
Die Tour de France 2026 steht vor der Tür. Der Countdown läuft, und am 4. Juli startet eine der mit Spannung erwarteten Ausgaben der letzten Jahre mit einem spektakulären Auftakt: Barcelona richtet den Grand Départ mit einem Mannschaftszeitfahren aus, das bereits am ersten Tag Abstände zwischen den Topfavoriten reißen kann. Unweigerlich richten sich alle Blicke auf Tadej Pogacar.
Der Slowene geht erneut als Topfavorit auf Gelb in Paris ins Rennen, doch der Preis reicht diesmal weit über einen weiteren Triumph bei der Grande Boucle hinaus. Gewinnt er, zieht er mit Eddy Merckx, Miguel Induráin, Jacques Anquetil und Bernard Hinault als Fahrer mit den meisten Titeln in der Geschichte der Tour de France gleich. Eine enorme Motivation für einen Fahrer, der immer wieder zeigt, dass er unter maximalem Druck liefert.
Pogacar wird zudem von einem erstklassigen Team gestützt. An seiner Seite steht Isaac del Toro als Luxushelfer, ein Fahrer, der trotzdem um das Gesamtpodium kämpfen könnte. Unterstützung dieser Güte ist ein weiterer Grund, weshalb UAE mit einer nahezu unschlagbaren Struktur anreist. Doch selbst das garantiert keinen Erfolg.
Die Startliste 2026 verspricht Historisches. Jonas Vingegaard kehrt entschlossen zurück, den Thron zurückzuerobern und ein neues Kapitel in einer Rivalität zu schreiben, die bei der Tour de France 2021 begann und eine Ära im modernen Radsport geprägt hat. Doch der Däne ist nicht Pogacars einziges Hindernis.
Die Dichte der Anwärter ist beeindruckend. Remco Evenepoel, Paul Seixas, Florian Lipowitz, Juan Ayuso, Mattias Skjelmose, Cian Uijtdebroeks, Tom Pidcock, Tobias Johannessen, Kévin Vauquelin, Carlos Rodríguez, Egan Bernal, Thymen Arensman, Lenny Martínez, Ben O'Connor und Harold Tejada führen eine Generation an, die jede Etappe in eine Schlacht verwandeln kann.
Der Kampf um das Gesamtklassement verspricht eine der spektakulärsten Auseinandersetzungen der letzten Jahre zu werden. Reduziert man das Feld jedoch auf die fünf Fahrer, die Pogacar über drei Wochen am ehesten in Bedrängnis bringen können, stechen diese Namen heraus.
1. Jonas Vingegaard
Realistisch betrachtet wirkt Jonas Vingegaard wie der einzige Fahrer, der auf dem Papier über drei Wochen bei der Tour de France mit Tadej Pogacar auf Augenhöhe fahren kann.
Auch wenn die letzten beiden Ausgaben mit dem Sieg des Slowenen endeten, kommt der Däne 2026 in einer der besten Phasen seiner Karriere an. Seine Saison ist schlicht makellos, und er vermittelt den Eindruck, ein Niveau erreicht zu haben, das die Rückeroberung des Gelben Trikots ermöglicht.
Der Kapitän von Team Visma | Lease a Bike hat ein historisches Jahr hingelegt, indem er erstmals den Giro d’Italia gewann. Mehr noch: Mit diesem Triumph komplettierte er die Triple Crown der Grand Tours, ein Erfolg, der in Pogacars Palmarès noch fehlt. Zudem war sein Sieg beim Corsa Rosa alles andere als diskret: Fünf Etappensiege unterstrichen eine absolute Dominanz.
Seine Saison hatte bereits glänzend begonnen. Zunächst gewann er Paris–Nizza, inklusive zweier Etappen, und legte dann bei der Katalonien-Rundfahrt nach, wo er zwei weitere Etappensiege verbuchte.
Die Statistik ist vernichtend: Er hat 2026 alles gewonnen, was er gefahren ist. Mit diesem Selbstvertrauen und diesen Resultaten startet Vingegaard als Pogacars Hauptgegner in die Tour. Ihre Rivalität hat einige der denkwürdigsten Momente des jüngeren Radsports geliefert, und alles deutet darauf hin, dass auch dieses Duell wieder in den Details entschieden wird.

Jonas Vingegaard won the 2026 Giro d'Italia
2. Remco Evenepoel
Es gibt eine große Debatte darüber, wer im Team die wahre Karte für das Gesamtklassement ist. Manche glauben, dass Florian Lipowitz nach dem Podium im Vorjahr bergauf die größere Garantie bietet. Doch es wäre ein Fehler, Remco Evenepoels Chancen zu unterschätzen.
Der Belgier hat einen akribischen Plan für die Tour geschmiedet und reist nach einer Saison an, in der er phasenweise die besten Beine seiner Profikarriere zeigte.
Seine Resultate sprechen für sich. Er stand sowohl bei der Flandern-Rundfahrt als auch bei Lüttich–Bastogne–Lüttich auf dem Podium und gewann zudem das Amstel Gold Race.
Seine Hauptwaffe bleibt jedoch das Zeitfahren. Evenepoel ist weiterhin der beste Spezialist der Welt in dieser Disziplin, und das Mannschaftszeitfahren in Barcelona könnte die perfekte Plattform sein, um die Tour mit einem Vorsprung zu beginnen.
Vieles deutet darauf hin, dass er gute Chancen auf das erste Gelbe Trikot hat. Öffnet er vom ersten Tag an Lücken, wird sein Ziel sein, diesen Puffer in den Hochalpen zu managen, wo er vom akribischen Höhentrainingslager profitieren will, das seine gesamte Vorbereitung geprägt hat.
Das Tempo von Pogacar oder Vingegaard an den großen Anstiegen mitzugehen, wird nicht einfach. Doch wenn es einen Fahrer gibt, der eine Strategie konsequent um das Zeitfahren bauen kann, dann ist es Remco Evenepoel.
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3. Paul Seixas
Paul Seixas ist wohl die große Unbekannte dieser Tour de France. Der Franzose kommt gezeichnet von dem Sturz, der ihn zum Ausstieg bei der Tour Auvergne Rhône-Alpes zwang – ein Rückschlag, der unmittelbar vor dem wichtigsten Rennen des Kalenders Zweifel an seiner Verfassung aufwarf.
Kann er sich vollständig erholen, ist er ein ernsthafter Podiumskandidat und könnte sogar höher zielen. Ohne diesen Rückzug würde er in der Hierarchie der Topfavoriten sogar noch weiter oben rangieren.
Mit erst 19 Jahren hat Seixas seit Saisonbeginn die WorldTour aufgemischt. Sein Gesamtsieg bei der Baskenland-Rundfahrt, untermauert von drei Etappenerfolgen, bestätigte: Er ist kein bloßes Talent mehr, sondern bereit, mit den Besten zu konkurrieren.
Ein weiterer Moment, der sein Potenzial am besten einfängt, kam bei Lüttich–Bastogne–Lüttich. Dort war er der einzige Fahrer, der einer Attacke von Tadej Pogacar an La Redoute standhielt – ein Kraftbeweis, zu dem nur sehr wenige fähig sind.
Es wird seine erste Tour de France, was normalerweise zu Vorsicht rät. Doch Paul Seixas vermittelt den Eindruck, zu jener seltenen Kategorie besonderer Fahrer zu gehören, die vom ersten Tag an auf den größten Bühnen liefern.

Paul Seixas racing for Decathlon CMA CGM Team
4. Juan Ayuso
Ab hier sinkt die Favoritenlast spürbar gegenüber Pogacar, Vingegaard, Evenepoel oder sogar Seixas. Das heißt jedoch nicht, dass Juan Ayuso abzuschreiben ist. Findet er drei saubere Wochen und seine Bestform, kann der Spanier für jeden Favoriten zur ernsten Gefahr werden.
Seine Hauptwaffe bleibt erneut das Zeitfahren. Wie Evenepoel zählt Ayuso zu den weltbesten Spezialisten, und Lidl–Trek stellt eine der stärksten Formationen für das eröffnende Mannschaftszeitfahren in Barcelona – ein Detail, das ihm einen guten GC-Start verschaffen könnte.
Die Saison verlief allerdings kompliziert. Zunächst gab er nach einem Sturz Paris–Nizza auf, später stieg er bei der Baskenland-Rundfahrt aus, noch ohne Topform.
Als es schien, diese Probleme könnten seine Kampagne prägen, kam die Tour Auvergne Rhône-Alpes. Dort zeigte er sein volles Potenzial zurück und holte ein Podium in der Gesamtwertung – ein Stimmungsumschwung für Fahrer und Umfeld.
Unterstützt wird er zudem von Mattias Skjelmose, einem Teamkollegen mit hoher Klasse, der auf den härtesten Etappen eine Schlüsselrolle spielen kann. Es ist Juan Ayusos erste Tour de France als klarer Kapitän, doch es gibt genügend Gründe zu glauben, dass er der Aufgabe gewachsen ist.
5. Tom Pidcock
Tom Pidcock komplettiert diese Liste. Den Briten drei Wochen lang im direkten Duell mit Pogacar zu erwarten, ist wie bei Juan Ayuso utopisch. Das heißt jedoch nicht, dass er nicht zu den Protagonisten der Tour zählen kann.
Pidcock zeigte bei der Vuelta a España 2025, dass er das Rüstzeug für die Gesamtwertung besitzt, als er das Podium erreichte. Sein Wachstum als Kletterer ist seit seinem Wechsel zu Pinarello–Q36.5 einer der markantesten Aspekte.
Der Schritt, der ihm bei INEOS nie ganz gelang, scheint nun gelungen. Das erlaubt ihm, große Siege anzupeilen – wie zuletzt mit dem Erfolg bei der Andorra MoraBanc Clàssica.
Pogacar – oder auch Vingegaard – zu schlagen, bleibt eine enorme Hürde. Doch Pidcock bringt genug Argumente mit, um als fünfter großer Anwärter dieser Liste zu gelten und zumindest vom Abschluss unter den Besten der Gesamtwertung zu träumen.

Tadej Pogacar and Tom Pidcock embrace after the finish at Milano–Sanremo 2026
Die 5 Hauptkonkurrenten von Pogacar bei der Tour de France 2026
| Position | Fahrer | Warum ist er einer der Hauptkonkurrenten von Tadej Pogacar? |
| 1 | Jonas Vingegaard | Auf dem Papier der einzige Fahrer, der Pogacar über drei Wochen Paroli bieten kann. Er kommt nach Siegen beim Giro d’Italia, Paris–Nizza und der Katalonien-Rundfahrt – er hat 2026 alles gewonnen, was er fuhr. |
| 2 | Remco Evenepoel | Seine große Waffe ist das Zeitfahren, insbesondere das eröffnende Mannschaftszeitfahren in Barcelona. Er hat die Tour akribisch vorbereitet und kommt mit einem Sieg beim Amstel Gold Race sowie Podien bei der Flandern-Rundfahrt und Lüttich–Bastogne–Lüttich. |
| 3 | Paul Seixas | Die Entdeckung der Saison. Mit nur 19 gewann er die Baskenland-Rundfahrt mit drei Etappen und war bei Lüttich–Bastogne–Lüttich der einzige, der einer Pogacar-Attacke an La Redoute standhielt. Ist er nach seinem Sturz wiederhergestellt, ist er ein starker Podiumskandidat. |
| 4 | Juan Ayuso | In seiner ersten Tour als Kapitän setzt er darauf, in den Zeitfahren Zeit gutzumachen und mit Optionen in die Berge zu kommen. Nach einer von Stürzen geprägten Saison fand er mit einem Podium bei der Tour Auvergne Rhône-Alpes zurück in die Spur. |
| 5 | Tom Pidcock | Auch wenn der Gesamtsieg schwierig scheint, hat er sich seit seinem Wechsel zu Pinarello–Q36.5 als Kletterer stark weiterentwickelt. Er kommt nach dem Sieg bei der Andorra MoraBanc Clàssica und peilt mindestens den Kampf ums Podium an. |

Pascal MichielsSEO-Manager, Sportjournalist und Editor-in-chief
In meiner Nachbarschaft wuchs man mit der Tour de France auf. Sie war überall – es waren die letzten großen Jahre von Eddy Merckx. Wir waren Kinder, trugen Trikots und spielten die gesamte Rundfahrt nach. Zwei Brücken wurden zu unseren „Bergen“, und wir rasten über Straßen, als Autos noch nicht den Ton angaben. Mit 13 Jahren war mein Herz endgültig dem Radsport verfallen. In einem Urlaub in Frankreich durfte ich nach langem Drängen eine echte Bergetappe fahren – mit meinem Fahrrad von zu Hause, drei Gängen, Licht, dicken Reifen und Schutzblechen.
Ich brach früh auf, fuhr den Col de Joux Plane und anschließend Morzine-Avoriaz. Proviant: eine Tüte Kirschen, kein Wasser, keine Erfahrung. Von Les Gets aus wurde es trotzdem der glücklichste Tag meines Lebens. Als ich die Häuser auf halber Höhe des Joux Plane erreichte, wusste ich, dass ich nicht aufhören würde zu treten. Oben angekommen trank ich an einem Baumstamm – und spürte eine Freude, die ich bis heute mit dem Radsport verbinde. Im Tal stand die Entscheidung an: zurück oder weiter nach Avoriaz. Ich fuhr weiter, ohne anzuhalten, und schaffte auch den zweiten Anstieg. Mit meinem knallroten, eigentlich lächerlichen Rad überholte ich Fahrer auf echten Rennrädern. Wieder dieses Glück.
Dieses unverfälschte Gefühl begleitet mich bis heute – und es ist der Ursprung meiner Arbeit. Ich bin Chefredakteur von Radsportaktuell.de und verantworte die redaktionelle Ausrichtung der Plattform: Themenpriorisierung, Qualitätsstandards, Faktenprüfung und die konsequente Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, verifizierte Informationen vorliegen. Neben der Leitung der Redaktion schreibe und editiere ich selbst und lege besonderen Wert auf klare Einordnung, präzise Sprache und nachvollziehbare Analysen.
Radsport ist für mich mehr als Leidenschaft. Er ist ein komplexer Leistungssport, der Kontext, Genauigkeit und Verantwortung verlangt – genau diesen Anspruch vertrete ich in unserer täglichen Berichterstattung.
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- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








