„Ich glaube nicht, dass Jonas das brauchte“ – Tom Dumoulin verschärft seine Vingegaard-Kritik, nachdem der Riesenkettenblatt-Poker im Giro-Zeitfahren nicht aufgeht

Radsport
Mittwoch, 20 Mai 2026 um 12:30
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Die Prüfung von Tom Dumoulin an Jonas Vingegaards Giro d’Italia setzt sich fort. Der frühere Teamkollege des Team Visma | Lease a Bike-Kapitäns stellt nun nach dessen enttäuschendem Zeitfahren auf der 10. Etappe die Materialwahl des Dänen infrage.
Vingegaard war auf dem 42-km-Einzelzeitfahren von Viareggio nach Massa weithin als Favorit gehandelt worden, um Afonso Eulalio die Maglia Rosa abzunehmen.
Stattdessen wurde er Etappen-13., drei Minuten hinter Filippo Ganna, und blieb insgesamt 27 Sekunden hinter Eulalio zurück.
Für Vingegaard war es dennoch ein nützlicher GC-Tag, da er 1:57 auf den portugiesischen Gesamtführenden gutmachte. Es war jedoch nicht die dominante Vorstellung, die viele erwartet hatten, und nachdem er bereits die Taktik des Dänen auf Etappe 9 kritisiert hatte, richtet Dumoulin seinen Blick nun auf eine technische Entscheidung im Zeitfahren.

Dumoulin hinterfragt Vingegaards riesiges Kettenblatt

In Kop over Kop konzentrierte sich Dumoulin auf Vingegaards Entscheidung, mit einem 68-Zähne-Kettenblatt zu fahren. Das war sogar größer als das 64er von Etappensieger Ganna und weckte die Aufmerksamkeit des ehemaligen Zeitfahr-Weltmeisters.
Für Dumoulin war nicht nur die Größe des Kettenblatts das Thema. Es ging darum, ob das Setup an einem Tag sinnvoll war, an dem Vingegaard nicht seine allerbesten Beine zu haben schien. „Wenn du keinen guten Tag hast und nicht schnell genug fährst, landest du entweder zu leicht oder zu schwer,“ sagte Dumoulin. „Ich glaube nicht, dass Jonas das gebraucht hat.“
Diese Aussage schärfte die Diskussion um Vingegaards Auftritt auf Etappe 10. Der Däne brach nicht ein und bleibt in einer starken Giro-Position, doch das Zeitfahren sollte der Tag sein, an dem er dem Rennen seinen Stempel aufdrückt. Stattdessen verlor er Zeit auf Thymen Arensman, Ben O’Connor und Derek Gee-West, während Eulalio in Rosa überlebte.
Jonas Vingegaard im Einsatz beim Einzelzeitfahren der 10. Etappe des Giro d’Italia 2026
Jonas Vingegaard im Einsatz beim Einzelzeitfahren der 10. Etappe des Giro d'Italia 2026

„Mehr mechanischer Widerstand, als man will“

Dumoulins Erklärung ging tiefer als eine reine Materialkritik. Er argumentierte, dass ein so großer Gang die Suche nach der idealen Trittfrequenz und Kettenlinie erschweren kann, besonders wenn der Fahrer nicht schnell genug unterwegs ist, damit das Setup perfekt funktioniert.
„Wenn du schalten musst, überspringst du leicht zwei Ritzel und fährst schnell entweder zu leicht oder zu schwer“, erklärte Dumoulin. „Wenn du versuchst, so einen dicken Gang zu fahren, liegt die Kette auf der linken Seite der Kassette. Die Folge ist mehr mechanischer Widerstand, als du willst. Idealerweise soll die Kette so gerade wie möglich laufen.“

Eine weitere Ebene in der Vingegaard-Debatte

Dumoulins jüngste Kommentare folgen auf seine Kritik an Vingegaards Fahrweise auf Etappe 9, als der Visma-Kapitän Felix Gall am Schlussanstieg folgte und spät attackierte, um am Corno alle Scale zu gewinnen.
Diese frühere Kritik drehte sich darum, dass Vingegaard sich weigerte, mehr Führungsarbeit zu leisten, während Gall versuchte, andere GC-Rivalen abzuschütteln. „Da denke ich: Du bist der große Champion dieses Giros… Fahr wenigstens eine Führung,“ sagte Dumoulin. „Das fand ich nicht sehr stilvoll. Diese eine Führung hätte ihn wirklich keine Kräfte für die dritte Woche gekostet.“
In einer separat übersetzten Fassung derselben Kritik argumentierte Dumoulin zudem, dass Vingegaard mit solcher Fahrweise an Beliebtheit einbüßen könnte. „Ich denke schon, dass er sich damit weniger beliebt macht,“ sagte Dumoulin. „Für Fahrer wie Van der Poel und Pogacar gibt es viel Respekt, weil sie mit dem Herzen fahren. In solchen Momenten denke ich: Jonas, warum?“
Diesmal war die Kritik technischer als taktischer Natur, fügte sich aber in die größere Fragestellung um Vingegaards Giro ein. Er hat zwei Etappen gewonnen, auf die meisten GC-Rivalen Zeit gutgemacht und liegt nur 27 Sekunden hinter Rosa, doch sein Weg zur Maglia Rosa wird genauer beäugt als erwartet.
Etappe 10 verstärkte dieses Bild. Vingegaard war immer noch besser als Eulalio, Gall und Jai Hindley, doch Arensmans zweiter Platz für Netcompany INEOS veränderte den Kampf ums Podium und zeigte, dass der Däne an diesem Tag nicht der stärkste GC-Fahrer war.

Rosa weiterhin in Reichweite

Für Vingegaard ist die Gesamtsituation alles andere als bedrohlich. Eulalios Vorsprung beträgt nun weniger als eine halbe Minute, und der Giro hat noch mehrere Bergetappen in Terrain, das dem Visma-Kapitän deutlich besser liegen dürfte.
Doch das Zeitfahren war eine verpasste Chance, das Rennen früher als erwartet zu kontrollieren. Dumoulins jüngste Kommentare fügen dieser Bilanz eine weitere Frage hinzu: nicht nur, warum Vingegaard nicht mehr Zeit gewann, sondern auch, ob sein Risiko mit dem Riesenkettenblatt überhaupt die richtige Wahl war.
Die Maglia Rosa bleibt in Reichweite, doch nach Etappe 10 ist klar, dass Vingegaards Weg dorthin genauer unter die Lupe genommen wird als je zuvor.
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