Lidl-Trek soll an einer Verpflichtung von
Felix Gall für die nächste Saison interessiert sein. Der starke Auftritt des Österreichers beim
Giro d’Italia rückt ihn ins Zentrum einer weiteren großen Grand-Tour-Wechselgeschichte.
Laut Gazzetta dello Sport deuten Quellen beim Giro darauf hin, dass Lidl-Trek Gall ins Visier nimmt,
der nach Etappe 17 Gesamtzweiter ist und sich als engster Herausforderer von Jonas Vingegaard im Gesamtklassement etabliert hat. Bestätigt ist kein Deal, doch das kolportierte Interesse kommt zu einem aufschlussreichen Zeitpunkt für Fahrer und Team.
Gall zeigt bei diesem Giro genau das, wonach viele Teams jahrelang auf dem
Transfermarkt suchen. Er klettert konstant, begrenzt den Schaden hinter Vingegaard besser als fast alle anderen und hat sich in eine realistische Position gebracht, in Rom auf dem Podium zu landen.
Für Lidl-Trek liegt dieses Profil auf der Hand. Die schwierigere Frage ist, wie ein weiterer Grand-Tour-Kapitän in ein Aufgebot passt, das schon jetzt eines der dichtesten GC-Puzzles im Peloton hat.
Galls Giro befeuert die Wechselspekulation
Galls Position bei diesem Giro resultiert nicht aus einem spektakulären Überfall. Sie wurde über wiederholte Tage des Schadensbegrenzens hinter dem stärksten Fahrer des Rennens aufgebaut.
Vingegaard hatte in den Bergen mehrfach das letzte Wort, doch Gall war oft der Fahrer, der die Beschleunigungen des Dänen am besten überstand. Nach Etappe 17 bleibt er Gesamtzweiter, 4:03 hinter Vingegaard, mit Thymen Arensman, Jai Hindley und Afonso Eulalio in der Verfolgung.
Gall ist längst kein spekulatives Klettertalent mehr. Er ist ein Tour-de-France-Etappensieger, ein früherer Top-Fünf-Finisher der Tour und nun auf Kurs zu seinem bislang besten Grand-Tour-Ergebnis.
Sein Reiz unterscheidet sich von einem spektakulären Superstar-Transfer. Gall bietet Verlässlichkeit im Hochgebirge, einen ruhigen Rennstil und die Fähigkeit, eine GC-Ambition tief in die dritte Woche zu tragen.
Felix Gall at the 2026 Giro d'Italia
Lidl-Treks Führungsspitze ist bereits dicht besetzt
Die Komplikation liegt in der aktuellen Ausrichtung von Lidl-Trek. Das Team hat in den vergangenen Jahren versucht, eine ernsthafte Grand-Tour-Struktur aufzubauen, doch diese Suche hat ebenso viele Fragen wie Antworten geschaffen.
Juan Ayuso ist nach seinem Wechsel von UAE Team Emirates - XRG der klarste Baustein für die lange Frist. Der Spanier kam mit dem Profil eines echten zukünftigen Tour-de-France-Leaders und gibt Lidl-Trek eine Dimension, auf die nur wenige Teams zugreifen können.
Derek Gee-West fügt eine weitere Ebene hinzu. Seine Entwicklung vom Ausreißer-Spezialisten zum Grand-Tour-Anwärter macht ihn zu einem der interessantesten Dreiwochen-Fahrer in den Plänen des Teams, und sein aktueller Giro unterstreicht erneut den Wert seiner Robustheit.
Mattias Skjelmose bleibt eine starke Option für Etappenrennen, besonders bei einwöchigen Prüfungen und punchigeren GC-Kämpfen, während Giulio Ciccone dem Team eine weitere bewährte Kletterpräsenz und einen Fahrer mit tiefer Giro-DNA gibt.
Und dann ist da noch Tao Geoghegan Hart. Er brachte die nachweislich größte Grand-Tour-Meriten mit, kam als früherer Giro-d’Italia-Sieger, doch seine verletzungsgeprägten Jahre seit dem Giro-Sturz 2023 haben Lidl-Trek weiter auf der Suche nach dem verlässlichen Dreiwochen-Leader gelassen, den dieser Transfer einst liefern sollte.
Gall würde dieser Mischung einen weiteren ernstzunehmenden Namen hinzufügen. Auf dem Papier hat Lidl-Trek bereits mehrere Fahrer, die man als GC-Leader oder künftige GC-Leader bezeichnen kann. Das berichtete Interesse an Gall deutet jedoch darauf hin, dass das Team auf der höchsten Ebene noch mehr Sicherheit sucht.
Noch ein Leader oder noch eine Komplikation?
Das Gerücht lässt sich auf zwei Arten lesen. Die wohlwollende Version: Lidl-Trek baut jene Tiefe auf, die man braucht, um mit den stärksten Grand-Tour-Teams zu konkurrieren. Visma, UAE und Red Bull haben mehrere Kletterkapitäne oder geschützte Fahrer, und Gall würde diesen Kurs sofort stärken.
Die andere Lesart ist weniger eindeutig. Das Projekt von Lidl-Trek wirkte bisweilen wie eine Suche nach Klarheit durch Anhäufung. Ayuso, Gee-West, Skjelmose, Ciccone und Geoghegan Hart bieten unterschiedliche Varianten einer GC-Lösung, doch nicht alle können dieselbe Straße, denselben Kalender oder denselben Führungsstatus erhalten.
Gall käme nicht als Entwicklungswette. Verlässt er nach einem Giro-Podium
Decathlon CMA CGM Team, wird er eine ernsthafte Grand-Tour-Rolle erwarten. Das macht Lidl-Trek stärker, aber auch voller.
Für Gall wäre die Entscheidung ebenso heikel. Decathlon hat ihm den Raum gegeben, sich zum Grand-Tour-Podiumsanwärter zu entwickeln, und sein aktueller Giro zeigt, dass dieser Weg funktioniert. Ein Wechsel zu Lidl-Trek könnte größere Ressourcen und ein ambitionierteres Projekt bieten, aber auch eine kompliziertere Führungsstruktur.
Gall beweist derzeit, dass er genau der Typ Grand-Tour-Fahrer ist, nach dem Lidl-Trek gesucht hat. Ob seine Verpflichtung ihr GC-Puzzle löst oder die Anordnung noch schwieriger macht, ist die Frage hinter dem Gerücht.