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„Gegen den eigenen Teamkapitän zu fahren, ist schon etwas seltsam“ – Pogacar-Helfer Mikkel Bjerg will Jonas Vingegaard bei der Radsport-WM 2027 zum Sieg verhelfen

Radsport
durch Nic Gayer
Mikkel Bjerg
Sieben Jahre lang stand Mikkel Bjerg im Dienst von Tadej Pogacar und half dem Slowenen dabei, sich gegen Jonas Vingegaard durchzusetzen. Bei der Radsport-WM 2027 könnte der Däne jedoch plötzlich auf der anderen Seite stehen. Sollte Vingegaard im französischen Sallanches endlich sein Debüt im Straßenrennen der Elite geben, wäre ausgerechnet einer von Pogacars dienstältesten Teamkollegen bei UAE Team Emirates - XRG bereit, seinen Landsmann im Kampf gegen den slowenischen Superstar und um das Regenbogentrikot zu unterstützen.
Schon bei der diesjährigen Radsport-WM in Montreal hatte sich Bjerg auf die ungewöhnliche Situation eingestellt, möglicherweise gegen seinen eigenen Teamkapitän antreten zu müssen. Doch ein schwerer Sturz Pogacars bei der Vuelta a Espana verhinderte dieses Duell. „Das ist schon eine seltsame Situation. Wenn Tadej Pogacar bei der Vuelta nicht gestürzt wäre, hätte ich bei der Radsport-WM gegen meinen Teamkapitän fahren müssen“, erklärte Bjerg bei Eurosports Radio Tour. „Das wäre das erste Mal gewesen. Gegen den eigenen Teamkapitän zu fahren, ist schon etwas seltsam.“

Mikkel Bjerg reizt das Duell mit seinem eigenen Teamkapitän

Während der 28-jährige Bjerg Dänemark in Montreal vertrat, musste Pogacar auf die Verteidigung seines Titels verzichten. Der Slowene hatte bei seinem Sturz einen Schlüsselbeinbruch, eine Gehirnerschütterung sowie Frakturen im Nacken- und oberen Rückenbereich erlitten. Für Bjerg wäre ein direktes Aufeinandertreffen mit seinem langjährigen Kapitän dennoch eine reizvolle Herausforderung gewesen. Schließlich hätte sich ihm damit die seltene Gelegenheit geboten, seine eigenen Fähigkeiten gegen jene Fahrer unter Beweis zu stellen, für die er normalerweise als Helfer arbeitet.
Mikkel Bjerg in Aktion.
Mikkel Bjerg unterstützt Tadej Pogacar seit Jahren bei UAE Team Emirates - XRG. Bei der Radsport-WM 2027 könnte der Däne jedoch zum Gegner seines eigenen Teamkapitäns werden und Jonas Vingegaard im Kampf um das Regenbogentrikot helfen.
„Ich würde auch gern zeigen, wie vielseitig ich als Fahrer bin“, erklärte der Däne. „Wenn ich also bis in die Schlussphase dabei sein und gegen die Fahrer antreten könnte, die eigentlich meine Teamkapitäne sind, wäre das eine großartige Gelegenheit, das zu zeigen.“
Dass Bjerg weit mehr als ein klassischer Helfer ist, bewies er bereits vor seinem Wechsel zu UAE im Jahr 2020. Damals gewann er drei U23-Titel bei der Radsport-WM im Einzelzeitfahren in Folge. Später feierte er einen Etappensieg beim Criterium du Dauphine 2023 und fuhr bei der Flandern-Rundfahrt 2024 auf einen starken vierten Platz. Im Schatten Pogacars blieben ihm allerdings vergleichsweise wenige Gelegenheiten, selbst um große Erfolge zu kämpfen. Stattdessen besteht ein wesentlicher Teil seiner Aufgaben darin, das Renngeschehen für den Slowenen zu kontrollieren – häufig schon lange bevor die entscheidenden Angriffe erfolgen.

Radsport-WM 2027 in Sallanches: Gibt Jonas Vingegaard endlich sein Elite-Debüt?

Obwohl Jonas Vingegaard längst zu den erfolgreichsten Grand-Tour-Fahrern seiner Generation gehört, hat er bislang noch nie am Straßenrennen der Elite bei einer Radsport-WM teilgenommen. Sein einziger Auftritt bei einer Radsport-WM datiert aus dem Jahr 2018, als er noch in der U23-Kategorie startete. Bei der Europameisterschaft 2025 musste er das Rennen vorzeitig aufgeben.
Eigentlich hatte der Kapitän von Visma - Lease a Bike bereits für die diesjährige Radsport-WM in Montreal einen Start ins Auge gefasst. Doch ein Schlüsselbeinbruch, den er sich bei der Tour de France zuzog, bedeutete letztlich das vorzeitige Ende seiner Saison.
Die Radsport-WM 2027 in Sallanches gilt dagegen schon seit längerer Zeit als mögliches Ziel des Dänen. Nationaltrainer Michael Morkov bestätigte bereits, dass er mit Vingegaard über eine Teilnahme gesprochen hat. Der anspruchsvolle Parcours könnte dem mehrfachen Grand-Tour-Sieger durchaus entgegenkommen: Auf insgesamt 265 Kilometern müssen die Fahrer die Cote de Domancy gleich 20-mal bewältigen. Insgesamt summieren sich die Anstiege auf rund 5.700 Höhenmeter.
Bjerg würde seinen Landsmann bei diesem Vorhaben nur allzu gerne unterstützen, obwohl das extrem bergige Streckenprofil nicht unbedingt seinen eigenen Stärken entspricht. „Ich würde Jonas unglaublich gern helfen“, betonte er. „Es wäre auch großartig gewesen, wenn er in diesem Jahr sowohl bei der Europameisterschaft als auch bei der Radsport-WM gestartet wäre.“
Auch mit Blick auf das kommende Jahr macht der UAE-Profi keinen Hehl aus seiner Begeisterung. „Es wäre großartig, wenn er im nächsten Jahr bei der Radsport-WM fährt, auch wenn mir der Kurs nicht besonders liegt. Ich würde wirklich gern dabei sein. Und ich würde mich sehr freuen, wenn er Radsport-Weltmeister wird.“
Dass Vingegaard durch seinen Verzicht auf Montreal eine einmalige Gelegenheit verpasst haben könnte, glaubt Bjerg allerdings nicht. Nach seinen eigenen Eindrücken vom Rennen wäre der Kurs für seinen Landsmann ohnehin weniger geeignet gewesen als zunächst angenommen. „Gerade das Rennen bei der Radsport-WM entwickelte sich so, dass ich dachte: Na gut, er hat nicht die Chance seines Lebens verpasst“, erklärte er. „Es war eher ein Klassiker als erwartet. Ich hätte ihn lieber bei der Europameisterschaft gesehen. Dieser Kurs lag ihm besser.“
Die zahlreichen Anstiege von Sallanches dürften Vingegaards Fähigkeiten als herausragender Kletterer deutlich stärker entgegenkommen. Allerdings fehlt dem Dänen bislang die große Erfahrung bei hochkarätigen Eintagesrennen. Sein bestes Ergebnis bei einem WorldTour-Klassiker ist nach wie vor der achte Platz bei der Clasica de San Sebastian 2021. Angesichts seiner außergewöhnlichen Erfolge bei dreiwöchigen Rundfahrten ist das ein bemerkenswerter Kontrast.

Auch Tobias Lund Andresen will Vingegaard helfen – selbst gegen Paul Seixas

Neben Bjerg könnte auch Tobias Lund Andresen eine wichtige Rolle in einer dänischen Mannschaft um Vingegaard übernehmen. Der 24-Jährige blickt auf eine erfolgreiche Saison 2026 beim Decathlon CMA CGM Team zurück und hat sich als eines der vielversprechendsten Sprinttalente im internationalen Peloton etabliert. Angesichts der zahlreichen schweren Anstiege rund um Sallanches dürfte er allerdings kaum Chancen auf ein eigenes Spitzenergebnis haben. Ohne die Aussicht, Vingegaard unterstützen zu können, hätte er deshalb möglicherweise ganz auf einen Start verzichtet.
„Wenn Jonas fährt, würde ich auch gern dabei sein“, erklärte Lund Andresen bei Radio Tour. „Normalerweise würde ich wohl nicht für die Nationalmannschaft starten, wenn ich nicht das Gefühl hätte, etwas bewirken zu können. Aber wenn Jonas dabei ist, dann …“
Dabei könnte der junge Däne in eine ähnlich ungewöhnliche Situation geraten wie Bjerg. Denn mit Paul Seixas zählt ausgerechnet einer seiner Teamkollegen bei Decathlon zu den möglichen großen Rivalen Vingegaards. Der französische Shootingstar hat sich mit seinen Triumphen bei La Fleche Wallonne und der Lombardei-Rundfahrt 2026 endgültig als ernsthafter Anwärter auf die prestigeträchtigsten Eintagesrennen etabliert. Das extrem anspruchsvolle Streckenprofil von Sallanches dürfte dem jungen Franzosen zudem wesentlich besser liegen als seinem dänischen Teamkollegen.
Hinzu kommt die besondere historische Bedeutung des Austragungsortes für den französischen Radsport. Bereits 1980 triumphierte Bernard Hinault in Sallanches und sicherte sich dort das Regenbogentrikot. Wenn die Radsport-WM im kommenden August an diesen geschichtsträchtigen Schauplatz zurückkehrt, möchte Seixas in die Fußstapfen seines berühmten Landsmannes treten.
Für Lund Andresen könnte das bedeuten, bei der Radsport-WM aktiv daran mitzuarbeiten, Vingegaard einen entscheidenden Vorteil gegenüber einem Fahrer zu verschaffen, mit dem er während der gesamten Saison gemeinsam Rennen bestritten hat. Bjerg wiederum könnte vor der gleichen Herausforderung stehen – nur dass sein möglicher Gegner Tadej Pogacar heißt, an dessen Seite er seit 2020 unzählige Rennkilometer absolviert hat. Aus langjährigen Verbündeten könnten in Sallanches damit plötzlich direkte Rivalen im Kampf um das Regenbogentrikot werden.
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