„Mindestens fünfzehn Fahrer können gewinnen“: Bernard Hinault sieht die Weltmeisterschaften nach Pogačars Fehlen weit offen

Radsport
Sonntag, 06 September 2026 um 21:30
bernard hinault
Tadej Pogačars Saisonaus verletzung hat die Weltmeisterschaften von einem Rennen mit klarem Favoriten zu einem der unberechenbarsten Events im Kalender 2026 gemacht. Der Slowene wird in Montréal nicht das Regenbogentrikot verteidigen, das er im vergangenen Jahr in Kigali gewann, und öffnet damit die Tür für einen neuen Weltmeister.
Pogačar stürzte schwer auf der achten Etappe der Vuelta a España am 29.08.2026. Nach der Operation am gebrochenen Schlüsselbein bestätigte der fünffache Tour-de-France-Sieger, dass er 2026 nicht mehr an den Start gehen werde.
Seine Abwesenheit schließt auch die Weltmeisterschaften aus, die vom 20.09. bis 27.09. in Montréal stattfinden, ebenso wie die letzten großen Rennen seiner Saison.
Der 27-Jährige war in diesem Jahr kaum zu schlagen, sobald er startete. Ohne Pogačar haben plötzlich mehrere Fahrer eine realistische Chance auf den größten Eintages-Titel im Radsport. Ex-Weltmeister Bernard Hinault hält das Feld nun für derart offen, dass sich kaum eine kleine Favoritengruppe benennen lässt.
Tadej Pogačar emotional beim Zieleinlauf in Kigali, wo er die Weltmeisterschaften gewinnt
Pogačar gewann die Weltmeisterschaften 2025 in Ruanda

Eine lange Liste möglicher Weltmeister

Hinault traut bis zu 15 Fahrern zu, Montréal im Regenbogentrikot zu verlassen. Statt eines klaren Erben für Pogačar erwartet die französische Legende ein deutlich offeneres Rennen.
„Es gibt mindestens fünfzehn Fahrer, die gewinnen können! Paul Seixas kann es, Del Toro auch. Lorenzo Finn kann gewinnen, ebenso Remco [Evenepoel]. Es sind eine ganze Menge!“ sagte Hinault laut RMC Sport.
Paul Seixas gehört zu den jungen Fahrern, die am meisten von Pogačars Abwesenheit profitieren könnten. Der Franzose hat in dieser Saison bereits viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und reist nun zu den Weltmeisterschaften, ohne am dominanten Titelträger von vor zwölf Monaten in Ruanda vorbei zu müssen.
Evenepoel bringt derweil deutlich mehr Erfahrung mit. Der Belgier hat bereits WM-Titel und olympisches Gold gewonnen, während sich Isaac Del Toro als weiterer Fahrer etabliert hat, der um Gold mitkämpfen kann.
Die Ungewissheit dürfte auch taktisch durchschlagen. Ohne Pogačar, der andere Nationen zu Reaktionen auf seine Attacken zwingt, könnten Teams früher und aggressiver fahren. Kleinere Gruppen könnten sich eher bilden, während Fahrer, die zuvor als Außenseiter galten, plötzlich eine echte Siegchance erhalten.

Hinault warnt davor, Carapaz zu übersehen

Hinault sieht zudem die ältere Generation noch längst nicht abgeschrieben. Unter den Routiniers hob er Richard Carapaz als Fahrer hervor, der ein unberechenbares Meisterschaftsrennen in eine Chance verwandeln kann.
„Und die alte Generation ist noch da. Aber einen Fahrer darf man nicht vergessen, und das ist Richard Carapaz. Er ist der Krieger, der angreift. Er kassiert harte Treffer, aber er ist immer da. Er war Olympiasieger, also ist er in der Lage, eine großartige WM zu fahren“, sagte Hinault.
Für Pogačar sind die Weltmeisterschaften hingegen vom Tisch. Nach einer außergewöhnlichen Saison, die durch seinen Vuelta-Sturz abrupt endete, hat die Genesung absolute Priorität, wie das Team bereits mitteilte.
Hinault hält das für genau den richtigen Weg für den Slowenen: „Das Beste ist, sich auszuruhen und sich auf das nächste Jahr zu fokussieren“, schloss er.
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