Radsport-WM 2026 in Montréal – Einzelzeitfahren: Vorschau, Streckenprofil, Favoriten und Prognosen – Verteidigen Remco Evenepoel und Marlen Reusser ihre Titel?

Radsport
Freitag, 18 September 2026 um 12:54
Remco Evenepoel gewann die Weltmeisterschaften 2025 im Männer-Elite-Einzelzeitfahren in Kigali
Am 20. September beginnen in Montréal die Weltmeisterschaften mit den Einzelzeitfahren der Männer und Frauen. Zwei neue Regenbogentrikots gegen die Uhr werden vergeben. Wir blicken unten auf das Profil.
In beiden Elitefeldern wurde der Wettbewerb erstmals 1994 ausgetragen. Die Amerikanerin Karen Brems-Kurreck war die erste Siegerin und die erste von mehreren US-Fahrerinnen, die diesen Titel in der nun drei Jahrzehnte währenden Geschichte holten. Jeannie Longo gewann in den Anfangsjahren viermal; Emma Pooley eröffnete 2010 die britische Siegesserie.
In der Moderne triumphierten Annemiek van Vleuten, Ellen van Dijk und Chloé Dygert jeweils zweimal, ein Mix aus Topfahrerinnen mit ihren eigenen großen Momenten. Anna van der Breggen trug 2020 das Regenbogentrikot; Grace Brown gewann 2024. Zuletzt holte Marlen Reusser mit 34 Jahren ihren ersten Titel.
Bei den Männern holte 1994 der Brite Chris Boardman den Premierentitel, gefolgt vom Tour-de-France-Sieger Miguel Induráin im Jahr darauf. Mit Beginn des 21. Jahrhunderts prägten Dominatoren die Disziplin. Michael Rogers siegte von 2003 bis 2005; Fabian Cancellara gewann vier Ausgaben von 2006 bis 2010; Tony Martin dreimal in Serie von 2011 bis 2013 und erneut 2016; Rohan Dennis krönte sich 2019 und 2020.
Dieser Trend hält an, mit Filippo Ganna 2020 und 2021. Tobias Foss sorgte 2022 für eine Überraschung; seit 2023 gewann Remco Evenepoel jede Ausgabe.
Remco Evenepoel gewann die Weltmeisterschaften 2025 im Männer-Elite-Einzelzeitfahren in Kigali
Remco Evenepoel gewann die Weltmeisterschaften 2025 im Männer-Elite-Einzelzeitfahren in Kigali

Vorschau Einzelzeitfahren der Männer bei der Radsport-WM 2026

Die Strecke ist mit 39 Kilometern lang und bis auf die letzten 500 Meter nahezu komplett flach. Doch gerade dieses Finale sollte keinesfalls unterschätzt werden. Nach einem derart langen und harten Kampf gegen die Uhr können diese letzten 500 Meter durchaus noch den Unterschied ausmachen. Die Fahrer müssen sich deshalb unbedingt noch einige Reserven für den Schluss aufsparen.
Remco Evenepoel geht als dreimaliger Titelverteidiger und großer Favorit in das Rennen. Seine Bilanz im Zeitfahren ist auch in diesem Jahr wie erwartet nahezu makellos und der Belgier dürfte sich kaum noch daran erinnern können, wann er zuletzt in einem Kampf gegen die Uhr bezwungen wurde. Angesichts der Form, die Evenepoel bereits in der vergangenen Woche in Kanada gezeigt hat, führt bei der Favoritenfrage kaum ein Weg an ihm vorbei.
Auf einer derart schnellen Strecke sind Überraschungen allerdings keineswegs ausgeschlossen. Auf dem Papier kommt der Kurs vor allem jenen Fahrern entgegen, die über einen langen Zeitraum extrem hohe Geschwindigkeiten halten können – also den klassischen Zeitfahrspezialisten und körperlich stärkeren Fahrern. Evenepoel mag der Favorit sein, doch angesichts der Anwesenheit von Filippo Ganna darf er sich seines Sieges keineswegs sicher sein. Der Italiener deklassierte Anfang des Jahres beim Giro d'Italia auf einer ähnlich langen Strecke die Konkurrenz.
Der Kampf um den Sieg dürfte sich vor allem zwischen diesen beiden Fahrern abspielen, doch auch Stefan Küng darf keinesfalls vergessen werden. Der Schweizer gewann das wichtigste Zeitfahren der anderen Grand Tour und scheint derzeit vielleicht sogar in der Form seines Lebens zu sein. Nach einem unterbrochenen Saisonverlauf ging Küng deutlich frischer in das letzte Saisondrittel und gewann zuletzt sowohl bei der Tour de Pologne als auch bei der Vuelta das Einzelzeitfahren. Genau wie Ganna liegen ihm lange und flache Zeitfahren besonders gut.
Auch der ehemalige Weltmeister Tobias Foss ist als weiterer Fahrer von INEOS nicht zu unterschätzen. UAE ist mit Brandon McNulty, Ivo Oliveira, Mikkel Bjerg und Isaac del Toro stark vertreten, während Decathlon mit Paul Seixas und Daan Hoole zwei weitere interessante Namen ins Rennen schickt.
Die Briten Callum Thornley und Ethan Hayter wollen den Schwung aus der Vuelta mitnehmen, während U23-Weltmeister Jakob Söderqvist ebenfalls ein Kandidat für die Medaillen sein könnte, wenn er an seine besten Leistungen anknüpfen kann. Auch Bruno Armirail, Alec Segaert, Iván Romeo, Pablo Castrillo, Andreas Leknessund, Matteo Sobrero, Rune Herregodts und Nelson Oliveira gehören zu den Fahrern, die man im Auge behalten sollte.

Prognose Einzelzeitfahren der Männer bei der Radsport-WM 2026:

*** Remco Evenepoel
** Filippo Ganna, Stefan Küng
* Tobias Foss, Mathias Vacek, Mikkel Bjerg, Daan Hoole, Brandon McNulty, Paul Seixas, Ivo Oliveira, Callum Thornley, Ethan Hayter, Jakob Söderqvist
Tipp: Remco Evenepoel

Vorschau Einzelzeitfahren der Frauen bei der Radsport-WM 2026

Marlen Reusser holte sich im vergangenen Jahr in Kigali den WM-Titel, doch diesmal wartet eine völlig andere Herausforderung auf die Schweizerin. Die Strecke ist größtenteils flach und mit 39 Kilometern ausgesprochen lang. Ihre Kletterqualitäten kann Reusser in Montréal kaum ausspielen, dafür bekommt sie es unter anderem mit Zoe Bäckstedt zu tun. Bei einem kürzeren, aber ebenfalls flachen Zeitfahren der Tour de Suisse Women waren die beiden in diesem Jahr der Konkurrenz deutlich überlegen.
Auch das Zeitfahren der Tour de France Femmes war mit Blick auf die Weltmeisterschaft ein wichtiger Gradmesser. Auf der 21 Kilometer langen Strecke gewann Reusser, doch Bäckstedt musste sich dort noch zwei weiteren Fahrerinnen geschlagen geben: den Niederländerinnen Demi Vollering und Lieke Nooijen. Beide könnten auf diesem Kurs eine große Gefahr darstellen und gehören zu den Kandidatinnen auf das Regenbogentrikot.
Die enorme Länge des Kurses könnte einigen Fahrerinnen allerdings entgegenkommen, während andere mit der körperlichen und mentalen Belastung eines derart langen Einzelzeitfahrens zu kämpfen haben könnten. Die Tagesform dürfte deshalb eine besonders wichtige Rolle spielen.
Elisa Longo Borghini, Lotte Kopecky, Antonia Niedermaier, Katrine Aalerud, Cédrine Kerbaol, Juliette Berthet, Kristen Faulkner, Franziska Koch, Paula Blasi und Dominika Włodarczyk gehören allesamt zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidatinnen.

Prognose Einzelzeitfahren der Frauen bei der Radsport-WM 2026:

*** Marlen Reusser
** Demi Vollering, Zoe Bäckstedt, Lieke Nooijen
* Lotte Kopecky, Elisa Longo Borghini, Juliette Berthet, Kristen Faulkner, Franziska Koch, Paula Blasi
Tipp: Marlen Reusser
Marlen Reusser GiroDonne 2025 Einzelzeitfahren
Marlen Reusser GiroDonne 2025 Einzelzeitfahren

Profil Montréal Weltmeisterschaften Einzelzeitfahren 2026 

Profil des Männer- und Frauen-Einzelzeitfahrens der Weltmeisterschaften Montréal 2026
Montreal – Montreal, 39 Kilometer 
Das Elite-Einzelzeitfahren der Männer und Frauen führt über dieselbe Strecke. Sie misst 39 Kilometer, ein kräftiger Aufwand, überwiegend flach durch die Straßen in und um die kanadische Metropole Montréal.
Der Start erfolgt am Fuß der Avenue du Parc, von dort geht es Richtung Old Montréal. Der erste Zeitnahmepunkt, der früh zentrale Hinweise auf den Rennverlauf liefert, liegt nach 10,5 Kilometern an der Rue Estacade du Pont Champlain.
Anschließend warten einige sehr windanfällige Kilometer direkt am Wasser, bevor es auf den Circuit Gilles Villeneuve auf der Île Notre-Dame geht. Der zweite Zwischenzeitpunkt befindet sich am Eingang zur Rennstrecke bei Kilometer 21,5.
Nach der Passage des berühmten Kurses verlassen die Fahrerinnen und Fahrer den Circuit und steuern zurück nach Montréal. Auf der Place Jacques-Cartier, bei Kilometer 29,5, liegt der dritte Zwischenzeitpunkt. Die letzten Kilometer führen durch die urbanen Straßen Montréals zurück in Richtung Mount Royal.
Der Zieleinlauf liegt an der Avenue du Parc unweit des Starts, diesmal jedoch am oberen Ende der Allee. Die finalen 400 Meter weisen 6 % Steigung auf, wodurch im dramatischen Anlauf auf die Linie noch Sekunden gewonnen oder verloren werden können.

Siegerliste Weltmeisterschaften Einzelzeitfahren Männer und Frauen 

Jahr1.2.3.
2025 Remco Evenepoel Jay Vine Ilan Van Wilder
2024 Remco Evenepoel Filippo Ganna Edoardo Affini
2023 Remco Evenepoel Filippo Ganna Joshua Tarling
2022 Tobias Foss Stefan Küng Remco Evenepoel
2021 Filippo Ganna Wout van Aert Remco Evenepoel
2020 Filippo Ganna Wout van Aert Stefan Küng
2019 Rohan Dennis Remco Evenepoel Filippo Ganna
2018 Rohan Dennis Tom Dumoulin Victor Campenaerts
2017 Tom Dumoulin Primož Roglič Chris Froome
2016 Tony Martin Vasil Kiryienka Jonathan Castroviejo
2015 Vasil Kiryienka Adriano Malori Jérôme Coppel
2014 Bradley Wiggins Tony Martin Tom Dumoulin
2013 Tony Martin Bradley Wiggins Fabian Cancellara
2012 Tony Martin Taylor Phinney Vasil Kiryienka
2011 Tony Martin Bradley Wiggins Fabian Cancellara
2010 Fabian Cancellara David Millar Tony Martin
2009 Fabian Cancellara Gustav Erik Larsson Tony Martin
2008 Bert Grabsch Svein Tuft David Zabriskie
2007 Fabian Cancellara László Bodrogi Stef Clement
2006 Fabian Cancellara David Zabriskie Alexandr Vinokourov
2005 Michael Rogers José Iván Gutiérrez Fabian Cancellara
2004 Michael Rogers Michael Rich Alexandr Vinokourov
2003 Michael Rogers / David Millar Uwe Peschel Michael Rich
2002 Santiago Botero Michael Rich Igor González de Galdeano
2001 Jan Ullrich David Millar Santiago Botero
2000 Serhiy Honchar Michael Rich László Bodrogi
1999 Jan Ullrich Michael Andersson Chris Boardman
1998 Abraham Olano Melchor Mauri Serhiy Honchar
1997 Laurent Jalabert Serhiy Honchar Chris Boardman
1996 Alex Zülle Chris Boardman Tony Rominger
1995 Miguel Induráin Abraham Olano Uwe Peschel
1994 Chris Boardman Andrea Chiurato Jan Ullrich
Jahr1.2.3.
2025 Marlen Reusser Anna van der Breggen Demi Vollering
2024 Grace Brown Demi Vollering Chloé Dygert
2023 Chloé Dygert Grace Brown Christina Schweinberger
2022 Ellen van Dijk Grace Brown Marlen Reusser
2021 Ellen van Dijk Marlen Reusser Annemiek van Vleuten
2020 Anna van der Breggen Marlen Reusser Ellen van Dijk
2019 Chloé Dygert Anna van der Breggen Annemiek van Vleuten
2018 Annemiek van Vleuten Anna van der Breggen Ellen van Dijk
2017 Annemiek van Vleuten Anna van der Breggen Katrin Garfoot
2016 Amber Neben Ellen van Dijk Katrin Garfoot
2015 Linda Villumsen Anna van der Breggen Lisa Brennauer
2014 Lisa Brennauer Hanna Solovey Evelyn Stevens
2013 Ellen van Dijk Linda Villumsen Carmen Small
2012 Judith Arndt Evelyn Stevens Linda Villumsen
2011 Judith Arndt Linda Villumsen Emma Pooley
2010 Emma Pooley Judith Arndt Linda Villumsen
2009 Kristin Armstrong Noemi Cantele Linda Villumsen
2008 Amber Neben Christiane Soeder Judith Arndt
2007 Hanka Kupfernagel Kristin Armstrong Christiane Soeder
2006 Kristin Armstrong Karin Thürig Christine Thornburn
2005 Karin Thürig Joane Somarriba Kristin Armstrong
2004 Karin Thürig Judith Arndt Zulfiya Zabirova
2003 Joane Somarriba Judith Arndt Zulfiya Zabirova
2002 Zulfiya Zabirova Nicole Brändli Karin Thürig
2001 Jeannie Longo Nicole Brändli Dori Ruano
2000 Mari Holden Jeannie Longo Rasa Polikevičiūtė
1999 Leontien Zijlard-van Moorsel Anna Millward Edita Pučinskaitė
1998 Leontien Zijlard-van Moorsel Zulfiya Zabirova Hanka Kupfernagel
1997 Jeannie Longo Zulfiya Zabirova Judith Arndt
1996 Jeannie Longo Catherine Marsal Alessandra Cappellotto
1995 Jeannie Longo Clara Hughes Kathryn Watt
1994 Karen Brems-Kurreck Anne Samplonius Jeannie Longo
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