„Jonas muss Grand Tours gewinnen. Weltmeister glaub ich nicht“: Dänischer Experte rät Vingegaard zum Fokus auf die Gesamtwertung

Radsport
Freitag, 02 Januar 2026 um 20:50
Vingegaard
Zum Start der Saison 2026 wächst der Druck auf die künftige Ausrichtung von Jonas Vingegaard. In einem Grand-Tour-Umfeld mit immer ambitionierteren Teams und Schwergewicht-Transfers fordert der dänische Radsport-Experte Christian Moberg klare Linien statt Experimente für Vingegaards nächste Schritte.

Moberg drängt Vingegaard: Tour-Fokus statt Experimente in der Saison 2026

Im Gespräch mit TV2 formulierte Moberg unmissverständlich, wo Vingegaards Prioritäten liegen sollten. Der zweifache Tour-de-France-Sieger zählt zu den wenigen Fahrern, die Tadej Pogacar über drei Wochen konstant fordern können. Für Moberg gibt es keinen Grund, diesen Fokus zu verwässern.
„Der Tour-Fokus von Vingegaard ist weiterhin das beherrschende Thema, wenn man den Radsport insgesamt betrachtet“, sagte Moberg bei TV2. „Jonas muss Grand Tours gewinnen, und das muss in ein Programm passen.“
Zwar hat Vingegaard wiederholt über Ziele jenseits der Tour gesprochen, etwa den Giro d’Italia und die Möglichkeit, den kompletten Grand-Tour-Satz zu vollenden. Moberg hält jedoch jede Abweichung vom bewährten Kurs für riskanter als lohnend.

Ein überfülltes Grand-Tour-Schlachtfeld lässt kaum Raum für Fehler

Mobergs Vorsicht speist sich nicht nur aus Vingegaards Stärken, sondern auch aus der Dynamik im Peloton. Immer mehr Teams rüsten mit Top-GC-Fahrern auf, die Erfolgsmargen werden rapide kleiner.
„Es hat große Konsequenzen, wenn man einen der großen Namen wie Juan Ayuso, Remco Evenepoel und so weiter verpflichtet“, sagte Moberg. „Alle glauben, die Ressourcen für einen Grand-Tour-Sieg zu haben, aber aktuell wirkt es schwierig – es sei denn, man heißt Vingegaard oder Pogacar.“
Aus seiner Sicht wird die moderne Grand Tour zunehmend vor dem Start entschieden. Teamzuschnitt, interne Hierarchien und ein disziplinierter Kalender sind fast so ausschlaggebend wie die Form auf der Straße. „Diese Transfers lassen auf Grand-Tour-Siege hoffen“, warnte er, „sie können aber auch bedeuten, dass man nie gewinnt. Man kann nicht alle Stars haben.“
Diese Logik nährt auch seine Skepsis gegenüber Vingegaards Ausflügen in Eintagesrennen oder dem Ziel Regenbogenstreifen. Nach einem ernüchternden Versuch 2025 sei die Lehre eindeutig. „Gerade nach 2025 glaube ich nicht, dass die Begeisterung für Eintagesrennen gewachsen ist“, sagte er. „Visma hat die Bestätigung bekommen, dass sie bei dem bleiben sollten, was sie gut können.“
Das umfasst auch gedämpfte Erwartungen bei den Weltmeisterschaften. „Es kann gut sein, dass er bei der WM antritt, und das kann man begrüßen“, so Moberg. „Aber ich glaube nicht, dass er Weltmeister wird.“

Dem Pfad treu bleiben, der weiterhin Tour-Siege ermöglicht

Da es in dieser Ära nur eine Handvoll realer Grand-Tour-Siegkandidaten gibt, sieht Moberg Vingegaard in einer privilegierten, aber fragilen Position. Es gilt nicht, Vielfalt zu suchen, sondern das verbleibende Fenster für Toursiege maximal zu nutzen.
„Es bleiben nicht mehr viele Jahre, in denen man Grand Tours immer wieder gewinnen kann“, sagte Moberg. „Deshalb muss es in ein Programm passen.“
Während das Aufrüsten im Peloton voranschreitet und mehr Teams auf starbesetzte Kader setzen, ist Mobergs Botschaft letztlich konservativ, aber klar. In einer Ära allgegenwärtiger Ambitionen könnte Spezialisierung Vingegaards schärfste Waffe sein.
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