Jonas Vingegaard wieder in Bestform? Nicki Sorensen feiert den Sieg bei der Katalonien-Rundfahrt als Ende eines zweijährigen Verletzungsalbtraums: „Nach dem Sturz fehlte ihm etwas … jetzt ist er zurück, noch besser“

Radsport
Montag, 30 März 2026 um 15:30
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Jonas Vingegaards dominanter Gesamtsieg bei der Katalonien-Rundfahrt hat im Peloton eine vertraute Frage neu belebt. Nicht, ob er wieder gewinnt, sondern ob er endlich das Niveau von vor seinem schweren Sturz im Baskenland 2024 erreicht hat.
Über die Woche in Katalonien tat der Däne mehr, als nur eine Führung zu verteidigen. Er prägte das Rennen. Zwei Etappensiege, wiederholte Kontrolle in den Bergen und die Fähigkeit, auf jede Beschleunigung von Remco Evenepoel und Florian Lipowitz sofort zu reagieren, unterstrichen einen Fahrer, der das Geschehen diktierte statt unter Druck zu reagieren. Selbst als Red Bull - BORA - hansgrohe versuchte, ihn zu isolieren und in der Anzahl auf den entscheidenden Anstiegen anzugreifen, wirkte Vingegaard nie verwundbar.
Im Gespräch mit TV2 sah der frühere Tour-de-France-Etappensieger Nicki Sørensen in diesen Auftritten einen klaren Wendepunkt. „Nach dem Sturz bei der Itzulia Basque Country hatten wir bis Ende letzten Jahres nicht den gleichen Vingegaard gesehen. Es fehlte etwas, ich weiß nicht was. Aber es war nicht der Vingegaard auf dem Level von vor dem Sturz. Jetzt könnte er wieder dort sein – oder sogar besser.“
Diese Autorität zeigte sich nicht nur in den Resultaten, sondern auch darin, wie sich das Rennen um ihn herum entwickelte. Vingegaard setzte die Schlüsselakte, entschied, wann er mitging, konterte und letztlich mit eigener Beschleunigung das Rennen entschied.

Margen, Regeneration und der lange Weg zurück

Das Ausmaß von Vingegaards Sturz im April 2024 ist zentral, um seine Entwicklung zu verstehen. Gebrochene Rippen, kollabierte Lunge, Schlüsselbeinbruch und Zeit auf der Intensivstation ließen nachhaltige Fragen offen, wie lange eine vollständige Genesung wirklich dauern würde.
Der dänische Sportphysiologe Thue Kvorning glaubt, dass die Antwort nicht in Monaten, sondern in Jahren zu messen ist. „Gewebe, Muskelgewebe und Knochengewebe heilen nie exakt zu dem zurück, was sie vorher waren. Man kann in Tests messen, dass man zurück ist, aber es können trotzdem ein paar Prozent fehlen.“
Auf dem allerhöchsten Level des Radsports entscheiden diese kleinen Margen alles. „Wenn man auf dem Niveau von Jonas Vingegaard ist, zählen die Kleinigkeiten. Diese wenigen Prozent können in bestimmten Situationen den Unterschied machen“, erklärte Kvorning.
Diese Perspektive hilft, die Schwankungen in Vingegaards Leistungen über 2024 bis 2025 einzuordnen, als die Ergebnisse auf dem Papier stark blieben, aber oft das Gefühl mitschwang, dass noch nicht alles perfekt zusammenlief.
In Katalonien jedoch waren diese marginalen Verluste deutlich schwerer auszumachen. Auf steilen Bergankünften zog er mit und setzte sich dann ab. Auf kürzeren, explosiven Anstiegen blieb er konstant gut positioniert. Selbst unter wiederholtem Druck zeigte er keinen sichtbaren Einbruch.
Jonas Vingegaard bei der Volta a Catalunya 2026
Jonas Vingegaard bei der Volta a Catalunya 2026

Vom Wiederaufbau zum Fortschritt

Über weite Teile der vergangenen beiden Saisons schien Vingegaards Fokus darauf zu liegen, Verlorenes zurückzugewinnen. Der Prozess der Erholung, körperlich wie mental, prägte seinen Rennkalender und seine Auftritte. Sørensens Analyse deutet an, dass diese Phase nun abgeschlossen sein könnte.
Die Bedeutung dieses Wechsels kann man kaum überschätzen. Zu alter Stärke zurückzukehren ist das eine. Darüber hinauszugehen, wie Sørensen andeutet, ist etwas ganz anderes.
Mit dem nahenden Giro d’Italia und einem Tour-de-France-Duell mit Tadej Pogacar im Sommer ist auch das Timing bemerkenswert. Vingegaard baut nicht mehr nur wieder auf. Er könnte nun wieder Fortschritte machen.
Nach zwei Jahren, die von Genesung und Neuausrichtung geprägt waren, lieferte Katalonien den bislang klarsten Hinweis, dass der Däne wieder auf, wenn nicht gar über seinem früheren Zenit agiert.
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