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Juan Ayuso vor einem Wechsel zum Movistar Team? Sein enttäuschendes Jahr 2026 wirft Fragen über seine Zukunft bei LIDL-Trek auf

Radsport
durch Nic Gayer
Juan Ayuso Lidl-Trek 2
Juan Ayuso steht vor einer richtungsweisenden Phase seiner Karriere. Der Spanier hatte UAE Team Emirates - XRG verlassen, um bei LIDL-Trek eine neue sportliche Heimat zu finden. Sein Ziel war eindeutig: Er wollte sich als einer der wichtigsten Kapitäne der deutschen Mannschaft etablieren und mit einer klar definierten Führungsrolle um den Gesamtsieg bei der Tour de France kämpfen. Doch seine erste Saison im neuen Trikot verlief deutlich enttäuschender, als es die hohen Erwartungen nach dem spektakulären Transfer vermuten ließen.
Dabei hatte der Fahrer aus Valencia die Saison 2026 vielversprechend begonnen. Mit Etappensiegen und dem Gesamterfolg bei der Volta ao Algarve schien Ayuso zunächst zu bestätigen, dass ihm der Wechsel zu LIDL-Trek einen weiteren Entwicklungsschub ermöglichen könnte. Doch zahlreiche Stürze, vorzeitige Rennaufgaben und ausbleibende Spitzenresultate bei den wichtigsten Saisonhöhepunkten machten diese Hoffnungen zunehmend zunichte.

Nach schwierigem LIDL-Trek-Debüt: Könnte Movistar eines Tages zur Alternative werden?

Angesichts dieser Entwicklung stellt sich langfristig eine interessante Frage: Könnte Juan Ayuso irgendwann zum Movistar Team wechseln? Aktuell gibt es weder Verhandlungen noch konkrete Hinweise auf einen bevorstehenden Transfer. Sollte sich seine sportliche Situation bei LIDL-Trek jedoch nicht nachhaltig verbessern, könnte die einzige spanische WorldTour-Mannschaft perspektivisch zu einer ernsthaften Alternative werden.
Juan Ayuso vor Rennstart.
Juan Ayuso blickt nach einer schwierigen ersten Saison bei LIDL-Trek auf ein entscheidendes Jahr 2027. Der Spanier konnte bei der Tour de France seine hohen Erwartungen nicht erfüllen und bekommt mit Felix Gall zusätzliche Konkurrenz im Kampf um die Kapitänsrolle.

Vielversprechender Auftakt, enttäuschende Tour de France: Ayuso bleibt hinter den Erwartungen zurück

Mit seinem Gesamtsieg und mehreren Etappenerfolgen bei der Volta ao Algarve war Ayuso zunächst optimal in seine erste Saison für LIDL-Trek gestartet. Doch anschließend geriet sein Rennprogramm ins Stocken. Sowohl Paris-Nizza als auch die Baskenland-Rundfahrt Itzulia musste er nach Stürzen vorzeitig beenden. Die wiederholten Rückschläge erschwerten es ihm, einen konstanten Rennrhythmus aufzubauen.
Bei der Tour Auvergne-Rhone-Alpes, der früheren Dauphine, zeigte sich erstmals deutlicher, dass Ayuso trotz guter Ergebnisse noch nicht sein erhofftes Leistungsniveau erreicht hatte. Zwar belegte er hinter Gesamtsieger Isaac del Toro den dritten Platz, doch der Mexikaner erwies sich insbesondere an den entscheidenden Anstiegen als zu stark. Ayuso konnte dessen Tempo nicht mitgehen, was weitere Zweifel an seiner Form aufkommen ließ.
Die wichtigste Bewährungsprobe wartete bei der Tour de France. Schließlich war die Aussicht auf eine eindeutige Kapitänsrolle bei der Frankreich-Rundfahrt einer der entscheidenden Gründe für seinen Abschied von UAE gewesen. LIDL-Trek hatte ihm diese Verantwortung übertragen, doch Ayuso konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Am Ende stand lediglich der siebte Gesamtrang – und damit sogar eine schlechtere Platzierung als die seines Teamkollegen Mattias Skjelmose.
Der Spanier räumte anschließend selbst ein, dass ihm auf den großen Bergetappen die nötige Stärke in den Beinen gefehlt hatte. Auch im 26 Kilometer langen Einzelzeitfahren gelang es ihm nicht, entscheidende Zeit auf seine Konkurrenten gutzumachen. Gemessen an den Ambitionen, mit denen er zu LIDL-Trek gewechselt war, fiel seine erste Tour als Kapitän entsprechend ernüchternd aus.
Auch sein zweites großes Saisonziel brachte nicht die erhoffte Wende. Für die Radsport-WM in Kanada reiste Ayuso frühzeitig nach Nordamerika, um sich bei den WorldTour-Klassikern in Quebec und Montreal vorzubereiten. Doch nach einem Sturz in Quebec musste er das Rennen in Montreal vorzeitig aufgeben. Bei der anschließenden Radsport-WM konnte er ebenfalls nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen und belegte lediglich Rang 13.
Bei der Europameisterschaft setzte sich die enttäuschende Serie fort. Obwohl der spanische Nationaltrainer Alejandro Valverde großes Vertrauen in ihn gesetzt hatte, erreichte Ayuso das Ziel nicht. Auch bei Il Lombardia blieb er weit hinter seinen Möglichkeiten zurück und kam nur auf dem 73. Platz ins Ziel.
Seinen letzten Saisonauftritt absolvierte er bei der Tour of Guangxi – einem durchaus ungewöhnlichen Abschluss seines Rennprogramms. Dort belegte Ayuso den sechsten Gesamtrang. Die Entscheidung um den Gesamtsieg fiel erst auf der Schlussetappe, wobei unter anderem Luis Barre, Marco Brenner und Martin Tjotta vor dem Spanier landeten.

Felix Gall verstärkt LIDL-Trek: Der Konkurrenzkampf um die Kapitänsrolle wächst

Neben seinen eigenen sportlichen Schwierigkeiten könnte auch die Kaderplanung von LIDL-Trek zu einem entscheidenden Faktor für Ayusos Zukunft werden. Mit Felix Gall verpflichtet die deutsche Mannschaft einen weiteren ausgewiesenen Rundfahrtspezialisten, der bereits Podiumsplätze beim Giro d'Italia und bei der Vuelta a Espana vorweisen kann.
Schon zuvor verfügte LIDL-Trek mit Mattias Skjelmose und Ayuso über zwei Fahrer, die bei den großen Landesrundfahrten Führungsverantwortung übernehmen können. Durch Galls Verpflichtung wächst die interne Konkurrenz um die begehrten Kapitänsrollen nun weiter.
Das bedeutet keineswegs automatisch, dass die Teamführung das Vertrauen in Ayuso verloren hat. Allerdings dürfte die Verteilung der wichtigsten Saisonziele künftig komplizierter werden. Gerade für einen Fahrer, der UAE ausdrücklich verlassen hatte, um mehr Freiheiten und eine klare Führungsposition zu erhalten, könnte diese Entwicklung eine zusätzliche Herausforderung darstellen.

Movistar als mögliche Zukunftsoption – doch Gehalt und Vertrag sprechen dagegen

Vor diesem Hintergrund könnte langfristig auch das Movistar Team ins Blickfeld rücken. Die spanische WorldTour-Mannschaft verfolgt seit Jahren das Ziel, starke einheimische Fahrer als Kapitäne zu verpflichten. In der Vergangenheit stand sie bereits kurz vor einer Verpflichtung von Carlos Rodriguez, ehe Ineos den Spanier mithilfe einer Vertragsklausel doch noch halten konnte.
Ayuso würde grundsätzlich gut in diese sportliche Ausrichtung passen. Sollte er eines Tages ein neues Umfeld benötigen, um wieder an seine besten Leistungen anzuknüpfen, könnte Movistar eine interessante Perspektive bieten. Allerdings stehen einem solchen Wechsel erhebliche finanzielle Hürden entgegen.
Bei LIDL-Trek soll der Fahrer aus Valencia mehr als fünf Millionen Euro verdienen. Ein Gehalt in dieser Größenordnung kann Movistar derzeit nicht aufbringen. Damit wäre ein Transfer selbst dann schwierig, wenn beide Seiten grundsätzlich Interesse an einer Zusammenarbeit entwickeln sollten.
Hinzu kommt Ayusos langfristige Vertragsbindung. Der Spanier steht noch bis Ende 2030 bei LIDL-Trek unter Vertrag. Zwar hat sein vorzeitiger Abschied von UAE Team Emirates - XRG bereits gezeigt, dass sich auch langfristige Vereinbarungen im Profiradsport auflösen lassen. Derzeit gibt es jedoch keinerlei konkrete Anzeichen dafür, dass Ayuso einen erneuten Teamwechsel anstrebt oder LIDL-Trek ihn abgeben möchte.

Saison 2027 als Schlüsseljahr: Kann Ayuso seine Kapitänsrolle behaupten?

Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte deshalb vor allem Ayusos Leistung in der Saison 2027 werden. Findet er zu seiner Bestform zurück und beweist bei den großen Rundfahrten, dass er mit den stärksten Gesamtklassementfahrern mithalten kann, dürfte seine Stellung innerhalb der Mannschaft deutlich gefestigt werden.
Sollte er dagegen erneut hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnten die Zweifel an seiner langfristigen Rolle bei LIDL-Trek wachsen. In einem solchen Szenario wären auch Spekulationen über einen möglichen Abschied kaum überraschend.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass Ayuso mit gerade einmal 24 Jahren weiterhin über enormes Entwicklungspotenzial verfügt. Bereits in jungen Jahren erreichte er das Podium der Vuelta a Espana, gewann Tirreno-Adriatico und stellte mehrfach unter Beweis, dass er einwöchige Rundfahrten für sich entscheiden kann. Auch bei anspruchsvollen Klassikern mit einer Distanz von mehr als 200 Kilometern besitzt er die nötigen Fähigkeiten, muss sich jedoch noch besser auf die besonderen Anforderungen dieser Rennen einstellen.
Ein Wechsel zum Movistar Team erscheint für 2027 oder 2028 daher wenig realistisch. Langfristig könnte sich die Situation allerdings verändern, falls Ayusos sportliche Entwicklung bei LIDL-Trek ins Stocken gerät.
Zunächst liegt es am Spanier selbst, die Erwartungen zu erfüllen, die mit seinem Abschied von UAE und seinem Wechsel zur deutschen Mannschaft verbunden waren. Er muss beweisen, dass er als Kapitän bei den größten Rennen des Radsports bestehen kann – und dass die Entscheidung für LIDL-Trek der richtige Schritt in seiner Karriere war. Die Saison 2027 könnte damit maßgeblich darüber entscheiden, ob Juan Ayuso langfristig zu den wichtigsten Führungspersönlichkeiten des Teams gehört oder sich irgendwann doch nach einer neuen Herausforderung umsehen muss.
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