„Isaac del Toro kann Visma zu einem Fehler zwingen“ – Johan Bruyneel über den UAE-Schlüssel am Tourmalet und um Vingegaard zu schlagen

Radsport
Donnerstag, 09 Juli 2026 um 12:15
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Die Vorschau auf die sechste Etappe der Tour de France dominierte die Diskussion in THE MOVE, wo Johan Bruyneel und Spencer Martin den ersten großen Test für die Klassementfahrer sezierten.
Mit dem Col d’Aspin und dem Tourmalet als Schlüsselhindernissen vor einer langen Abfahrt und einem sanften Anstieg ins Ziel waren sich beide in Lance Armstrongs Podcast einig, dass der Tag die erste große Selektion bringen wird, auch wenn er die Tour wohl nicht endgültig entscheidet.
Ein Name rückte besonders in den Fokus: Isaac del Toro. Bruyneel und Martin trauen dem Mexikaner zu, eine von UAEs schärfsten taktischen Waffen zu sein – vor allem, wenn Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar sich erneut eng bewachen. Wir werden sehen, ob es spürbare Veränderungen im Gesamtklassement gibt.
„Wenn das Rennen taktisch wird, gibt es immer die Option zu sagen: ‚Isaac del Toro attackiert. Was macht ihr jetzt?‘“, skizzierte Spencer Martin mögliche Etappenszenarien.
Für den US-Analysten macht genau diese Möglichkeit den jungen Mexikaner zu einem strategischen Trumpf, den kein anderes Team aufbieten kann.

Bruyneel erwartet Aktionen von Visma

Johan Bruyneel glaubt, dass Visma–Lease a Bike nicht passiv fahren kann, und erwartet, dass die niederländische Mannschaft eine bewährte Strategie wieder aufgreift: „Ich denke, Visma wird versuchen, Fahrer in die Gruppe des Tages zu schicken“, erklärte er.
Der Belgier erinnerte an die Tour-Etappe, auf der Wout van Aert in die Gruppe ging, den Tourmalet als Erster überquerte und nach der Abfahrt Jonas Vingegaard unterstützte. „Ich erwarte etwas Ähnliches“, fügte er an.
Er geht jedoch davon aus, dass UAE dieses Szenario auf dem Radar hat: „Die Frage ist, ob UAE das zulässt. Wahrscheinlich nicht.“
Isaac Del Toro und Tadej Pogacar, Etappe 2 Tour de France 2026
Tadej Pogacar ist der beste Radfahrer der Welt

Pogacar bleibt der klare Favorit

Trotz aller taktischen Unwägbarkeiten führt für Bruyneel an Tadej Pogacar als Topkandidat kein Weg vorbei: „Ich würde an seiner Stelle nicht attackieren“, räumte er ein.
Der einstige Sportdirektor argumentiert, der Slowene müsse auf einem Kurs, der nach einer langen Abfahrt in einen stetigen Anstieg mündet, kein Risiko nehmen. Selbst wenn Pogacar Vingegaard am Tourmalet distanziert, blieben viele günstige Kilometer für eine Regruppierung.
Stattdessen sieht er beim Weltmeister einen anderen, schwer zu neutralisierenden Vorteil: „Er ist der Schnellste von allen. Er hat die beste Beschleunigung.“
Er stellt sich daher ein Finale vor, in dem Pogacar bis in die letzten Meter wartet, kurz anzieht und ein paar Sekunden samt Bonifikationen einsammelt.

Del Toro, die perfekte Alternative

Spencer Martin hingegen traut Isaac del Toro den Etappensieg zu. Nicht, weil er ihn stärker als Pogacar sieht, sondern wegen der taktischen Optionen im Team: „Wenn alle anfangen, sich gegenseitig zu decken, kann Del Toro attackieren.“
Der Amerikaner entwickelte das Szenario weiter: Pogacar und Vingegaard belauern sich, während der Mexikaner eine Lücke reißt. „Jagen sie ihn und erledigen Pogacars Arbeit – oder lassen sie ihn fahren?“, fragte er.
Bruyneel räumte ein, dass dieses Szenario absolut realistisch ist. „Das ist eine gute Alternative“, antwortete er. Zudem bescheinigte er Del Toro Vorteile gegenüber anderen Youngstern wie Paul Seixas: „Er ist schneller als er.“
Für den Belgier hätte der Mexikaner im direkten Sprintduell im Finale klare Vorteile.
Bruyneel erwartet, dass die Härte des Tourmalet die Favoritengruppe auf sehr wenige Fahrer reduziert: „Da bleiben drei, vier oder fünf übrig. Nicht mehr“, prognostizierte er.
So werde sich zeigen, wer wirklich bereit ist, um das Podium zu kämpfen – und wer anfängt, spürbar Zeit zu verlieren. Zwischen Pogacar und Vingegaard erwartet er keine riesigen Abstände, andere große Namen könnten jedoch leiden.
„Ich schließe nicht aus, dass Remco oder Ayuso Zeit verlieren.“
Ein schwacher Tag in diesem ersten großen Bergtest könne ihre Ambitionen für den weiteren Verlauf der Tour stark beschädigen, so der Belgier.
Pogacar und Evenepoel bei der Tour
Tadej Pogacar und Remco Evenepoel bei der Tour de France.

Hitze, ein weiterer großer Gegner der Tour

Auch die enorme Wirkung der hohen Temperaturen war Thema. Bruyneel nannte eindrückliche Zahlen zur Arbeit der Teams gegen die Hitze: „Ein Team verbraucht pro Etappe zwischen 250 und 300 Flaschen und rund 100 Kilo Eis pro Tag.“
Er erklärte, neue Forschung zeige, dass das Senken der Kerntemperatur die Leistung deutlich steigert. Zugleich warnte er: „Meine Sorge ist, dass so viel Kälte am Ende zu Erkältungen oder Halsschmerzen führt.“
Er erinnerte sogar an eine kuriose Gewohnheit von Miguel Indurain in seinen Dominanzjahren. „Er ließ im Teambus die Klimaanlage nie einschalten.“
Bei aller Anerkennung moderner Methoden glaubt Bruyneel, dass das Gleichgewicht zwischen Kühlung und Gesundheit in den kommenden Wochen ein Schlüsselfaktor bleibt. Zum Abschluss waren sich beide einig, dass die sechste Etappe die Tour de France nicht entscheiden wird, aber einen Wendepunkt markiert.
„Ich glaube nicht, dass die Tour morgen gewonnen wird“, sagte Bruyneel. Eine wichtige Einschränkung fügte er hinzu: „Es wird definitiv Fahrer geben, die Zeit verlieren, die sie nicht mehr aufholen.“
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