„Ich wäre mental völlig gebrochen“ – Experten hinterfragen Victor Campenaerts’ virale Giro-d’Italia-Geste an den strauchelnden Arnaud De Lie

Radsport
Montag, 11 Mai 2026 um 19:00
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Arnaud de Lies schwieriger Start beim Giro d’Italia 2026 hat bereits eines der unangenehmeren Nebenthemen des Auftaktwochenendes produziert, und ein viraler Moment mit Victor Campenaerts hat die Diskussion weiter angeheizt.

Kranker Arnaud De Lies kämpft sich durch den Giro

Der Lotto-Intermarché-Sprinter reiste durch eine Krankheit geschwächt an und ist auf Terrain, das ihm in besserer Verfassung Chancen geboten hätte, früh in den Überlebensmodus gezwungen worden. Auf der 3. Etappe geriet De Lie erneut an einem Anstieg in Schwierigkeiten, was zu einem ungewöhnlichen Unterstützungsmoment durch Campenaerts führte.
Anstatt einer klassischen klebrigen Flasche vom Begleitfahrzeug half der Team Visma | Lease a Bike-Fahrer offenbar direkt von Fahrer zu Fahrer. De Lie reichte Campenaerts zunächst eine Flasche, bevor dieser sie später zurückgab und dem angeschlagenen Sprinter damit einen kleinen Schub gab, um im Rennen zu bleiben.
Für einige wirkte es wie eine noble Geste unter Fahrern. Für Eurosport-Analyst Bobbie Traksel trug der Moment jedoch eine deutlich härtere Note.

„Ich wäre mental komplett gebrochen“

„Das war mein Moment des Tages“, sagte Traksel in Eurosports Kop over Kop. „Eine klebrige Flasche. De Lie hat sich abgestellt. Erst gibt er die Flasche an Campenaerts, dann gibt er sie zurück. Das war wirklich ein demotivierender Moment.“
Jip van den Bos versuchte den Vorfall positiver zu deuten, nannte ihn „sehr lieb“ und „einen Gefallen unter Freunden“. Traksel war nicht überzeugt, dass er es im Rennen ebenso empfunden hätte. „Ich wäre mental komplett gebrochen“, sagte er.
Der Ex-Profi zog dann eine klare Linie zwischen Hilfe aus dem Auto und so sichtbarer Hilfe durch einen anderen Fahrer. „Wenn du eine klebrige Flasche vom Auto bekommst, denkst du noch: ah, nett“, führte Traksel aus. „Aber wenn du sie von einem Fahrer bekommst, und dann noch von einem anderen Team, dann würde ich mein Rad direkt an die Seite stellen. Wenn du so schlecht drauf bist, warum kommst du dann zum Giro? So kommst du da nicht durch.“

De Lies Giro wird früh zum Überlebenskampf

Diese Aussagen treffen einen größeren Punkt rund um De Lies Verfassung an den ersten Giro-Tagen. Er startete nicht in Vollbesitz seiner Kräfte, die Vorbereitung war bereits von Krankheit geprägt, und die frühen Etappen boten wenig Gelegenheit, sanft ins Rennen zu finden.
Das nasse, sturzreiche Finale der 2. Etappe hatte bereits gezeigt, wie fragil das Rennen für mehrere Fahrer geworden ist. Die 3. Etappe brachte für De Lie den nächsten schweren Tag, an dem er seine Kräfte erneut dosieren musste, statt wie ein führender Sprintkandidat aufzutreten.
Campenaerts’ Geste mag aus Sportsgeist erfolgt sein, doch die Reaktionen zeigen, wie schnell Mitgefühl bei einer Grand Tour in kritische Betrachtung umschlagen kann. In einem Rennen, in dem Schwäche selten lange verborgen bleibt, kann selbst ein Moment der Hilfe Teil der größeren Bewertung der Form werden.
Für De Lie ist die unmittelbare Aufgabe klar: den frühen Transfer nach Italien überstehen, regenerieren, wo es geht, und hoffen, dass die Form steigt, bevor sich neue Chancen bieten. Die Debatte um Campenaerts’ Geste sorgt jedoch bereits dafür, dass sein schwieriges Auftaktwochenende nicht unbemerkt bleibt.
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