„Jonas Vingegaards Glück könnte enden“ – Chris Horner bezweifelt, dass der Visma-Kapitän dem „so stark wie nie“ Tadej Pogačar bei der Tour de France Paroli bieten kann
Radsport
Chris Horner warnt, dass Jonas Vingegaard bei der Tour de France 2026 trotz seiner Anreise im Juli als Giro-d’Italia-Sieger bereits um Platz zwei fährt.
Der Kapitän von Team Visma | Lease a Bike gewann den Giro und holte fünf Etappen, doch Horner sieht Tadej Pogacars Auftritt bei der Tour de Suisse als Stimmungswechsel im Tour-Vorfeld. Pogacar gewann drei Etappen und die Gesamtwertung in der Schweiz und beendete das Rennen mit einer Bergetappen-Gala, die Horner als ernste Warnung an das restliche Feld beschrieb.
„Am Ende von Etappe fünf, als Tadej Pogacar für seinen dritten Sieg bei der Tour de Suisse plus die Gesamtwertung die Ziellinie überquert, in diesem Moment sollten alle, die auf dem Chesterfield sitzen, sich um die Tour de France 2026 sorgen“, sagte Horner auf seinem YouTube-Kanal Beyond the Coverage.
Der frühere Vuelta-a-España-Sieger verwies anschließend auf das Kletterniveau, das Pogacar auf der Schlussetappe zeigte. „Die Art von Leistung, mit über sieben Watt pro Kilo für mehr als 25 Minuten, die Tadej Pogacar am letzten Anstieg der finalen Etappe der Tour de Suisse fuhr, davor muss jeder Respekt haben“, sagte er.
„Sein Glück könnte aufgebraucht sein“
Vingegaards Giro-Sieg fand bei Horner durchaus Anerkennung, aber nicht als Beleg dafür, dass der Däne Pogacar bei der Tour auf Augenhöhe begegnet. Horner sagte, Vingegaard habe von Problemen der Konkurrenz in Teilen seines Aufbaus profitiert, betonte jedoch, dass die Erfolge dennoch verdient seien.
„Jonas Vingegaard, als Erster auf Seite eins, hat sich fünf Etappen des Giro d’Italia geholt, aber sein Glück könnte aufgebraucht sein“, sagte Horner. „Erinnert euch, ich habe oft gesagt, dass Jonas im Laufe der Saison etwas Glück hatte, mit Favoriten, die Rennen wie Paris–Nizza verließen, und natürlich mit Ausfällen beim Giro d’Italia.“
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Horner stellte dann klar, dass er Vingegaards Giro-Titel nicht kleinreden wolle. „Er hat ein wenig Hilfe dadurch bekommen, dass Fahrer Pech hatten, als er diese Siege einfing“, fuhr er fort. „Ich glaube dennoch, dass er sowieso gewonnen hätte. Versteht mich nicht falsch. Ich sage nur, es hat es Jonas Vingegaard von Team Visma | Lease a Bike ein bisschen leichter gemacht, wenn er mit fünf Siegen beim Giro d’Italia abreist.“
Horner sagte, Vingegaard sei im Verlauf des Giro nach einem weniger überzeugenden Beginn stärker geworden und habe das Rennen in starker Form beendet. Seine Sorge ist, dass Pogacars aktuelles Niveau über das hinausgewachsen sein könnte, was ausreicht, um einfach nur in guter Verfassung zur Tour zu kommen.
„Jonas ist also in sehr guter Form. Daran gibt es keinen Zweifel“, sagte er. „Aber Pogi ist in einer Form, die wir so meiner Meinung nach nicht gesehen haben. Wenn wir dem glauben, was wir bei der Tour de Suisse gesehen haben, ist er vielleicht noch einmal eine Stufe hochgegangen.“
Horner verwies auch auf Pogacars eigene Aussagen zu seinen Trainingswerten vor der Suisse. „Wenn wir uns einige Interviews von Tadej Pogacar anschauen, sagt er, er habe im Training seine besten Zahlen gezeigt und während seiner Trainingslager der Saison 2026 weitere KOMs geholt, kurz bevor die Tour de Suisse begann“, sagte Horner. „Es sieht also so aus, als könnte Tadej Pogacar in noch besserer Form sein als in den vergangenen Jahren.“

Vingegaard gewann auf dem Weg zum Gesamtsieg fünf Giro-Etappen
„Man muss den Kampf um Rang zwei und drei ins Auge fassen“
Horners Einschätzung der Tour-Hierarchie fiel unverblümt aus. Sofern Pogacar keine gesundheitlichen Probleme oder einen größeren taktischen Rückschlag erleidet, sieht er den Slowenen als klaren Siegkandidaten. „Bevor die Tour startet: Wenn jemand jemand anderen als Tadej Pogacar als Sieger der Tour de France 2026 tippt, ist er ein Hohlkopf“, sagte Horner. „Daran besteht kein Zweifel.“
Das lasse Vingegaard, so Horner, in einem anderen Rennen als dem, das er so oft gegen Pogacar geführt hat. „Also muss man den Kampf um Platz zwei und drei, um die Podestplätze, in den Blick nehmen“, fuhr er fort. „Jonas Vingegaard, selbst nach dem Gewinn des Giro d’Italia und nach dem Zuschauen bei der Tour de Suisse, wir wissen, dass Jonas um Rang zwei in der Gesamtwertung kämpft, es sei denn, Tadej Pogacar passiert gesundheitlich etwas, Leute, oder taktisch, mit großen Fehlern.“
Paul Seixas’ Sturz bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes war ein weiteres Beispiel, das Horner heranzog, als er Vingegaards Weg zum Podium beleuchtete. Der französische Teenager hatte wie ein Fahrer gewirkt, der in den Podiumskampf eingreifen könnte, doch sein Sturz und Ausstieg kamen so dicht vor der Tour, dass seine finale Vorbereitung infrage steht.
„Wenn Jonas den Giro verlässt, ist sein wichtigster Gedanke nach diesen fünf Etappensiegen nicht: ‚Kann ich Tadej Pogacar bei der Tour de France 2026 schlagen?‘“, sagte Horner. „Sondern: ‚Kann ich alle anderen schlagen, die nicht Tadej Pogacar heißen?‘“
Visma-Probleme und zusätzliche UAE-Waffen
Vingegaards Aufgabe wird zudem durch die Teamkonstellation um ihn herum erschwert. Wout van Aert ist nach seiner Ellenbogen-Infektion bereits gestrichen und damit einer der vielseitigsten Fahrer von Team Visma | Lease a Bike für die Tour-Selection verloren.
„Ich sehe keine Chance, dass er wieder auf die Liste von Team Visma | Lease a Bike gesetzt werden könnte“, sagte Horner über Van Aert. „Wenn du Wout van Aert nach den Antibiotika für den Ellenbogen rausnimmst. Er fehlt. Das ist ein weiterer herber Schlag.“
Horner hinterfragte zudem Matteo Jorgensons Entscheidungen bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes, wo Isaac del Toro das Rennen für UAE Team Emirates - XRG gewann. Del Toros Auftritt verstärkte Horners Zweifel an Vismas Ausgangslage in Richtung Juli.
„Isaac del Toro, du warst überragend“, sagte Horner. „Das ist ein weiterer Schlag für Visma, denn Jonas Vingegaard muss nun gegen Tadej Pogacar kämpfen, der bereits gezeigt hat, dass er in besserer Form ist, und er muss gegen Isaac del Toro antreten, seinen Super-Leutnant zum Start der Tour de France 2026, dazu auch noch Adam Yates.“
UAE wird die Tour mit Pogacar, unterstützt von Del Toro, Yates, Brandon McNulty, Felix Grossschartner, Tim Wellens, Nils Politt und Florian Vermeersch, in Angriff nehmen. Visma hat weiter Kletterhilfe um Vingegaard mit Sepp Kuss, Jorgenson und Davide Piganzoli, doch Horner liest die Vorzeichen vor der Tour eindeutig.
Vingegaard hat den Giro in den Beinen, fünf Etappensiege im Gepäck und eine bewiesene Tour-Historie. Pogacar, so Horner, kommt aus der Schweiz stärker denn je, während UAE genug Tiefe mitbringt, um Vismas Weg ins Gelbe noch schmaler zu machen.

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026









