Ruben Guerreiro zeigte sich überrascht, dass sein Name mit einer aus seiner Sicht haltlosen Geschichte in Verbindung gebracht wurde. Der Portugiese weist jegliche Unregelmäßigkeiten bei seinen Whereabouts oder im ADAMS-System entschieden zurück, in dem Profis ihre Aufenthaltsorte für die Anti-Doping-Behörden hinterlegen. Derzeit legt Guerreiro eine bewusste Pause vom Rennsport ein und erläutert offen die Hintergründe.
Nach Informationen der spanischen Zeitung AS soll der bis Ende 2025 bei Movistar unter Vertrag stehende Fahrer seinen Aufenthaltsort in einem Fall nicht korrekt im ADAMS-System gemeldet haben. Der Vergleich liegt nahe, da sein ehemaliger Teamkollege Vinicius Rangel jüngst für zwei Jahre gesperrt wurde, nachdem er diesen Fehler innerhalb eines Jahres dreimal begangen hatte.
Klare Worte zu ADAMS, Gesundheit und Marktmechanismen
Guerreiro reagierte deutlich. „Ich habe sogar im Kalender nachgesehen, ob der 1. April ist. Ich habe keine Probleme mit den Whereabouts, ich habe nichts Illegales getan, ich habe nicht einmal eine Verwarnung wegen eines verpassten Tests erhalten“, stellte er klar. Kleine Fehler könnten zwar passieren, doch in seinem Fall habe es nie ein Problem gegeben. „In diesen elf Jahren als Profi wissen die Menschen um mich herum, dass ich immer transparent, engagiert und ethisch gearbeitet habe.“
Ruben Guerreiro verlässt Spanien nach 3 Jahren bei Movistar
Im Gespräch mit
Topcycling betonte der 31-Jährige, dass die zuletzt ausgebliebenen Gespräche mit Teams ausschließlich körperliche Ursachen hätten und nichts mit Disziplinarmaßnahmen zu tun seien. Seit November stehe die Regeneration im Mittelpunkt, bewusst fernab der hohen Trainingsumfänge des modernen Profiradsports. „Ich habe noch nie gesehen, dass ein Radfahrer wegen eines verpassten Tests in die Schlagzeilen kommt. Ich habe keine Benachrichtigung erhalten. Dafür gibt es keine Grundlage.“
Guerreiro, Etappensieger und Gewinner des Bergtrikots beim Giro d’Italia 2020 sowie Sieger der Mont Ventoux Dénivelé Challenge 2022, wechselte 2023 als einer der Hoffnungsträger zu Movistar. Der Einstand verlief vielversprechend mit dem Gesamtsieg bei der AlUla Tour und Rang zwei hinter Jonas Vingegaard beim Gran Camiño 2023. Rückblickend blieben diese Resultate jedoch die Höhepunkte seiner dreijährigen Zeit im Team.
Die körperlichen Probleme, die seine aktuelle Situation prägen, reichen weiter zurück. Sie entstanden während eines Trainingslagers zur Vorbereitung auf eine Grand Tour, als die Belastung deutlich über das hinausging, was sein Körper verkraften konnte. „Die erste große Entzündung trat bei einem Team-Trainingslager für den Giro d’Italia auf. Ich konnte nicht einmal schlafen, geschweige denn trainieren. Ich hatte Probleme im Nacken, wo ich einen Bandscheibenvorfall habe. 2024 wurde das nicht richtig abgeklärt, und ich habe die ganze Zeit durchgebissen.“
Im Jahr 2024 verschärfte ein Bandscheibenvorfall die Situation zusätzlich. Neben weiteren Verletzungen leidet Guerreiro seitdem unter anhaltenden Schmerzen, von denen er sich bislang nicht vollständig erholen konnte. Seine Karriere hat er nicht beendet, sich aber bewusst für eine Wettkampfpause entschieden, um die Genesung in den Vordergrund zu stellen.
„Wir haben die Gespräche mit Teams eingestellt, weil ich seit November keine 25- bis 30-Stunden-Wochen trainieren kann“, erklärt er. Der Fokus liege auf Krafttraining und Physiotherapie, ergänzt durch Radfahren, soweit es der Körper zulasse. „Ich werde niemandem etwas vormachen, wenn ich meinen Job nicht leisten kann.“
Trotz der schwierigen Phase schließt Guerreiro eine sportliche Zukunft nicht aus. Gleichzeitig übt er leise Kritik an den Mechanismen des Transfermarkts, insbesondere im Umgang mit Verletzungen und Fahrern jenseits der 30. „Ein 31-jähriger Fahrer mit einer schwächeren Saison oder einer Verletzung steht schnell im Abseits. Dabei zeigen viele über 30 weiterhin, dass Alter nur eine Zahl ist.“
Für ihn bleibt Leistung in jeder Karrierephase möglich, sofern alle Beteiligten an einem Strang ziehen. „In Sachen Performance ist alles erreichbar, solange die Menschen verbunden sind und der Wille auf allen Seiten da ist.“
Entscheidend für seinen Heilungsprozess war auch medizinische Unterstützung außerhalb des Radsports. „Ein großer Fußballklub hat mir geholfen. Der Arzt eines großen Vereins hat mich an einen Spezialisten überwiesen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin vorsichtig und mache die Dinge lieber richtig und in Ruhe.“
Rückkehr nach Portugal?
Die Entscheidung, aktuell nicht aktiv nach einem Team zu suchen, traf Guerreiro bewusst und kommunizierte sie klar an seine Vertreter. Er versteht diese Phase als kontrollierte Pause, nicht als Abschied vom Profiradsport. Gleichzeitig deutet er an, dass die ausbleibende Kommunikation mit Movistar ein über Jahre belastetes Verhältnis widerspiegelt. Einen Start im portugiesischen Kontinentalbereich schließt er aus.
„Ich habe meinen Beratern gesagt, sie sollen kein Team suchen. Ich starte nur auf WorldTour-Niveau. Die Idee ist, eine Pause einzulegen, aber das Rad so schnell wie möglich wieder einzubinden. Ich will genesen und Schritt für Schritt vorgehen, ohne mich vom Rad zu lösen.“
Ende 2024 bat er zudem seinen Agenten, zur Seite zu treten. „Die Kommunikation lief nicht gut. Danach ging es oft nur noch darum, Kalender und Tage zu erfüllen.“ Im Juni 2025 führte er Gespräche mit einem WorldTour-Team, die zunächst positiv verliefen, letztlich aber scheiterten. „Im Nachhinein war das vielleicht besser so. Mir wurde klar, dass ich Zeit und Raum brauche, um meine Situation wirklich zu klären.“
Trotz aller Differenzen blickt Guerreiro insgesamt positiv auf seine Zeit zurück. „Meine Bewertungen behalte ich für mich. Ich konzentriere mich lieber auf die guten Resultate. Es hätte eine perfekte Verbindung sein können. Ich habe gleich mein erstes Rennen gewonnen, dazu kamen starke Ergebnisse beim Gran Camiño und anderen Wettbewerben.“
Ein zentrales Problem blieb jedoch die Anpassung an das Trainingssystem. „Sie sind ihrem System sehr treu geblieben, und ich habe mich nie wirklich daran gewöhnt. Ich habe extrem sensibel auf die Belastung reagiert. Am Ende lief es darauf hinaus: eine schwierige Anpassung an das Training und ihre Sicht auf Leistung.“