Vor dem Start der neunten und letzten Etappe der
Tour de France Femmes 2026 standen Kasia Niewiadoma-Phinney und Demi Vollering erneut im Mittelpunkt. Beide wurden zu jenem umstrittenen Zwischenfall des Vortages und ihren Einschätzungen dazu befragt – einer Szene, die den Ausgang der
Tour de France Femmes 2026 entscheidend geprägt haben könnte. Mit etwas Abstand zum emotionalen Finale bekräftigte Niewiadoma-Phinney ihre Haltung jedoch unmissverständlich.
„Nach der Etappe gab es viel Frust, aber rückblickend kann ich die Vergangenheit nicht ändern. Ich kann mich nur auf das konzentrieren, was noch kommt“, erklärte die Polin im Interview vor dem Start. Nachdem sie das Gelbe Trikot am Samstag verloren hatte, musste die Fahrerin von Canyon//SRAM die Ereignisse des Vortages zunächst verarbeiten.
„Ich weiß, wie es sich angefühlt hat“ – Niewiadoma-Phinney bleibt bei ihrer Kritik
Niewiadoma-Phinney wurde konkret darauf angesprochen, ob sie ihre Aussagen vom Vortag inzwischen anders bewerten würde. Am Fuß des Schlussanstiegs war es zu der kontrovers diskutierten Szene mit Celia Gery gekommen. Die Französin setzte Niewiadoma-Phinney zunächst unter Druck, reduzierte anschließend jedoch das Tempo, wodurch sich eine Lücke zu Vollering öffnete.
Kasia Niewiadoma-Phinney stellt Celia Gery nach dem umstrittenen Finale der achten Etappe zur Rede. Die Polin blieb auch am folgenden Tag bei ihrer Kritik an der FDJ-Taktik.
Im Ziel hatte die damalige Trägerin des Gelben Trikots emotional auf den Vorfall reagiert und die Taktik kritisiert, durch die an der steilen Rampe der erste Abstand zu Vollering entstanden war. Anschließend stellte Niewiadoma-Phinney Gery im Zielbereich zur Rede, wurde von der Fahrerin von FDJ United-SUEZ jedoch ignoriert.
Auch einen Tag später sah Niewiadoma-Phinney keinen Grund, ihre Einschätzung der Situation zu revidieren.
„Nein, ich war im Rennen, ich weiß, wie es sich angefühlt hat. Ich fahre seit Jahren, ich weiß, was funktioniert und was nicht. Ich denke mir nichts aus. Ich habe gesagt, was ich gefühlt habe, und daran hat sich nichts geändert“, stellte sie klar.
Gleichzeitig betonte die Polin, dass sie die Kontroverse nicht weiter anheizen wolle. Vor allem Vollerings sportliche Leistung möchte sie ausdrücklich von ihrer Kritik an der umstrittenen Situation trennen.
„Ich will kein Drama erzeugen, und mir ist bewusst, dass manche Dinge die Medien befeuern und größer gemacht werden. Am wichtigsten ist: Demi war sehr stark. Es ist ein Vergnügen, gegen sie zu fahren, weil wir uns gegenseitig pushen. Ich will ihr nichts wegnehmen. Ich will nur fair mit ihr kämpfen.“
Während sich der Großteil der Diskussion auf FDJ United-SUEZ und dessen Taktik konzentrierte, geriet auch Niewiadoma-Phinney selbst in die Kritik. In den sozialen Medien wurde insbesondere ihr Verhalten gegenüber Gery nach dem Zieleinlauf thematisiert.
Für Niewiadoma-Phinney sind diese Vorwürfe nur schwer nachzuvollziehen. Sie verweist darauf, dass Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld ihren Charakter und ihre grundsätzliche Haltung zu Konflikten kennen würden.
„Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich nicht nachtragend bin. Sie wissen, dass ich Streit nicht mag. Sie wissen: Wenn ich mich auf eine bestimmte Weise verhalte, habe ich Gründe dafür.“
Niewiadoma-Phinney will das Gelbe Trikot zurückerobern
Auf der neunten Etappe bietet sich Niewiadoma-Phinney nun die Gelegenheit, die sportliche Antwort auf der Straße zu geben. Bereits am Mont Ventoux hatte sie ihre Stärke eindrucksvoll demonstriert. Mit dem Col d'Eze wartet im Finale zudem die zweitlängste Belastung der gesamten Rundfahrt.
Das Peloton muss zunächst dreimal über die klassische Seite des Anstiegs fahren, ehe auf der letzten Runde mit dem härteren Col des Quatre Chemins die entscheidende Herausforderung wartet. Auf diesem Rundkurs könnte sich für Niewiadoma-Phinney die Gelegenheit ergeben, Vollering erneut zu distanzieren und die acht Sekunden aufzuholen, die sie vor dem Start der Schlussetappe von der Niederländerin trennen.
Dass der Kampf um das Gelbe Trikot noch längst nicht entschieden ist, steht für Niewiadoma-Phinney außer Frage. Gleichzeitig erwartet sie ein äußerst aggressives Finale, in dem nicht nur die beiden großen Favoritinnen alles riskieren dürften.
„Es wird sehr hart. Diese Tour war bereits schwierig und heiß. Weil es die Schlussetappe ist, werden nicht nur wir, sondern auch die anderen Teams alles riskieren.“