„Eine Gegnerin wie Demi motiviert mich, noch stärker zu werden“ – Niewiadoma-Phinney akzeptiert Niederlage bei der Tour

Radsport
durch Nic Gayer
Sonntag, 09 August 2026 um 20:03
Demi Vollering und Kasia Niewiadoma am Col d’Èze.
Kasia Niewiadoma-Phinney gehörte zu den großen Protagonistinnen der Tour de France Femmes 2026. Am Mont Ventoux feierte die Polin einen beeindruckenden Sieg, im Kampf um den Gesamterfolg musste sie sich jedoch mit Rang zwei begnügen. Ihre Angriffe auf der neunten und letzten Etappe reichten nicht aus, um Demi Vollering das Gelbe Trikot noch abzunehmen.
Canyon//SRAM ging mit einem klaren Plan in den entscheidenden Renntag – und zunächst schien dieser aufzugehen. Bereits auf der zweiten Auffahrt zum Col d'Eze schlug Zoe Bäckstedt ein enorm hohes Tempo an und sprengte damit die Gruppe der Favoritinnen. Bei der dritten Passage hielt sich Antonia Niedermaier noch zurück, ehe die Führende der Nachwuchswertung am Schlussanstieg die Attacke ihrer Kapitänin vorbereitete.

Niewiadoma-Phinney findet keine Schwachstelle bei Vollering

Niewiadoma-Phinney hatte die Beine und den Mut, um den Kampf um Gelb noch einmal aufzunehmen. Gegen eine Vollering in Topform fand sie mit ihren Angriffen jedoch keine entscheidende Schwachstelle. Die Niederländerin hatte auf jede Beschleunigung eine Antwort und ließ sich nicht distanzieren.
Demi Vollering und Kasia Niewiadoma am Col d’Èze.
Kasia Niewiadoma-Phinney kämpfte auf der Schlussetappe noch einmal offensiv um das Gelbe Trikot, musste sich Demi Vollering am Ende aber geschlagen geben und beendete die Tour auf Rang zwei.
Niewiadoma-Phinney erkannte die Stärke ihrer großen Rivalin nach dem Zieleinlauf entsprechend an. „Eine Gegnerin wie Demi motiviert mich, noch stärker zu werden“, erklärte sie.
Nach den heftigen Wortgefechten im Anschluss an die achte Etappe suchte Niewiadoma-Phinney zudem das Gespräch mit FDJ United-SUEZ. Die Polin begab sich zum Teambus der französischen Mannschaft, um sich für ihre scharfen Aussagen gegen das Team zu entschuldigen.
Auf der Straße hatte sie zuvor alles versucht. Niewiadoma-Phinney attackierte Vollering mehrfach, doch jene Beine, mit denen sie am Mont Ventoux noch den entscheidenden Unterschied gemacht hatte, fehlten ihr diesmal.
Schließlich drehte Vollering den Spieß um und ging selbst in die Offensive. Niewiadoma-Phinney konnte dem Angriff nicht folgen und verlor bis zum Ziel in Nizza mehr als eine Minute auf die spätere Gesamtsiegerin.
Am Ende stand für die Polin der zweite Gesamtrang – dennoch ein starkes Podiumsergebnis nach einer Rundfahrt, die sie von Beginn bis zum Finale entscheidend mitgeprägt hatte. Mit dem Erreichten allein möchte sich Niewiadoma-Phinney allerdings nicht zufriedengeben. Ihr Blick richtete sich unmittelbar nach dem Ende der Tour bereits auf die nächsten Entwicklungsschritte.
„Die Tour ist vorbei, aber ich will meinem Trainer sofort schreiben, was wir ändern müssen und woran ich arbeiten soll.“

„Es ist so schön zu sehen, dass das Team an dich glaubt“

Besonders beeindruckt zeigte sich Niewiadoma-Phinney von der Unterstützung ihrer Mannschaft. In einer Phase, in der ihr Vertrag zwischen Canyon//SRAM und Lidl-Trek umkämpft ist, lieferte die neunte Etappe zugleich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, welchen Rückhalt sie bei ihrem aktuellen Team genießt.
Vor allem die Leistung von Bäckstedt sorgte bei Niewiadoma-Phinney für Begeisterung. Die Britin hatte mit ihrer Tempoarbeit am Col d'Eze selbst starke Kletterinnen unter erheblichen Druck gesetzt.
„Oh mein Gott. Ich weiß nicht, ob Zoe das weiß, aber sie ist offiziell eine Kletterin“, sagte Niewiadoma-Phinney mit einem Lächeln. „Sie hat es mir jedenfalls richtig schwer gemacht. Es war unglaublich.“
Gleichzeitig war es für Canyon//SRAM folgerichtig, Niedermaiers Führung in der Nachwuchswertung und damit das Weiße Trikot nicht vollständig für die Jagd nach Gelb zu opfern. Am entscheidenden Schlussanstieg stellte sich die deutsche Kletterin dennoch voll in den Dienst von Niewiadoma-Phinney und ging für ihre Kapitänin ins Risiko, während Paula Blasi unmittelbar dahinter die Gruppe der Klassementfahrerinnen jagte.
Zum Gesamtsieg reichte die gemeinsame Offensive letztlich nicht. Dennoch verließ Niewiadoma-Phinney Nizza mit großer Wertschätzung für die Arbeit ihrer Teamkolleginnen.
„Es ist so schön zu sehen, dass das Team an dich glaubt und voll auf dich setzt. Es ist sehr schön, Teil eines solchen Teams zu sein“, resümierte sie.
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