„So macht Radfahren keinen Spaß mehr“: Harte Kritik an Mas nach Giro-Duell mit Narváez

Radsport
durch Nic Gayer
Donnerstag, 21 Mai 2026 um 14:00
Chris Harper sah am letzten Anstieg des Tages häufig die Rücken von Jhonatan Narváez und Enric Mas
Um aus einer Ausreißergruppe heraus den Sieg zu holen, braucht es viel – erst recht in hügeligen Rennen, die völlig unterschiedlichen Fahrertypen entgegenkommen. Auf der 11. Etappe des Giro d’Italia prallten mit Enric Mas und Jhonatan Narváez zwei Gegensätze im Kampf um den Etappensieg aufeinander.
Thijs Zonneveld kam anschließend zu einem klaren Urteil: Aus seiner Sicht war Mas’ Taktik schwach – und nahm dem Spanier faktisch jede echte Siegchance.

Zonneveld kritisiert Mas deutlich

„Er hat in seinem ganzen Leben kaum ein Rennen gewonnen. Ein großer Fahrer, das kann man festhalten. Vielleicht nicht mehr ganz auf dem Niveau früherer Jahre, etwas an Glanz verloren und zu lange bei Movistar geblieben“, sagte Zonneveld im Podcast In de Waaier.
Enric Mas zeigte auf der 11. Giro-Etappe seine bislang beste Saisonleistung, musste sich Jhonatan Narváez aber geschlagen geben
Enric Mas zeigte auf der 11. Giro-Etappe seine bislang beste Saisonleistung, musste sich Jhonatan Narváez aber geschlagen geben
Der Niederländer sparte nicht mit Kritik an Mas, der seine Ambitionen im Gesamtklassement bereits in der ersten Woche eingebüßt hatte, nun aber mit ansteigender Form in der zweiten Rennhälfte auf Etappenjagd geht. Auf der 11. Etappe fuhr er in die Spitzengruppe und testete dort seine Kletterstärke. Doch mit Narváez traf er auf einen Fahrer in Topform, der zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Etappensiege verbucht hatte.
„Er ist keiner, der Finale ohne monströsen Schlussanstieg beherrscht. Und dann landet er ausgerechnet mit Narváez, der genau das kann. Der hat einen angeborenen Killerinstinkt. Der gewinnt Gott weiß welche Rennen; einer, der sowohl einen scharfen Sprint hat als auch gut klettert. Schlechter hätte es für ihn kaum kommen können.“
Mas attackierte an den beiden schwersten Anstiegen des Tages und distanzierte am zweiten alle Fahrer bis auf den UAE-Profi. Auch am kurzen Stich in den Schlusskilometern nach Chiavari versuchte er es erneut. Doch es gelang ihm nicht, Narváez abzuschütteln – einen klassischen Puncheur, der stark klettert und zudem über einen schnellen Sprint verfügt.

Narváez hatte das passendere Profil

Das Streckenprofil kam Narváez schlicht stärker entgegen. Mas fand kein Terrain, auf dem er gegen seinen Rivalen den entscheidenden Unterschied hätte machen können. Die Anstiege waren nicht hart genug, während auf explosivem Terrain jener Fahrer im Vorteil war, der Tadej Pogacar durch die hügeligen Passagen der Tour de France 2025 lotste.
Narváez verweigerte zugleich eigene Attacken und zog das Finale konsequent auf einen Sprint, in dem er die besseren Siegchancen hatte. Zonneveld blieb dennoch hart in seinem Urteil über Mas’ Entscheidungen.
„Er gibt in dem Moment auf, als es in den letzten Anstieg geht. Er sieht, dass Narváez noch am Hinterrad sitzt, und das war’s. Dann so ein halber Versuch, ihn auf einem flachen Abschnitt loszuwerden: Das war rührend. Narváez dachte zunächst, er fahre einfach seine Ablösung. Danach fuhr Mas nur noch auf Platz zwei. So macht Radfahren keinen Spaß mehr.“
Nach Ansicht Zonnevelds hätte Mas irgendwann die Führungsarbeit einstellen und auf die Verfolgergruppe warten sollen. In diesem Szenario wäre es nicht zu einem Eins-gegen-eins-Sprint mit geringen Chancen gekommen, sondern zu einer taktischen Konstellation, in der ein gut getimter Angriff den Sieg hätte bringen können.
„Wenn fünf Mann zusammenkommen, findest du einen Moment, in dem du vielleicht noch wegfahren kannst. Bist du einen Kilometer voraus, ist es unangenehm, dich zuzustellen. Wenn Narváez und Ulissi sich denken: ‚Mach du‘, dann hast du eine Chance“, erklärte Zonneveld.
„Es ist keine große Chance, aber größer als null. Jetzt gab er sich selbst null Prozent.“ Mas wurde am Ende Zweiter der Etappe, zeigte jedoch seine bislang beste Saisonleistung. Mit der Freiheit, künftig auf Ausreißersiege zu fahren, dürfte er in den verbleibenden zehn Renntagen weitere Möglichkeiten bekommen.
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