„Ich hatte sofort ein schlechtes Gefühl“ – Analyst entschuldigt sich für scharfe Kommentare gegen Célia Gery

Radsport
Dienstag, 11 August 2026 um 11:15
Celia Gery
Demi Vollering setzte am Finalwochenende der Tour de France Femmes 2026 einen Doppelschlag und stürzte Kasia Niewiadoma-Phinney vom Thron. Ein Teil dieses Erfolgs geht auf das Konto ihrer Teamkollegin Célia Gery, die ihre niederländische Kapitänin auf Etappe 8 perfekt für den Angriff lancierte. Die Art und Weise sorgte jedoch online für einen Sturm der Entrüstung mit teils heftigen, mehrfach überzogenen Kommentaren.
Auf dem Anlauf zur finalen 400-Meter-Rampe einer ansonsten gnädig profilierten 8. Etappe war das Feld noch breit aufgestellt im Kampf um den Tagessieg. Gery übernahm an der Spitze Tempoarbeit für FDJ - SUEZ-Kapitänin Vollering, doch als die Strecke links in den Schlüsselanstieg bog, tauschten beide die Positionen. Vollering riss sofort eine Lücke zur Trägerin des Gelben Trikots, Niewiadoma-Phinney, die erst an Gery vorbei musste, bevor sie auf Vollerings Antritt reagieren konnte.
Obwohl sie die Lücke zunächst schloss, hielt Vollering den Druck hoch und brach die Polin kurz vor der Kuppe. Mit wachsendem Vorsprung übernahm Vollering das Gelbe Trikot. Und sie gab es auf der Schlussetappe nicht mehr her.
Zu den vielen, die Gerys Manöver als „sehr, sehr hässlich“ und „absichtlich“ brandmarkten, gehörte auch Ex-Profi Roxane Knetemann, die Gery im In Het Wiel-Podcast offen kritisierte.
Die Einordnung folgte jedoch rasch: Knetemann räumte umgehend ein, dass das Manöver zwar nicht völlig sauber gewesen sei, solche Rennsituationen aber nicht ungewöhnlich seien und die Welle des Hasses außer Verhältnis stehe.
„Nachdem wir den Podcast aufgezeichnet hatten, wurde mir klar, dass viele Hörerinnen und Hörer gedacht haben könnten, ich wolle mit diesen scharfen Worten, dass man Célia Gery zum Abschuss freigibt. Dabei hatte ich sofort ein schlechtes Gefühl, denn das war absolut nicht meine Absicht.“

Es ist nicht so, als hätte Gery ein Tabu gebrochen

Die Taktik des „Lochfallenlassens“ (zwei Teamkolleginnen fahren hintereinander, die Hintere nimmt kurz raus, um eine Lücke zur Vorderen zu reißen) ist zwar nicht flächendeckend verbreitet, gehört aber zum Repertoire vieler Teams. Insofern zielte Gery nicht auf Schaden ab, sondern auf einen taktischen Vorteil.
Dass Niewiadoma-Phinney schließlich an den Absperrungen eingeklemmt war, war zumindest teilweise ihr eigener Fehler: Sie wählte die Seite mit weniger Platz, um an Gery vorbei nach vorn zu kommen.
„So etwas passiert sieben- oder achtmal in einem Rennen, aber die Art, wie Gery mit der Trägerin des Gelben Trikots umging, empfand ich als respektlos. Es war nicht völlig zufällig, obwohl ich wirklich nicht glaube, dass sie sie in die Absperrungen fahren wollte. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Zugleich ist mir klar, dass Gery nun viel Unangenehmes abbekommt – und sie ist gerade erst 20.“
Natürlich sprangen einige (vor allem französische) Fans ihrer Nachwuchsfahrerin Gery zur Seite, wodurch Knetemann selbst Kritik einstecken musste. Wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß.
„Todesdrohungen habe ich zum Glück keine bekommen, aber einiges ist auch bei mir gelandet. Ich kann mir vorstellen, was so etwas mit einem 20-jährigen Mädchen macht. Das tut mir für sie wirklich leid, und sie hat es nicht verdient, denn sie ist eine absolut überragende Tour gefahren“, betonte Knetemann.
„Das Letzte, was ich wollte, war, es gegen sie persönlich zu richten – dafür sorgen schon genug andere. Ich finde, wir tragen eine Mitverantwortung für das, was passiert ist. Wir haben auch laut gesagt, sie habe es absichtlich gemacht, obwohl ich das nicht sicher wissen kann. Ich hoffe, wir waren nicht zu hart zu Gery. Wir wollen Fahrerinnen nie schaden.“
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