wird jedes große Rennen unweigerlich zu einer weiteren Standortbestimmung. Die Herausforderung für Decathlon CMA CGM besteht darin, ihm weitere Entwicklung zu ermöglichen, ohne jeden Start zur Pflicht zu machen, gewinnen zu müssen.
Sportlich spricht vieles dafür, die Zukunft des Teams auf ihm aufzubauen. Vorrang hat jedoch, seine Entwicklung nicht zu überstürzen. Seixas hat bereits gezeigt, dass er bei großen Zielen mitfahren kann. Nun gilt es, den Rennkalender und die Vorbereitung zu finden, die ihn näher an die Besten heranführen, ohne seine Entwicklung zu gefährden.

Paul Seixas bei der Tour de France 2026
Die nächste Herausforderung: den richtigen Weg für 2027 finden
Die Planung für 2027 wird einer der wichtigsten Faktoren für Seixas’ Entwicklung sein. Nach einem Jahr mit herausragenden Ergebnissen bei den Klassikern und Etappenrennen muss sein Rennkalender eine grundlegende Frage beantworten: Soll er erneut die Tour de France in den Mittelpunkt stellen oder einen anderen Weg einschlagen, um sich bei den Grand Tours weiterzuentwickeln?
Der Sportdirektor von Decathlon CMA CGM, Julien Jurdie, hat klargestellt, dass ein Podiumsplatz bei einer Grand Tour das Ziel ist. Auf welches Rennen das Team setzt, steht allerdings noch nicht fest. Der Giro d’Italia und die Vuelta a España kommen weiterhin infrage. Nach seinem vierten Platz beim Tour-Debüt bleibt auch die Tour eine wichtige Option.
Jede Möglichkeit hätte eigene Vorteile. Bei einer Rückkehr zur Tour könnte Seixas ausloten, wie viel näher er den weltbesten Fahrern beim prestigeträchtigsten Rennen des Radsports kommen kann. Der Giro wiederum böte ein anderes Umfeld, um ein Grand-Tour-Podium anzustreben. Auch bei der Vuelta könnte er weitere Erfahrungen in einem dreiwöchigen Rennen sammeln.
Bei der Kalenderplanung geht es jedoch um mehr als die Wahl einer Grand Tour. Das Team hat auch erklärt, bei den Klassikern ambitioniert bleiben zu wollen. Rennen wie Strade Bianche, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Il Lombardia passen zu diesen Plänen. Damit gilt es, eine ausgewogene Saison zu gestalten, in der Seixas weiter um Monumente mitfahren und sich zugleich als Anwärter auf die Gesamtwertung entwickeln kann.
Die Entscheidung wird sportlich weitreichende Folgen haben. Eine gezielte Vorbereitung auf eine Grand Tour könnte ihm helfen, an bestimmten Aspekten seiner Leistung zu arbeiten. Ein weiterhin umfangreicher Klassiker-Kalender würde ihm dagegen ermöglichen, auf den Stärken aufzubauen, die ihm bereits Spitzenresultate eingebracht haben. Eine einzig richtige Antwort gibt es nicht. Entscheidend wird die beste Balance für einen Fahrer sein, der in beiden Bereichen überzeugt hat.
Der Rennkalender für 2027 hängt auch von den Zielen des Teams und von Seixas’ Entwicklung in der Winterpause ab. Aussagen zu einem bestimmten Start sollten daher erst nach einer offiziellen Bestätigung getroffen werden. Klar ist: Seixas hat ein Niveau erreicht, das ambitionierte Planungen verlangt, ohne seine mittelfristige Entwicklung aus dem Blick zu verlieren.
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Decathlon CMA CGM hat einen Star – und trägt Verantwortung
Seixas’ Durchbruch eröffnet Decathlon CMA CGM außergewöhnliche sportliche Möglichkeiten. Das französische Team hat nun einen Fahrer, der auf Eintagessiege zielen kann und zugleich bei einer Grand Tour ein sehr hohes Niveau gezeigt hat. Diese Kombination erweitert die Optionen des Teams. Es kann Strategien auf einen Fahrer ausrichten, der auf unterschiedlichsten Streckenprofilen Akzente setzen kann.
Die Entwicklung eines Fahrers dieser Klasse erfordert jedoch sorgfältige Entscheidungen. Größere mediale Aufmerksamkeit, Vergleiche mit Pogacar und die Erwartungen, die seine Ergebnisse wecken, können jedes Rennen zur Bewährungsprobe machen. Die beste Antwort darauf besteht nicht unbedingt darin, weitere Ziele hinzuzufügen. Stattdessen sollte das Team jene Rennen auswählen, die seiner Entwicklung entsprechen und ihm weitere Lernmöglichkeiten bieten.
In dieser Hinsicht ist sein Sieg bei Il Lombardia ein großer Vorteil: Er bestätigt, dass Seixas bei einem hochkarätigen Rennen eine Spitzenleistung bringen kann, ohne mehrere Jahre auf den nächsten Entwicklungsschritt warten zu müssen. Das Team muss nicht mehr ausschließlich auf sein Potenzial setzen. Es kann nun auch auf Ergebnisse bauen, die belegen, dass er gegen die besten Konkurrenten gewinnen kann.
Entscheidend wird sein, diesen Erfolg zur Grundlage für weiteres Wachstum zu machen. Ein Monument garantiert keine künftigen Siege, so wie der vierte Platz bei der Tour keinen Podiumsplatz bei der nächsten Ausgabe sichert. Zusammen zeigen diese Ergebnisse jedoch, dass Seixas für einen Fahrer seines Alters ungewöhnlich viele Möglichkeiten hat.

Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Anfang 2025 Redakteur bei Radsportaktuell.de. Er berichtet dort über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf aktuellen Rennberichten, Einordnungen und Hintergrundtexten, mit denen er sportliche Entwicklungen im Peloton verständlich und präzise erklärt. Bei großen Renntagen arbeitet er zudem mit Live-Formaten, um das Geschehen fortlaufend zu dokumentieren und zeitnah einzuordnen.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er sportlich selbst aktiv und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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