„Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass Van der Poel da mithält“ – Zonneveld analysiert die Taktik der Niederlande und Belgiens bei der Radsport-WM
Radsport
Ist der Kurs der Radsport-WM in Montreal zu schwer für Mathieu van der Poel? Die Antwort darauf wird es am kommenden Sonntag geben. Der niederländische Radsport-Experte Thijs Zonneveld hat sich mit den Chancen seines Landsmanns beschäftigt und analysiert, mit welcher Taktik Van der Poel trotz des anspruchsvollen Profils um das Regenbogentrikot kämpfen könnte.
Als ausgewiesener Puncheur und Klassiker-Spezialist gehört Van der Poel unter den realistischen Anwärtern auf den Titel schließlich zu jenen Fahrern, denen lange und gleichmäßige Anstiege am wenigsten entgegenkommen. Genau diese könnten in Montreal jedoch zu einem entscheidenden Faktor werden.
Van der Poel muss mit seinen Kräften haushalten
Der GP de Montreal lieferte bereits einen Vorgeschmack darauf, wie schwierig es für Fahrer ohne ausgeprägte Kletterqualitäten werden könnte, sich auf diesem Terrain an der Spitze zu behaupten. Rund 3600 Höhenmeter auf 180 Kilometern versprechen ein zermürbendes Rennen, bei dem weniger kurze explosive Antritte als vielmehr lange und unrhythmische Belastungen gefragt sein dürften.

Mathieu van der Poel steht bei der Radsport-WM in Montreal vor einer taktischen Herausforderung: Auf dem schweren Kurs könnte eine frühe Offensive seine beste Chance sein.
Dabei ist Mathieu van der Poel womöglich der explosivste Fahrer im Kreis der Favoriten. Die entscheidende Frage lautet allerdings, ob und wie er genau diese Stärke auf einem derart anspruchsvollen Kurs zu seinem Vorteil nutzen kann.
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„Van der Poel muss die Reserven haben, das zwei- oder dreimal zu machen. Aber er muss diese Einsätze aufsparen“, erklärte Zonneveld im Podcast „In de Waaier“.
Anschließend bediente sich der Niederländer eines Vergleichs aus dem Kartenspiel, um Van der Poels Ausgangslage zu beschreiben: „Er hält drei Asse und eine Hand voller Neunen und Zehnen, während jemand wie Paul Seixas vier Könige, vier Damen und drei Buben hat. Das verändert das Spiel komplett.“
Für Van der Poel gibt es laut Zonneveld vor allem zwei Möglichkeiten, seine Kräfte möglichst effizient einzusetzen. Entweder fährt er lange konservativ und setzt auf einen finalen Showdown in der letzten Runde – oder er ergreift frühzeitig die Initiative und versucht, die Pläne jener Nationen zu durchkreuzen, die das Rennen kontrollieren wollen.
„Wenn er wartet, wird er stark vom Rennverlauf abhängig. Er könnte sehr defensiv fahren: nichts tun, wenn Evenepoel attackiert, nichts tun, wenn Van Aert attackiert. Einfach warten, warten ... und hoffen, dass er in den letzten zwei Runden bei Del Toro und Seixas bleibt.“
Doch genau darin sieht Zonneveld ein erhebliches Risiko: „Die Frage ist, ob das klug ist, denn du musst mithalten können. Wenn du das ganze Rennen wartest und Seixas in der vorletzten Runde geht und dich zwingt, dein letztes Ass zu ziehen, hast du in der Schlussrunde keine Chance.“
Der Anstieg zum Mount Royal mit einer Länge von 1,6 Kilometern und einer durchschnittlichen Steigung von sieben Prozent liegt für sich genommen durchaus im Bereich dessen, was Van der Poel hervorragend bewältigen kann. Dass dieser Anstieg jedoch zwölfmal gefahren werden muss und auch der restliche Kurs zahlreiche Schwierigkeiten bereithält, könnte dem Niederländer zum Verhängnis werden. Zonneveld gibt zu bedenken: „Außerdem zeigten die Resultate des GP Montreal nur Kletterer an der Spitze. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass Van der Poel da mithält.“
Van der Poel in der Offensive?
Damit rückt die zweite mögliche Taktik in den Fokus: ein früher Angriff. Wie auch im CyclingUpToDate-Podcast diskutiert wurde, könnte Van der Poel bereits früh die Offensive suchen und versuchen, eine Gruppe mit anderen Klassiker-Spezialisten zu bilden. Auf diese Weise könnte er den stärksten Kletterern zuvorkommen und sie dazu zwingen, deutlich früher als gewünscht Verantwortung zu übernehmen.
„Die andere Möglichkeit ist, dass er denkt: ‚Ich kann in den letzten zwei Runden ohnehin nicht mithalten, also muss ich antizipieren.‘ Ich muss so fahren, dass es auch auf den Übergangsstücken funktioniert, die französische und italienische Auswahl früh aufbrechen. Ein chaotisches Rennen, in dem man in der Abfahrt wegkommt und Seixas sowie Del Toro ihr Spiel zerstört.“
Dass Van der Poel für einen solchen offensiven Ansatz die nötige Form besitzt, deuteten seine beiden Siege bei der Tour de Luxembourg an. Dort stellte er sowohl seine Explosivität als auch seine derzeitige Stärke bei längeren, gleichmäßigen Belastungen unter Beweis. Für Zonneveld besteht dennoch kaum ein Zweifel daran, welche Variante der niederländische Kapitän bevorzugen dürfte.
„Wenn man hört, wie er über den Kurs spricht, weiß man ziemlich genau, was er tun wird. Er wird offensiv fahren, oder? Das versucht er ohnehin oft. Am besten ist er, wenn er das Rennen diktiert. Er wird eher Verbündeter von Evenepoel und Van Aert als von Seixas und Del Toro.“
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Wie fährt Belgien?
Zu den stärksten Nationen zählt bei der Radsport-WM auch Belgien, das mit Remco Evenepoel und Wout Van Aert gleich zwei hochkarätige Optionen besitzt. Die Belgier wollen ihre personelle Stärke ausspielen und könnten damit den ersten Titel seit Evenepoels Triumph in Wollongong 2022 anvisieren.
Zonneveld sieht dabei insbesondere die Zusammenarbeit der beiden Kapitäne als entscheidenden Faktor. „In jüngerer Vergangenheit sind die Belgier unklug gegen Pogacar gefahren. Ich hoffe, Evenepoel und Van Aert begreifen, dass sie die größten Verbündeten füreinander sind“, sagte der Niederländer. „Sie brauchen einander und ungefähr dasselbe Rennszenario. Denn Evenepoel ist zwei Kilo schwerer und kann am Berg nicht mithalten.“
Paul Seixas und insbesondere Isaac del Toro gehören für Zonneveld zu den stärksten Fahrern im Feld. In einem Rennen, das stark von taktischen Manövern und einer möglicherweise chaotischen Dynamik geprägt wird, muss die reine körperliche Stärke allerdings nicht zwangsläufig den Ausschlag geben.
„Im logischsten, klassischen WM-Szenario ist Del Toro der Favorit. Weil man ihn am Berg schlicht nicht loswird und er im Sprint der Schnellste ist. In einem chaotischen Szenario ist er aber am verwundbarsten, weil er auf alles reagieren muss. Und das ist extrem zehrend.“

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
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