Der aufstrebende Lidl-Trek-Profi
Thibau Nys hat offen über die enorme mentale und körperliche Belastung nach seiner jüngsten Knieoperation gesprochen. In der belgischen Talkshow
Vive le Vélo, Leve de Ronde gab das junge Talent ein Update zu seiner Genesung. Er bestätigte, dass seine gesamte Frühjahrskampagne sowie der Giro d’Italia ausfallen, während er vorsichtig eine Rückkehr im Sommer anpeilt.
Das schlechtestmögliche Timing
Nys hatte große Ziele für seine Straßenkampagne 2026 nach einem Durchbruch im Frühjahr 2025 und einem starken Cyclocross-Winter, der mit Bronze bei den Weltmeisterschaften in Hulst endete. Nach einer kurzen Ruhephase zur Erholung von den Winterbelastungen wollte er zielgerichtet in die Straßensaison aufbauen.
Doch kaum hatte er das Training wieder aufgenommen, meldete sich ein bekanntes Problem: das „Radfahrerknee“ – eine Überlastungsverletzung mit Schmerzen rund um die Kniescheibe durch die repetitive Belastung beim Pedalieren.
Team und Fahrer entschieden sich für einen operativen Eingriff, um die Schmerzen endgültig zu beseitigen. Langfristig die richtige Wahl, doch sie warf sein komplettes Frühjahr aus der Bahn. „Es war ein kleiner Eingriff, aber er kam zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt des Jahres – mit ziemlich großen Folgen“, erklärte Nys und betonte, dass er in den Tagen vor der Flandern-Rundfahrt nicht einmal aufs Rad steigen konnte.
Thibau Nys in der Cyclocross-Saison 2025/2026
Ein mentaler Kampf
Die Operation bedeutete, dass sein kurzfristiger Rennkalender komplett gestrichen wurde. Mit den Klassikern und dem Giro d’Italia vom Tisch räumte Nys ein, dass der plötzliche, erzwungene Stopp seiner Saison als Profi schwer zu verarbeiten ist.
„Mir ist bewusst, dass es Schlimmeres gibt, aber mental ist es hart“, gestand Nys und schilderte, wie die Inaktivität seinen Körper angreift. „Ich fühle mich zuhause etwas verloren. Man sieht täglich, wie die Muskulatur im Bein dahin schmilzt wie Schnee in der Sonne. Das ist mental hart. Es ist ein bisschen deprimierend und konfrontierend.“
Trotz der nachvollziehbaren Enttäuschung, die Frühjahrsklassiker nur von der Seitenlinie zu verfolgen, erkennt Nys nun eine Perspektive. „Es gibt Licht am Ende des Tunnels … Ich denke, es ist zu früh für konkrete Aussagen“, sagte er. „Im allerbesten Fall darf ich nächste Woche langsam wieder anfangen zu fahren.“ Weiter stellte er klar: „Dann bleibt die Frage, wann ich wieder die volle Trainingsbelastung verkrafte. Ich weiß es nicht, ich werde keine Versprechen machen. Ich hoffe, irgendwann im Juni oder Juli wieder Rennkilometer zu sammeln.“