Das Zeitfahren des Giro d’Italia lieferte eine unerwartete Erkenntnis zu
Jonas Vingegaard. Obwohl der Däne weiterhin als klarer Favorit auf den Gesamtsieg gilt, öffnete seine Leistung auf Etappe 10 ein kleines Fenster des Zweifels. So bewertete es
Alberto Contador bei
Eurosport’s La Montonera.
Der ehemalige Profi aus Madrid wurde in seiner Einschätzung des Kapitäns von Visma - Lease a Bike deutlich. „Ich glaube nicht, dass er auf dem Niveau war, das man bei Jonas erwartet, selbst wenn er nicht in Topform ist“, sagte Contador.
Contador erwartet mehr von Vingegaard
Vingegaard verlor keine alarmierende Zeit – im Gegenteil, er nahm fast allen Rivalen Sekunden ab. Dennoch wirkte er weniger dominant als gewohnt. Fahrer wie Jai Hindley, Giulio Pellizzari und Felix Gall distanzierte er nur geringfügig, während er auf Thymen Arensman mehr als eine Minute einbüßte. Der Niederländer verkleinerte seinen Rückstand damit deutlich.
Jonas Vingegaard bleibt Giro-Favorit, doch sein Zeitfahren auf Etappe 10 sorgte bei Alberto Contador für Zweifel
Contador wies die Idee zurück, Vingegaard könne mit Blick auf die Tour de France bewusst konservativ gefahren sein. Als in der Analyse die Möglichkeit aufkam, der Däne halte sich für sein großes Ziel im Juli zurück, reagierte der Spanier kategorisch: „Nein. In einem Zeitfahren wie diesem musste er versuchen, den Sack zuzumachen.“
Gleichwohl fügte der frühere Grand-Tour-Sieger eine wichtige Nuance hinzu und ließ die Möglichkeit eines unbestätigten körperlichen Problems offen. In der Sendung wurde erwähnt, dass mehrere Teams im Feld mit Virusinfekten zu kämpfen hätten. Obwohl es von Visma - Lease a Bike keine offizielle Bestätigung gab, schloss Contador diesen Faktor nicht gänzlich aus.
„Wenn Jonas krank wäre, glaube ich nicht, dass sie es öffentlich sagen würden“, deutete er an – und vermutete damit zumindest die Möglichkeit eines verborgenen Faktors hinter der weniger dominanten Vorstellung.
Ohne dies als Ursache zu behaupten, hielt Contador dennoch fest, dass Vingegaard nicht bei hundert Prozent gewesen sei. Seine prägnanteste Aussage zielte direkt auf das Leistungsniveau des Dänen.
„Klar ist, wir haben keinen Vingegaard in Bestform gesehen.“ Es ist eine aufschlussreiche Einschätzung von jemandem, der genau weiß, was das Giro–Tour-Doppel bedeutet – und wie schwierig es ist, die Kräfte über zwei Grand Tours hinweg zu steuern.
Die Last des Giro–Tour-Doppels
Contador erinnerte an seine eigene Erfahrung mit demselben Vorhaben und erklärte, wie aufgestaute Müdigkeit jeden Plan auf den Kopf stellen kann. „Du versuchst, alles zu optimieren und eine Strategie zu bauen, wie das Rennen laufen soll, aber es gibt Dinge, die du nicht kontrollieren kannst“, sagte er.
Der Madrilene blickte dabei auch auf seine eigene Vergangenheit zurück und beschrieb, wie sehr ihn die enorme Anstrengung beim Giro anschließend für die Tour geprägt hatte. „Ich konnte mich für die Tour nicht erholen“, gab Contador zu.
Gerade deshalb bewertet er Vingegaards aktuelle Lage mit Vorsicht. Aus dem Umfeld des Dänen war zu hören, er sei noch nicht bei voller Leistungsfähigkeit und seine Form solle sich im Verlauf der Etappen steigern. Contador griff diese Theorie ebenfalls auf, allerdings mit Vorbehalten.
„Sie sagten, er sei bei 80% und wolle sich steigern. Diese Prozente mochte ich noch nie, weil man sie schwer exakt einschätzen kann“, merkte er an.
Zugleich hob der Kommentator besonders den Aufschwung von Fahrern wie Thymen Arensman hervor, der große Konstanz zeigt und sich als echte Gefahr für das Podium etabliert hat. „Es ist gut, neue Fahrer vorne zu sehen, sonst wirkt für den Zuschauer alles zu entschieden“, sagte Contador.
Die Lehre nach dem Zeitfahren ist damit klar: Vingegaard führt weiter, doch ein kleiner Riss in der Rüstung öffnet die Tür zu einer Spur Unsicherheit. Wie Contador zusammenfasste, eröffnet diese Vorstellung „ein paar Optionen, damit der Giro d’Italia etwas unvorhersehbarer wird“.