„Im letzten Kilometer dachte ich, dass es klappen könnte“: Riejanne Markus verpasst Tour-Coup erst 500 Meter vor dem Ziel

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 02 August 2026 um 21:30
Riejanne Markus speaking to the media at the 2026 Tour de France Femmes
Riejanne Markus hat nach ihrer beeindruckenden Soloflucht auf der 2. Etappe der Tour de France Femmes 2026 eingeräumt, zwischenzeitlich an einen spektakulären Etappensieg geglaubt zu haben. Die Fahrerin von Lidl – Trek wurde nach einem 39 Kilometer langen Alleingang erst 500 Meter vor dem Ziel in Genf vom Feld eingeholt.
Rund 40 Kilometer vor dem Ziel hatte Markus die entscheidende Attacke gesetzt und sich zeitweise einen Vorsprung von etwa einer Minute erarbeitet. Auf einer Etappe, die klar den Sprinterinnen um Lorena Wiebes entgegenkam, zwang sie Team SD Worx – Protime damit zu einer kräftezehrenden Verfolgungsjagd.

Markus bringt SD Worx an den Rand einer Niederlage

Selbst fünf Kilometer vor dem Ziel lag Markus noch rund 30 Sekunden vor dem Feld. Der Vorsprung war groß genug, um Team SD Worx – Protime zu einer All-in-Offensive zu zwingen. Eine Helferin nach der anderen musste sich in der Nachführarbeit aufreiben, ehe schließlich sogar Weltmeisterin Lotte Kopecky in die Verfolgung eingriff. Dadurch war Lorena Wiebes im Finale auf sich allein gestellt und musste den Sprint ohne ihren gewohnten Anfahrzug bestreiten.
Dass sie auf einer klassischen Sprintetappe überhaupt so lange an der Spitze bleiben würde, überraschte Markus selbst.
„Ich denke schon, ja, ein bisschen“, sagte sie gegenüber WielerFlits auf die Frage, ob ihre Leistung Glückwünsche verdiene. „Wenn man bei einer Sprintetappe so knapp dran ist, ist das gratulationswürdig. Ich hatte selbst nicht erwartet, so nah ranzukommen.“
Noch zehn Kilometer vor dem Ziel betrug ihr Vorsprung rund eine Minute. Markus wusste jedoch, dass selbst dieses Polster gegen ein im Finale immer schneller werdendes Peloton keineswegs eine Erfolgsgarantie war – insbesondere nach fast 40 Kilometern im Alleingang.
„Zehn Kilometer vor dem Ziel, als ich noch eine Minute hatte, war mir klar, dass es sehr eng wird“, erklärte sie. „Das Peloton bringt im Finale einfach so viel Geschwindigkeit. Wenn man 40 Kilometer allein vorne fährt, weiß man, wie schwer es wird.“
Als Team SD Worx – Protime seine letzten verbliebenen Kräfte mobilisierte, schmolz der Vorsprung der Niederländerin zunehmend. Dennoch passierte Markus die Flamme Rouge noch als Führende.
„Im letzten Kilometer dachte ich vielleicht einmal, dass es klappen könnte“, gab sie zu. „Ich kam nah dran, aber es war am Ende ein kleines Stück zu weit.“
Erst rund 500 Meter vor dem Ziel wurde Markus schließlich eingeholt. Kurz darauf sprintete Lorena Wiebes zu ihrem zweiten Etappensieg in Folge und gleichzeitig zum rekordträchtigen siebten Erfolg bei der Tour de France Femmes.

Auszeichnung als kämpferischste Fahrerin

Für ihren couragierten Auftritt wurde Markus nach der Etappe als kämpferischste Fahrerin ausgezeichnet. Mit ihrer langen Soloflucht hatte sie das stärkste Sprintteam des Rennens bis tief in das Finale von Genf unter Druck gesetzt und Team SD Worx – Protime alles abverlangt.
Auch wenn der große Coup letztlich ausblieb, stimmt der Saisonstart die Niederländerin optimistisch.
„Ich fühle mich wirklich gut“, sagte Markus. „Wir haben an beiden Tagen etwas probiert. Es hat nicht funktioniert, aber wir machen weiter. Wer weiß, vielleicht kommen wir wieder nah dran.“
Am Ende wurde Markus nach ihrem 39 Kilometer langen Soloangriff zwar nur auf Rang 76 der Etappenwertung geführt. Zwischen einer der spektakulärsten Fluchten der diesjährigen Tour de France Femmes und einem denkwürdigen Etappensieg lagen letztlich jedoch nicht mehr als 500 Meter.
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