INTERVIEW | „Der Arzt wollte mich nicht weiterfahren lassen“ – Santiago Buitrago schildert höllische Tage nach dem Sturz bei der Tour de France
Radsport
Santiago Buitrago ist einer der Anführer bei Bahrain – Victorious und hat im Gespräch mit CyclingUpToDate verraten, dass der Giro d’Italia sein Hauptziel für die Saison 2026 sein wird. Der Kolumbianer nimmt Abstand von der Tour de France, obwohl er weiß, dass die Strecke ihm am besten liegt, und schildert den Sturz bei der diesjährigen Grand Boucle, der seine zweite Saisonhälfte entgleisen ließ.
Buitrago wurde Zehnter bei der Tour de France 2024 und startete die Saison 2025 mit einem Sieg bei der Volta a Comunitat Valenciana, als er João Almeida auf Straßen schlug, auf denen viele der besten Kletterer der Welt den Winter über trainieren und Rennen fahren. Ein vielversprechender Auftakt für den Kolumbianer.
„Nun, ja, ich habe das Jahr sehr gut begonnen. Ich wollte es sehr gut beginnen. Ich mag es immer, stark ins Jahr zu starten. Es wird immer schwieriger zu gewinnen. Es wird immer schwieriger, ein gutes Ergebnis in einem Rennen zu holen, und ich wollte es von Anfang an schaffen“, sagte er bei CyclingUpToDate. „Dann hatte ich wieder meinen Sturz bei Paris–Nizza, bei dem ich mir viel wehgetan habe. Danach habe ich versucht, wieder in Form zu kommen. Ich bin ein wenig rückwärts gegangen, ich habe mich nicht gut erholt…“
Im März begann es zu bröckeln: Ein Sturz bei Paris–Nizza nahm ihn aus dem Rennen und beeinträchtigte den restlichen Frühling. Ein sechster Platz beim Flèche Wallonne gab zwar Auftrieb, ein starkes Resultat, doch bei Lüttich–Bastogne–Lüttich, wo er zuvor schon auf dem Podium stand, konnte er nicht nachlegen.
„Dann bin ich nach Hause, um mich auf die Tour vorzubereiten. Ich habe mich bestmöglich vorbereitet, und ich bin in der Tour gestürzt – und alles lief rückwärts“, sagt er. Ein Jahr, geprägt von Stürzen. „Aber ich hatte viele Chancen, ich habe es versucht. An den Tagen, an denen ich mich wirklich gut fühlte, habe ich es probiert“, etwa auf der 16. Etappe zum Mont Ventoux, wo er Dritter wurde. „Es war ein hartes Jahr, aber ich bin froh, dass ich es durchgestanden habe“.
Der Sturz, der seinen Sommer entgleisen ließ
Auf der 7. Etappe der Tour nahm Buitragos Rundfahrt faktisch ein Ende. Vor dem Mûr-de-Bretagne kam es in einer Abfahrt zu einem Sturz mehrerer wichtiger Fahrer bei hohem Tempo. Buitrago gab nicht auf, war aber nicht mehr derselbe, während João Almeida und sein Teamkollege Jack Haig tatsächlich aufgeben mussten.
„Ich war in der Tour sehr gut unterwegs. Im Zeitfahren hatte ich nichts verloren. Ich war da, ich fühlte mich sicher. An dem Tag erinnere ich mich, dass ich mit Jack die letzten 10 Kilometer fuhr. Wir waren sehr schnell und ich stürzte sehr schwer“, erinnert er sich. „Sie fielen auf mich drauf, und ich hatte Prellungen an der Hüfte und am ganzen Rücken. Und ich habe mich nicht erholt. Ich habe mich Tag für Tag nicht erholt. Schlafen war sehr schlecht. Der Arzt wollte mich nicht weitermachen lassen“.
Doch Buitrago biss sich durch, um etwas aus einem Rennen mitzunehmen, auf das er sich monatelang vorbereitet und das ganze Jahr über fokussiert hatte. „Weil ich die Tour de France beenden wollte, weißt du? Ich hatte viel dafür getan und wollte nicht ohne Versuch nach Hause fahren.“ Wie gesagt, es gab Etappen, in denen ich es probiert habe, aber dieses Jahr war es hart. Ich konnte die Tour beenden. Es wäre klüger gewesen, nach Hause zu fahren, mich zu erholen und zurückzukommen. Aber so lief das Jahr“.
Anschließend fuhr er auch die Vuelta a España, hatte aber nicht mehr Glück. Ein vierter Platz auf der 15. Etappe nach Monforte de Lemos aus der Gruppe des Tages war sein bestes Resultat. „Nun, es war auch eine Entscheidung von mir. Ich bin mit einer freien Rolle zurückgegangen, mit dem Auftrag, auf eine Etappe zu gehen. Und so war es. Ich wollte Etappen versuchen. Ich war immer nah dran, aber ich habe nicht gewonnen“.
Giro d’Italia Hauptziel für 2026
Nach zwei Jahren Tour-Vorbereitung kehrt Buitrago 2026 zum Giro d’Italia zurück. „Nächstes Jahr werde ich den Giro d’Italia fahren. Wir schauen uns das mit dem Team an. Und es ist meine große Wette für nächstes Jahr.“ Er erläutert das Warum – obwohl er weiß, dass die Tour-Strecke mit einem kurzen, welligen Zeitfahren ihm mehr entgegenkommt als das lange, flache Einzelzeitfahren in Massa beim Giro.
„Ja, ich habe mich für den Giro entschieden, weil es zwei Jahre zur Tour ging. Und die Wahrheit ist, dass es jedes Jahr komplizierter wird. Am Ende, wenn du auf die Tour setzt, ist es wie das einzige Ziel im Jahr und es nimmt dir viel von dem, was vom Rest der Saison bleibt. Also, nein, ich ziehe den Giro vor.“ Buitrago will seine Optionen für die zweite Saisonhälfte offen halten. Für die erste steht sein Programm bereits.
„Für den Moment weiß ich, dass ich beim Tour Down Under starte. Dann gehe ich zurück nach Kolumbien für die Landesmeisterschaften. Und in Europa komme ich zurück für Tirreno–Adriatico, Volta a Catalunya… Und von dort zum Giro.“ Wie die meisten Klassementfahrer wird er vor dem Corsa Rosa ein Höhentrainingslager einlegen und kein Rennen bestreiten – zumindest ist das der aktuelle Plan.
„Ich weiß, dass die Tour-Strecke dieses Jahr besser für mich wäre, aber ich will beim Giro gut sein. Es gibt ein sehr langes Zeitfahren mit 40 Kilometern. Aber nein, wir innovieren viel mit dem Team, ich denke, es gibt viel Gebirge. Und ich glaube, dass wir das Ziel, das wir mit dem Team haben, ohne Probleme erreichen können“.

Buitrago zählt 2026 beim Giro d’Italia zu den Gesamtwertungskandidaten. @Sirotti
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Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Radsportaktuell.de und berichtet über den professionellen Radsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Liveblogs zu wichtigen Renntagen und Etappen, bei denen er das Geschehen in Echtzeit begleitet und Ergebnisse sowie taktische Entwicklungen fortlaufend einordnet. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um Teams, Fahrer und den Rennkalender.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattformen vernetzt, darunter Nicolas Gayer und Oliver Ried. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
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- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026








