Océane Mahé erlebte den bislang größten Tag ihrer Karriere, als sie auf der Auftaktetappe der
Tour de France Femmes das Bergtrikot eroberte. Hinter den Feierlichkeiten setzte die Französin jedoch auch ein starkes Zeichen für die gesundheitlichen Belastungen des Spitzensports und erklärte, sie habe aufgrund der Anforderungen des Leistungssports seit drei Jahren keine Menstruation mehr.
Ein Traumdebüt bei der Tour
Mahé startete unvergesslich in ihre erste
Tour de France Femmes, indem sie auf der Auftaktetappe rund um Lausanne die Fluchtgruppe besetzte und genügend Bergpunkte sammelte, um das begehrte gepunktete Trikot zu sichern.
Die 24-Jährige vom französischen ProTeam Ma Petite Entreprise räumte ein, dass der Erfolg ihre Erwartungen übertraf. „Es ist unglaublich. Es ist meine erste Tour de France, es ist die erste Etappe, es ist die erste Tour für das Team und ich bin so glücklich“, sagte sie laut
RMC Sport.
Das Ergebnis sendete auch ein starkes Signal im Hinblick auf ihr neu formiertes Team. „Wir zeigen, dass wir uns vor den großen Mannschaften nicht verstecken müssen. Dieses Trikot ist so ikonisch, es ist großartig. Ich glaube, ich werde mich oft im Spiegel anschauen.“
„Die ‚Allez, Océane!‘-Rufe … ich glaube, die anderen Frauen in der Flucht waren irgendwann genervt, weil alles für mich war. Es war fantastisch. Es standen überall Menschen an der Strecke. Keine Sekunde langweilig.“
Vor dem Start sprach Mahé zudem offen über die gesundheitlichen Folgen der extremen körperlichen Belastung im Profi-Radsport.
Das Thema Relative Energy Deficiency in Sport (RED-S) rückt im Frauenradsport zunehmend in den Fokus, eines der häufigen Symptome ist das Ausbleiben der Menstruation. Mahé berichtete, genau das nach erheblichem Gewichtsverlust erlebt zu haben. „Ich habe seit drei Jahren keine Periode mehr.“
Sie erklärte, das Problem spiegele die Beanspruchung wider, der Körper im Spitzensport ausgesetzt ist. „Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht, aber wir wissen, dass wir als Leistungssportlerinnen unseren Körper enorm fordern. Wir zehren unsere Reserven auf und leider hat mein Hormonsystem vor etwas mehr als drei Jahren auf Stand-by geschaltet.“
Lorena Wiebes won the second stage of the Tour de France Femmes 2026
Karriereaufbau trotz finanzieller Hürden
Nachdem Arkéa-B&B Hôtels Ende der Saison 2025 aufgehört hatte, fand Mahé mit Ma Petite Entreprise eine neue Chance, ein besonderes Projekt, das von Hunderten Unternehmern finanziell getragen wird.
Trotz des Wettbewerbs auf höchstem Niveau ist ihre finanzielle Lage weiterhin überschaubar. „Mein Gehalt liegt dieses Jahr nur knapp über dem französischen Mindestlohn. Ich verdiene genau 1.550 € pro Monat.“
Unterstützt wird sie zusätzlich von der Familie und einem Ingenieurpraktikum. „Meine Eltern helfen mir noch ein wenig, vor allem bei der Miete. Außerdem bekomme ich eine Praktikumsvergütung, weil ich als Ingenieurpraktikantin in einem Unternehmen arbeite. Das gibt mir ein bisschen extra und macht es angenehmer.“
Auch ohne Teilnahme an der Tagesflucht der 2. Etappe verteidigte Mahé das Trikot, einen Punkt vor Anouska Koster. Die 3. Etappe wird für sie erneut entscheidend, denn es stehen vier kategorisierte Anstiege an.