„Je härter das Rennen, desto besser für mich“ – Mathieu van der Poel will fehlenden Funk bei der Radsport-WM ausnutzen

Radsport
durch Nic Gayer
Freitag, 25 September 2026 um 11:15
Mathieu van der Poel
Über Mathieu van der Poel und seine Chancen auf den Sieg bei der Radsport-WM am kommenden Sonntag in Montreal wurde bereits viel diskutiert. Der Niederländer selbst hat inzwischen deutlich gemacht, worauf es für ihn ankommen wird. Van der Poel rechnet mit einem extrem schnellen Finale und möchte dabei insbesondere eine Besonderheit der Radsport-WM zu seinem Vorteil nutzen: den fehlenden Funkverkehr.
Der Fahrer von Alpecin - Premier Tech nutzte den Mittwoch, um den Kurs des GP de Montreal zu inspizieren, auf dem in diesem Jahr das Regenbogentrikot vergeben wird. Anders als zahlreiche seiner Konkurrenten hat Van der Poel bei diesem Rennen bislang keine eigenen Erfahrungen im Kampf um den Sieg gesammelt.

„Je härter das Rennen, desto besser für mich“

„Es lief ziemlich gut. Überraschungen gab es natürlich keine. Es ist ein schöner, aber harter Rundkurs. Meine erste Einschätzung hat sich bestätigt, wobei das beim GP de Montreal nicht schwer zu erkennen ist. Das habe ich gut eingeschätzt“, erklärte Van der Poel gegenüber Wielerflits.
Mathieu van der Poel bei der Radsport-WM 2024.
Mathieu van der Poel will bei der Radsport-WM in Montreal nach Instinkt fahren. Vor allem der fehlende Funk könnte dem Niederländer Möglichkeiten für eine clevere Attacke eröffnen.
Auf dem Papier bieten sich für den Niederländer zwei grundsätzlich unterschiedliche Herangehensweisen an. Einerseits könnte er frühzeitig attackieren und versuchen, von einem chaotischen Rennverlauf zu profitieren. Andererseits könnte er sich lange zurückhalten, möglichst viele Kräfte sparen und erst in den letzten beiden Runden in die Offensive gehen. Van der Poel selbst möchte sich jedoch nicht auf eine derart klare Schwarz-Weiß-Logik festlegen.
„Je härter das Rennen, desto besser für mich in den letzten 50 bis 70 Kilometern. Hohe Leistungen in zermürbenden Rennen über lange Zeit zu halten, war immer meine größte Stärke. Das öffnet viele mögliche Szenarien.“

Kein Funk spielt Van der Poel in die Karten

Klar ist allerdings, dass Van der Poel offensiv fahren möchte. Dabei könnte ihm insbesondere zugutekommen, dass bei der Radsport-WM keine Funkgeräte erlaubt sind. Gerade im Finale erschwert das den Fahrern erfahrungsgemäß, jederzeit einen präzisen Überblick über die aktuelle Rennsituation zu behalten – und könnte damit zusätzliche Möglichkeiten für überraschende Attacken eröffnen.
„Das ist das Schöne an den Weltmeisterschaften. Ohne Ohrstöpsel ist mehr möglich als beim regulären GP de Montreal. Darauf freue ich mich“, sagte Van der Poel und deutete damit an, dass eine frühzeitige Offensive durchaus zu seinen Optionen gehört.
Einen detaillierten Plan möchte sich der Niederländer vor dem Start dennoch nicht zurechtlegen. Stattdessen setzt er auf seine Intuition und will die jeweilige Rennsituation lesen.
„Ich fahre nach Instinkt, wie immer. Man kann hundert Szenarien durchspielen, aber am Sonntag tritt nur eines ein. Das mag ich an den Weltmeisterschaften – kein Funk. Das will ich zu meinem Vorteil nutzen. Hoffentlich mit einer cleveren Attacke.“

Van der Poel peilt dasselbe an wie Remco Evenepoel

Remco Evenepoel sicherte sich 2022 das Regenbogentrikot, ein Jahr später triumphierte Mathieu van der Poel. Damit sind die beiden in Montreal die einzigen realistischen Kandidaten, die ihren zweiten Titel gewinnen können – und möglicherweise werden sie dabei auf ähnliche taktische Mittel zurückgreifen.
Für Van der Poel ist der Wunsch, erneut im Regenbogentrikot auf der Straße unterwegs zu sein, jedenfalls groß. „Es ist das schönste Trikot im Peloton. Hoffentlich darf ich es wieder tragen“, sagte der Niederländer. Einen Radsport-WM-Titel besitzt er derzeit bereits im Cyclocross.
Seinen letzten Renneinsatz vor der Radsport-WM absolvierte Van der Poel bei der Tour de Luxembourg. Dort feierte er nach einem 175 Kilometer langen Solo einen beeindruckenden Sieg und holte sich damit zusätzliches Selbstvertrauen für den großen Tag in Montreal.
Überbewerten möchte er diesen Erfolg mit Blick auf die bevorstehende Herausforderung allerdings nicht. „Natürlich zeigt das, dass die Form stimmt, aber die geforderte Belastung hier ist wirklich anders als am vergangenen Sonntag.“
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