„Gegen den eigenen Teamkapitän zu fahren, ist schon etwas seltsam“ – Pogacar-Helfer Mikkel Bjerg will Jonas Vingegaard bei der Radsport-WM 2027 zum Sieg verhelfen
Radsport
Sieben Jahre lang stand Mikkel Bjerg im Dienst von Tadej Pogacar und half dem Slowenen dabei, sich gegen Jonas Vingegaard durchzusetzen. Bei der Radsport-WM 2027 könnte der Däne jedoch plötzlich auf der anderen Seite stehen. Sollte Vingegaard im französischen Sallanches endlich sein Debüt im Straßenrennen der Elite geben, wäre ausgerechnet einer von Pogacars dienstältesten Teamkollegen bei UAE Team Emirates - XRG bereit, seinen Landsmann im Kampf gegen den slowenischen Superstar und um das Regenbogentrikot zu unterstützen.
Schon bei der diesjährigen Radsport-WM in Montreal hatte sich Bjerg auf die ungewöhnliche Situation eingestellt, möglicherweise gegen seinen eigenen Teamkapitän antreten zu müssen. Doch ein schwerer Sturz Pogacars bei der Vuelta a Espana verhinderte dieses Duell. „Das ist schon eine seltsame Situation. Wenn Tadej Pogacar bei der Vuelta nicht gestürzt wäre, hätte ich bei der Radsport-WM gegen meinen Teamkapitän fahren müssen“, erklärte Bjerg bei Eurosports Radio Tour. „Das wäre das erste Mal gewesen. Gegen den eigenen Teamkapitän zu fahren, ist schon etwas seltsam.“
Mikkel Bjerg reizt das Duell mit seinem eigenen Teamkapitän
Während der 28-jährige Bjerg Dänemark in Montreal vertrat, musste Pogacar auf die Verteidigung seines Titels verzichten. Der Slowene hatte bei seinem Sturz einen Schlüsselbeinbruch, eine Gehirnerschütterung sowie Frakturen im Nacken- und oberen Rückenbereich erlitten. Für Bjerg wäre ein direktes Aufeinandertreffen mit seinem langjährigen Kapitän dennoch eine reizvolle Herausforderung gewesen. Schließlich hätte sich ihm damit die seltene Gelegenheit geboten, seine eigenen Fähigkeiten gegen jene Fahrer unter Beweis zu stellen, für die er normalerweise als Helfer arbeitet.

Mikkel Bjerg unterstützt Tadej Pogacar seit Jahren bei UAE Team Emirates - XRG. Bei der Radsport-WM 2027 könnte der Däne jedoch zum Gegner seines eigenen Teamkapitäns werden und Jonas Vingegaard im Kampf um das Regenbogentrikot helfen.
„Ich würde auch gern zeigen, wie vielseitig ich als Fahrer bin“, erklärte der Däne. „Wenn ich also bis in die Schlussphase dabei sein und gegen die Fahrer antreten könnte, die eigentlich meine Teamkapitäne sind, wäre das eine großartige Gelegenheit, das zu zeigen.“
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Dass Bjerg weit mehr als ein klassischer Helfer ist, bewies er bereits vor seinem Wechsel zu UAE im Jahr 2020. Damals gewann er drei U23-Titel bei der Radsport-WM im Einzelzeitfahren in Folge. Später feierte er einen Etappensieg beim Criterium du Dauphine 2023 und fuhr bei der Flandern-Rundfahrt 2024 auf einen starken vierten Platz. Im Schatten Pogacars blieben ihm allerdings vergleichsweise wenige Gelegenheiten, selbst um große Erfolge zu kämpfen. Stattdessen besteht ein wesentlicher Teil seiner Aufgaben darin, das Renngeschehen für den Slowenen zu kontrollieren – häufig schon lange bevor die entscheidenden Angriffe erfolgen.
Radsport-WM 2027 in Sallanches: Gibt Jonas Vingegaard endlich sein Elite-Debüt?
Obwohl Jonas Vingegaard längst zu den erfolgreichsten Grand-Tour-Fahrern seiner Generation gehört, hat er bislang noch nie am Straßenrennen der Elite bei einer Radsport-WM teilgenommen. Sein einziger Auftritt bei einer Radsport-WM datiert aus dem Jahr 2018, als er noch in der U23-Kategorie startete. Bei der Europameisterschaft 2025 musste er das Rennen vorzeitig aufgeben.
Eigentlich hatte der Kapitän von Visma - Lease a Bike bereits für die diesjährige Radsport-WM in Montreal einen Start ins Auge gefasst. Doch ein Schlüsselbeinbruch, den er sich bei der Tour de France zuzog, bedeutete letztlich das vorzeitige Ende seiner Saison.
Die Radsport-WM 2027 in Sallanches gilt dagegen schon seit längerer Zeit als mögliches Ziel des Dänen. Nationaltrainer Michael Morkov bestätigte bereits, dass er mit Vingegaard über eine Teilnahme gesprochen hat. Der anspruchsvolle Parcours könnte dem mehrfachen Grand-Tour-Sieger durchaus entgegenkommen: Auf insgesamt 265 Kilometern müssen die Fahrer die Cote de Domancy gleich 20-mal bewältigen. Insgesamt summieren sich die Anstiege auf rund 5.700 Höhenmeter.
Bjerg würde seinen Landsmann bei diesem Vorhaben nur allzu gerne unterstützen, obwohl das extrem bergige Streckenprofil nicht unbedingt seinen eigenen Stärken entspricht. „Ich würde Jonas unglaublich gern helfen“, betonte er. „Es wäre auch großartig gewesen, wenn er in diesem Jahr sowohl bei der Europameisterschaft als auch bei der Radsport-WM gestartet wäre.“
Auch mit Blick auf das kommende Jahr macht der UAE-Profi keinen Hehl aus seiner Begeisterung. „Es wäre großartig, wenn er im nächsten Jahr bei der Radsport-WM fährt, auch wenn mir der Kurs nicht besonders liegt. Ich würde wirklich gern dabei sein. Und ich würde mich sehr freuen, wenn er Radsport-Weltmeister wird.“
Dass Vingegaard durch seinen Verzicht auf Montreal eine einmalige Gelegenheit verpasst haben könnte, glaubt Bjerg allerdings nicht. Nach seinen eigenen Eindrücken vom Rennen wäre der Kurs für seinen Landsmann ohnehin weniger geeignet gewesen als zunächst angenommen. „Gerade das Rennen bei der Radsport-WM entwickelte sich so, dass ich dachte: Na gut, er hat nicht die Chance seines Lebens verpasst“, erklärte er. „Es war eher ein Klassiker als erwartet. Ich hätte ihn lieber bei der Europameisterschaft gesehen. Dieser Kurs lag ihm besser.“
Die zahlreichen Anstiege von Sallanches dürften Vingegaards Fähigkeiten als herausragender Kletterer deutlich stärker entgegenkommen. Allerdings fehlt dem Dänen bislang die große Erfahrung bei hochkarätigen Eintagesrennen. Sein bestes Ergebnis bei einem WorldTour-Klassiker ist nach wie vor der achte Platz bei der Clasica de San Sebastian 2021. Angesichts seiner außergewöhnlichen Erfolge bei dreiwöchigen Rundfahrten ist das ein bemerkenswerter Kontrast.
Auch Tobias Lund Andresen will Vingegaard helfen – selbst gegen Paul Seixas
Neben Bjerg könnte auch Tobias Lund Andresen eine wichtige Rolle in einer dänischen Mannschaft um Vingegaard übernehmen. Der 24-Jährige blickt auf eine erfolgreiche Saison 2026 beim Decathlon CMA CGM Team zurück und hat sich als eines der vielversprechendsten Sprinttalente im internationalen Peloton etabliert. Angesichts der zahlreichen schweren Anstiege rund um Sallanches dürfte er allerdings kaum Chancen auf ein eigenes Spitzenergebnis haben. Ohne die Aussicht, Vingegaard unterstützen zu können, hätte er deshalb möglicherweise ganz auf einen Start verzichtet.
„Wenn Jonas fährt, würde ich auch gern dabei sein“, erklärte Lund Andresen bei Radio Tour. „Normalerweise würde ich wohl nicht für die Nationalmannschaft starten, wenn ich nicht das Gefühl hätte, etwas bewirken zu können. Aber wenn Jonas dabei ist, dann …“
Dabei könnte der junge Däne in eine ähnlich ungewöhnliche Situation geraten wie Bjerg. Denn mit Paul Seixas zählt ausgerechnet einer seiner Teamkollegen bei Decathlon zu den möglichen großen Rivalen Vingegaards. Der französische Shootingstar hat sich mit seinen Triumphen bei La Fleche Wallonne und der Lombardei-Rundfahrt 2026 endgültig als ernsthafter Anwärter auf die prestigeträchtigsten Eintagesrennen etabliert. Das extrem anspruchsvolle Streckenprofil von Sallanches dürfte dem jungen Franzosen zudem wesentlich besser liegen als seinem dänischen Teamkollegen.
Hinzu kommt die besondere historische Bedeutung des Austragungsortes für den französischen Radsport. Bereits 1980 triumphierte Bernard Hinault in Sallanches und sicherte sich dort das Regenbogentrikot. Wenn die Radsport-WM im kommenden August an diesen geschichtsträchtigen Schauplatz zurückkehrt, möchte Seixas in die Fußstapfen seines berühmten Landsmannes treten.
Für Lund Andresen könnte das bedeuten, bei der Radsport-WM aktiv daran mitzuarbeiten, Vingegaard einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem Fahrer zu verschaffen, mit dem er während der gesamten Saison gemeinsam Rennen bestritten hat. Bjerg wiederum könnte vor der gleichen Herausforderung stehen – nur dass sein möglicher Gegner Tadej Pogacar heißt, an dessen Seite er seit 2020 unzählige Rennkilometer absolviert hat. Aus langjährigen Verbündeten könnten in Sallanches damit plötzlich direkte Rivalen im Kampf um das Regenbogentrikot werden.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026







