Tom Pidcock denkt über Cyclocross-Comeback nach und setzt mit Q36.5 im Januar auf Höhentraining in Chile

Radsport
durch Nic Gayer
Mittwoch, 07 Januar 2026 um 12:30
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Immer mehr Profis lösen sich von klassischen Saisonmustern und verschieben ihre Vorbereitung bewusst in den Winter. Höhentraining schon im Januar gilt längst nicht mehr als Tabu. Auch Tom Pidcock geht diesen Weg. Der Brite reist in Kürze mit dem Q36.5 Pro Cycling Team nach Chile, um dort auf rund 2700 Metern Höhe zu trainieren. Parallel rückt eine Rückkehr in den Cyclocross im kommenden Winter wieder in den Fokus.
„Es ist durchaus möglich, dass Tom in der nächsten Saison wieder Cyclocross fährt“, erklärte sein Trainer Kurt Bogaerts gegenüber Sporza. „Letzte Saison hat Tom zwei Grand Tours bestritten und bis einschließlich Giro di Lombardia Rennen gefahren. Rechnet man seine Mountainbike-Rennen dazu, kommt man auf über 80 Renntage.“ Pidcock absolvierte einen extrem dichten Kalender, fuhr von Januar bis Oktober auf höchstem Niveau – und verkraftete die Belastung bemerkenswert gut.

Hohe Ziele auf der Straße, neue Optionen im Cross

Pidcock bestätigte 2025 nicht nur sein Grand-Tour-Potenzial mit Rang drei bei der Vuelta a España, sondern wurde auch Zweiter hinter Tadej Pogacar bei Strade Bianche, gewann die AlUla Tour und sammelte über die Saison hinweg weitere Topresultate. Das Selbstvertrauen des Briten ist entsprechend gewachsen, die Zielsetzung für die kommenden Jahre bleibt ambitioniert.
In diesem Winter verzichtete Pidcock bewusst auf Cyclocross, um sich an sein neues Team zu gewöhnen und den Fokus vollständig auf die Straße zu legen. Für den nächsten Winter wird ein Cross-Comeback jedoch ernsthaft erwogen. „Wenn Tom wieder Cyclocross fahren sollte, will er sofort konkurrenzfähig sein und um Gold mitfahren“, betont Bogaerts.
Mit Pinarello ist Pidcock inzwischen auf allen Terrains unterwegs. Im Cyclocross hätte das Schweizer Team mit Quinten Hermans zudem einen starken Bezugspunkt im Kader. Pidcock ist ehemaliger Weltmeister, und sollte Mathieu van der Poel im kommenden Winter tatsächlich auf Cyclocross verzichten, würde sich das Feld für viele Fahrer deutlich öffnen – inklusive der Chance auf das Regenbogentrikot.
Ganz ohne Herausforderungen wäre eine Rückkehr allerdings nicht. „Weil Tom in diesem Winter kein Cyclocross gefahren ist, müsste er seine ersten Rennen von hinten bestreiten“, erklärt Bogaerts. „Von hinten starten und sich nach vorne arbeiten zu müssen, ist nicht ideal.“ Sollte Pidcock sein starkes Straßenranking halten, könnte er im Weltcup jedoch aus der fünften Reihe starten – ein Szenario, das zumindest Optionen eröffnet.

Höhentraining in Chile als bewusster Risikoansatz

Pidcocks detailliertes Rennprogramm für 2026 hält das Team bislang unter Verschluss. Das ist selbst unter Topfahrern eher ungewöhnlich. Klar ist lediglich, dass die Frühjahrsklassiker eine zentrale Rolle spielen sollen. Da Q36.5 auf Wildcards angewiesen ist, bleibt offen, ob Pidcock beim Giro d’Italia oder bei der Tour de France an den Start geht.
Fest steht hingegen: Der Januar führt ihn nach Südamerika. In Chile absolviert er ein Höhentrainingslager auf 2700 Metern. Die Initiative ging dabei direkt vom Fahrer aus. „Tom war der Treiber hinter der Idee, als sie Ende des vergangenen Jahres aufkam. Es war wichtig, dass er voll dahintersteht“, sagt Bogaerts.
Ein derart früher Aufenthalt in großer Höhe ist ungewöhnlich, doch das Team erhofft sich einen klaren Effekt. „Dort finden wir perfekte Trainingsbedingungen bei idealer Höhe.“ Während andere Mannschaften trotz Winterwetters auf der Nordhalbkugel bereits früh ins Höhencamp aufbrechen, glaubt Q36.5, mit Chile einen strukturellen Vorteil zu gewinnen.
„Der Grund ist simpel“, erklärt Bogaerts. „Wir brauchten eine Lösung für ein Höhentrainingslager zu dieser Jahreszeit. Man braucht einen Ort mit stabilem Klima, damit man nicht ständig improvisieren muss.“ Als Ziel ist Chile im Weltklasse-Peloton bislang kaum etabliert, doch das Umfeld ähnelt bekannten europäischen Hotspots.
„In dieser Hinsicht ist unser Trainingsort mit Teneriffa vergleichbar“, so Bogaerts. „Es gibt einen Berg, an dem wir wohnen, und man kann ihn von verschiedenen Seiten befahren. Der große Vorteil: Dort beginnt gerade der Sommer. In Santiago erwarten wir rund 30 Grad Celsius, am Berg selbst liegen die Temperaturen konstant zwischen 15 und 20 Grad.“
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