„Ich wollte deutlich machen, dass wir nicht wegen eines Vorfalls gestern gewonnen haben“ – Demi Vollering krönt sich erneut zur Königin der Tour de France Femmes

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 09 August 2026 um 19:57
Demi Vollering TDFF interview after stage 9
Die Tour de France Femmes 2026 hat ihre Königin gekrönt – und drei Jahre nach ihrem ersten Triumph heißt sie erneut Demi Vollering. Die Fahrerin von FDJ United-SUEZ hatte das Gelbe Trikot erst am Vortag übernommen, doch beim großen Finale in Nizza begnügte sie sich keineswegs damit, ihren knappen Vorsprung zu verteidigen. Vollering setzte alles daran, die neunte Etappe im Alleingang zu gewinnen und damit sich selbst und der Radsportwelt zu beweisen, dass der umstrittene Vorfall auf Etappe 8 nicht über den Ausgang dieser Tour entschieden hatte.
Der letzte Renntag war für Vollering alles andere als eine Ehrenrunde. Mit lediglich acht Sekunden Vorsprung auf Kasia Niewiadoma-Phinney ging sie im Gelben Trikot auf die Schlussetappe. Ihr gegenüber standen ein starkes Canyon//SRAM und jene Rivalin, die sie erst wenige Tage zuvor am Mont Ventoux deutlich geschlagen hatte.

Vollering will jeden Zweifel am Tour-Sieg beseitigen

Die wiederholten Anstiege rund um Nizza verlangten den Fahrerinnen noch einmal alles ab und boten ein Terrain, das durchaus Niewiadoma-Phinney entgegenkommen konnte. Für Vollering ging es jedoch nicht darum, ihren Vorsprung lediglich abzusichern. Die Niederländerin wollte selbst Zeit gutmachen – und hatte dafür einen klaren Grund.
Demi Vollering in Aktion auf der Schlussetappe.
Demi Vollering setzt beim Finale in Nizza ein sportliches Ausrufezeichen: Im Gelben Trikot gewinnt sie die Schlussetappe solo und krönt sich zum zweiten Mal zur Gesamtsiegerin der Tour de France Femmes.
„Ich wollte deutlich machen, dass wir nicht wegen eines Vorfalls gestern gewonnen haben. Daran glaube ich nicht. Als Team haben wir es verdient, eine schöne Tour zu gewinnen, mit Demut und Stolz.“
Nach der achten Etappe war intensiv darüber diskutiert worden, welchen Einfluss Vollerings Attacke im Finale und die Taktik von FDJ United-SUEZ gegenüber Niewiadoma-Phinney auf den Kampf um Gelb gehabt hatten. Vollering wollte verhindern, dass diese Kontroverse am Ende das entscheidende Bild ihres Tour-Sieges prägen würde.
Am finalen Anstieg zum Col d'Eze bekam sie die Gelegenheit, ihre Antwort auf der Straße zu geben. Zunächst parierte Vollering die Beschleunigungen von Niewiadoma-Phinney, ehe sie selbst in die Offensive ging. Mit weiteren Attacken erhöhte sie den Druck so lange, bis ihre Rivalin schließlich nicht mehr folgen konnte.
In der anschließenden Abfahrt nach Nizza kannte Vollering kein Zurück mehr. Sie setzte sich immer weiter ab und fuhr schließlich mit mehr als einer Minute Vorsprung zum Solosieg auf der Schlussetappe – und gleichzeitig zu ihrem zweiten Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes.
Für Vollering bedeutete dieser Erfolg jedoch mehr als einen weiteren großen Titel in ihrer Karriere.
„Es ist nicht nur der Traum, hier im Gelben Trikot zu gewinnen und eine zweite Tour zu holen. Es ist der Traum, dieses Leben führen zu dürfen und hart mit Menschen zu arbeiten, die so viel Leidenschaft haben.“

Vollering schlägt nach den Problemen am Mont Ventoux zurück

Zu Beginn der Rundfahrt hatte Vollering zunächst Pauline Ferrand-Prevot besonders im Blick. Nach dem Zeitfahren entwickelte sich Marlen Reusser zur größeren Gefahr. Erst an den brutalen und unerbittlichen Rampen des Mont Ventoux kristallisierte sich schließlich Niewiadoma-Phinney als ihre entscheidende Rivalin im Kampf um den Gesamtsieg heraus.
An jenem Tag war die Taktik vor allem auf Reusser ausgerichtet gewesen – und Niewiadoma-Phinney nutzte die Situation, um Vollering in der Gesamtwertung zu überholen.
„Das ist Sport. Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du. Manchmal triffst du die richtige Entscheidung und manchmal machst du einen Fehler.“
Im entscheidenden Finale der Tour zeigte Vollering jedoch genau jene Konstanz und Stärke auf unterschiedlichen Anstiegen und verschiedenstem Terrain, die sie letztlich zur stärksten Gesamtklassementfahrerin dieser Rundfahrt machten.
Mit ihrem zweiten Triumph bei der Tour de France Femmes hat die Europameisterin eines ihrer großen Ziele erreicht. Dass damit ihr Ehrgeiz gestillt wäre, ist allerdings nicht zu erwarten. Vielmehr blickt Vollering bereits auf weitere Herausforderungen – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Radsports.
„Ich habe noch so viele Träume, auf und neben dem Rad.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading