„Ich bin selbst der Erste, der überrascht ist“ – Jonathan Milan pulverisiert Weltrekord und holt Gold bei der Bahn-Radsport-WM
Radsport
Jonathan Milan hat bei der Bahn-Radsport-WM 2026 in Shanghai für einen historischen Moment gesorgt. Noch bevor das Finale der Einerverfolgung überhaupt begonnen hatte, hatte der Italiener bereits einen neuen Weltrekord aufgestellt. Anschließend krönte der Sprinter von LIDL-Trek seine außergewöhnliche Vorstellung mit dem Weltmeistertitel und sicherte sich damit zwei Jahre nach seinem ersten Triumph im dänischen Ballerup erneut das Regenbogentrikot in dieser Disziplin.
In der Qualifikation absolvierte Milan die 4.000 Meter in unglaublichen 3:58,850 Minuten und unterbot damit als erster Fahrer überhaupt die Marke von 3:59 Minuten. Seinen eigenen Weltrekord von 3:59,153 Minuten, den er bei seinem Titelgewinn 2024 aufgestellt hatte, verbesserte er um 0,303 Sekunden. Auch im anschließenden Finale ließ er keinen Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen: Mit 4:00,769 Minuten setzte sich der Italiener deutlich gegen den Dänen Frederik Madsen durch, der 4:06,038 Minuten benötigte. Im Rennen um Bronze gewann Filippo Ganna das Duell gegen Rasmus Pedersen aus Dänemark.
„Ein perfekter Tag“ – Milan übertrifft seine eigenen Erwartungen
Für Milan war der historische Erfolg der Höhepunkt einer Saison, in der er sich wieder intensiver dem Bahnradsport gewidmet hatte. Auf der Straße gehört der Italiener längst zu den stärksten Sprintern des internationalen Pelotons. Dennoch hatte er sich besonders auf seine Rückkehr ins Velodrom gefreut und sich vorgenommen, seinen bisherigen Weltrekord in der Einerverfolgung anzugreifen.

Jonathan Milan schreibt bei der Bahn-Radsport-WM 2026 in Shanghai Geschichte: Mit 3:58,850 Minuten stellt der Italiener einen neuen Weltrekord in der Einerverfolgung auf und sichert sich anschließend seinen zweiten Weltmeistertitel in dieser Disziplin.
Dass er die Vier-Minuten-Grenze allerdings so deutlich unterbieten würde, hatte selbst der 26-Jährige nicht erwartet.
Weiterlesen
„Ich bin selbst der Erste, der überrascht ist“, erklärte Milan gegenüber der Gazzetta dello Sport.
Seinen Rekordlauf bezeichnete er rückblickend als „perfekten Tag“. Dabei wurde ihm das außergewöhnliche Tempo seiner Fahrt erst nach und nach bewusst.
Eine entscheidende Rolle spielten die Zwischenzeiten, die ihm Italiens Nationaltrainer Dino Salvoldi während der Qualifikation anzeigte.
„Ich fuhr eine Übersetzung von 69x15, die ich auch im Finale verwendet habe. Bei jeder Zwischenzeit sah ich auf dem Tablet von Trainer Salvoldi, dass er mir ein Tempo von 14,5 Sekunden pro Runde anzeigte. Da wurde mir klar, dass ich schnell unterwegs war. Wirklich begriffen habe ich es aber erst, als ich die Ziellinie überquerte und auf die Anzeigetafel blickte.“
Besonders bemerkenswert war die Leistung auch deshalb, weil Milan die Bahn in Shanghai zuvor nicht unbedingt als besonders schnell eingeschätzt hatte. Dennoch erreichte er während seiner Rekordfahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 60,3 Kilometern pro Stunde.
Damit gelang ihm eine Leistung, die seinen Namen endgültig in die Geschichtsbücher der Einerverfolgung einträgt.
In einer Reihe mit Coppi, Moser und Wiggins – Milan bleibt bescheiden
Die Einerverfolgung gehört zu den traditionsreichsten Disziplinen des Bahnradsports. Im Laufe ihrer Geschichte haben einige der größten Namen des internationalen Radsports bei Weltmeisterschaften triumphiert.
Zu den früheren Titelträgern zählen unter anderem Fausto Coppi, Francesco Moser und Bradley Wiggins. Mit seinem zweiten Weltmeistertitel und dem erneuten Weltrekord hat sich Milan nun ebenfalls einen besonderen Platz in dieser langen Erfolgsgeschichte gesichert.
Einen direkten Vergleich mit den berühmten Vorgängern möchte der Italiener allerdings nicht ziehen.
„Ich finde, ein Vergleich zwischen mir und ihnen ist nicht angebracht. Trotzdem bin ich stolz darauf. Erwähnen möchte ich auch Filippo Ganna, denn sein Beispiel hat mich dazu inspiriert, mit dem Bahnradsport anzufangen, genauso wie Elia Viviani und Davide Plebani.“
Gerade Ganna nimmt in Milans sportlicher Entwicklung eine besondere Rolle ein. Der mehrfache Weltmeister in der Einerverfolgung gehört seit Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten des italienischen Bahnradsports und war für Milan bereits früh ein wichtiges Vorbild.
In Shanghai standen die beiden Italiener erneut gemeinsam auf dem Podium. Während Milan Gold gewann, sicherte sich Ganna im kleinen Finale die Bronzemedaille.
„Wir haben jahrelang Freundschaft, Leid und Freude miteinander geteilt“ – Milan über Ganna
Einer der emotionalsten Momente des Abends folgte unmittelbar nach dem Finale. Milan und Ganna umarmten sich und feierten gemeinsam die Erfolge, die sie für den italienischen Radsport eingefahren hatten.
Die beiden verbindet weit mehr als ihre gemeinsame Leidenschaft für die Einerverfolgung. Über viele Jahre haben sie im italienischen Nationalteam zusammen trainiert, große Rennen bestritten und sowohl sportliche Höhepunkte als auch schwierige Momente erlebt.
Entsprechend viel bedeutete Milan die gemeinsame Freude nach seinem Weltrekord und dem erneuten Titelgewinn.
„Wunderschön. Ich bin sofort zu ihm geeilt: Wir haben jahrelang Freundschaft, Leid und Freude miteinander geteilt“, berichtete der frischgebackene Weltmeister.
Die Verbindung zwischen den beiden Italienern wird künftig sogar noch enger. Ab der Saison 2027 werden Milan und Ganna nicht mehr nur im Nationaltrikot, sondern auch auf der Straße gemeinsam für LIDL-Trek antreten.
Für Milan ist dieser bevorstehende Wechsel seines Landsmanns ein besonderer Grund zur Vorfreude.
„Ich freue mich, dass wir in der nächsten Saison gemeinsam für LIDL-Trek fahren und damit ein neues Kapitel unserer Karriere aufschlagen. Ich hoffe, wir bestreiten viele Rennen zusammen, angefangen bei den großen Klassikern.“
Neben der langjährigen Freundschaft spielt auch der sportliche Konkurrenzkampf eine wichtige Rolle. Beide Fahrer profitieren nach Milans Einschätzung davon, sich gegenseitig zu Höchstleistungen anzutreiben.
„Auch jetzt spornen Ganna und ich uns gegenseitig an. Das hilft uns beiden, besser zu werden und unsere Grenzen zu überwinden.“
Damit könnte ihre Zusammenarbeit bei LIDL-Trek nicht nur für die beiden Italiener selbst, sondern auch für die ambitionierten Klassikerpläne der deutschen Mannschaft von großer Bedeutung werden.
Weiterlesen
Nach Silber in der Mannschaftsverfolgung: Italien will Dänemark bei Olympia 2028 herausfordern
So erfolgreich die Einerverfolgung für Milan verlief, so groß war zuvor die Enttäuschung über das Ergebnis in der Mannschaftsverfolgung gewesen.
Dort musste sich Italien im Finale der Bahn-Radsport-WM erneut der überragenden dänischen Mannschaft geschlagen geben. Dänemark sicherte sich damit bereits den vierten Weltmeistertitel in Folge in dieser Disziplin, während für die Italiener die Silbermedaille blieb.
Mit Blick auf die beginnende Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles stellt sich deshalb die Frage, ob Italien den Rückstand auf seine stärksten Konkurrenten wieder verkürzen kann.
Milan kennt die außergewöhnlichen Qualitäten der Dänen aus zahlreichen direkten Duellen. Auch bei der Radsport-WM in Shanghai stellten sie ihre Stärke sowohl in der Mannschafts- als auch in der Einerverfolgung unter Beweis.
Dennoch will der Italiener aus der Niederlage keine negativen Schlussfolgerungen ziehen. Vielmehr betrachtet er das Ergebnis als zusätzlichen Ansporn, gemeinsam mit seinen Teamkollegen weiter an der eigenen Leistungsfähigkeit zu arbeiten.
„Sie sind unglaublich stark, das wissen wir, und das haben sie auch im Einzelwettbewerb gezeigt. Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Wir müssen genau das Gegenteil tun und an uns glauben. Die Herausforderung steht. Mehr noch: Sie geht weiter. Wir messen uns schon seit Jahren miteinander.“
Für Milan endet die Radsport-WM in Shanghai damit mit einem außergewöhnlichen persönlichen Erfolg und einer klaren sportlichen Perspektive. Während er in der Einerverfolgung mit Weltrekord und Regenbogentrikot neue Maßstäbe gesetzt hat, bleibt der Kampf mit Dänemark in der Mannschaftsverfolgung eine der großen Herausforderungen auf dem Weg nach Los Angeles 2028.
Und mit dem bevorstehenden gemeinsamen Kapitel bei LIDL-Trek dürfte auch die Zusammenarbeit mit Ganna in den kommenden Jahren noch einmal eine neue Dimension erreichen.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Für Radsportaktuell.de berichtet er über den professionellen Radsport und begleitet das Geschehen von der WorldTour bis zu wichtigen nationalen und internationalen Rennen. Sein Schwerpunkt liegt auf Vorberichten, Rennzusammenfassungen und Analysen, mit denen er Entwicklungen im Peloton klar einordnet.
Bei seiner Arbeit wird Nic von den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterplattform CyclingUpToDate unterstützt, wodurch er regelmäßig direkten Zugang zu Teams, Fahrern und offiziellen Terminen erhält. Er arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus. In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
Klatscht 1Besucher 1
Gerade In
Beliebte Nachrichten
Aktuelle Kommentare
- Also bitte, 1 MRT und man weiß bescheid. Vorausgesetzt die Ärzte sind keine Vollpfosten. Ich schreibe das, weil schon wieder PPNl das Thema ist.Wurm30-10-2026
- Wer ist Kimi Antonelli und hat Mercedes jetzt ein Radteam?Wurm29-10-2026
- Sorry für meine Vertipper. Seltsam, dass man nichtmal 5 Minuten lang editieren kann.Wurm25-10-2026
- Ich bon etwas verwirrt, das ganze Jahr hieß es "Ineos hat mit Netcompany nen 100 Millionen Euro Fisch an Land gezogen. Plus das Total Enerfie Geld sollte doch genug vorhanden sein. Oder hat ne absurde Ablöse für Onley alles verbraucht? Dann sollte dwe Verantwortliche evtl gehangen werden ;)Wurm25-10-2026
- Hoffe sie setzen sich durch, ist überfällig und so kann's ja echt nicht weitergehen.Bonos10-10-2026
- Die 120. Lombardei-Rundfahrt 2026 führt am 10. Oktober 2026 über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Ohne den verletzten Seriensieger Tadej Pogačar ist das Rennen völlig offen, wobei die taktische Ausrichtung der Top-Teams von der Streckenänderung geprägt ist: Der Muro di Sormano entfällt, dafür entscheidet ein anspruchsvoller Schlussrundkurs mit dem Doppelpack aus Civiglio und San Fermo della Battaglia das Rennen. Taktische Ausrichtungen der Favoriten-Teams Soudal Quick-Step (Remco Evenepoel) Frühzeitige Solo-Attacke: Evenepoel setzt nach dem EM-Titel auf ein langes Solo oder eine gut getimte Attacke an den letzten Steigungen (Civiglio/San Fermo), um seine Stärke im gleichmäßigen, hohen Tempo auf den flachen/abfallenden Passagen auszuspielen. UAE Team Emirates-XRG (Brandon McNulty, Isaac del Toro) Offensive Mehrfach-Optionen: Ohne Pogačar fährt das Team mannschaftsdienlich aggressiv. Weltmeister McNulty und Del Toro müssen das Rennen früh schwer machen, können aber durch Überzahl im Finale (mit Yates, Großschartner etc.) taktisch variieren. Red Bull – Bora – hansgrohe (Jai Hindley, Primož Roglič, Giulio Pellizzari) Dreifachspitze & Kontrolle: Das Team verfügt über eine starke Kapitänsdichte. Die Taktik dürfte darauf abzielen, das Rennen in den ersten harten Kilometern und am Ghisallo schwer zu halten und mit verschiedenen Karten im Finale zu attackieren. Lidl – Trek (Giulio Ciccone) Am Rad bleiben & Explosivität: Ciccone bewies bei der EM, dass er steile Anstiege mit den Besten gehen kann. Seine Taktik wird sein, Evenepoel oder andere explosive Fahrer am Civiglio zu kontrollieren und auf seine Sprintstärke im Finale zu setzen. Schlüsselfaktoren für den Rennverlauf Frühe Härte: Bereits in den ersten 80 Kilometern und am Anstieg zur Madonna del Ghisallo wird das Feld ausgedünnt. Helferteams wie UAE oder Red Bull müssen hier früh das Tempo bestimmen. Das Finale (Civiglio & San Fermo): Nach der ersten Überquerung von San Fermo folgt der steile Anstieg nach Civiglio (9,7 % Schnitt), der als Hauptsprungbrett für den entscheidenden Angriff dient. Wer hier eine Lücke reißt, kann über die finale Abfahrt und das letzte Mal San Fermo (5 km bis ins Ziel) durchziehen.gregmann09-10-2026
- Hier ist die Analyse des gestrigen Straßenrennens der Männer-Elite bei den UCI-Straßenrad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal, Kanada. Da der zweifache Titelverteidiger Tadej Pogačar verletzungsbedingt fehlte, entwickelte sich das Rennen zu einem der unvorhersehbarsten und taktisch chaotischsten WM-Rennen der jüngeren Vergangenheit. Der US-Amerikaner Brandon McNulty krönte sich nach einer sensationellen Soloflucht zum neuen Weltmeister. Er beendete damit eine 33-jährige Durststrecke für die USA (seit Lance Armstrong 1993). Taktische Rennanalyse & Schlüsselmomente 1. Das brutale Ausscheidungsrennen auf dem Mont Royal Die Strecke über 273,4 Kilometer und rund 3.800 Höhenmeter entpuppte sich als echter Scharfrichter. Vor allem die 12 Runden auf dem selektiven Rundkurs in Montréal mit dem steilen Chemin de la Polytechnique zogen dem Hauptfeld kontinuierlich den Zahn. Früh im Rennen begannen die großen Nationen zu attackieren. Mathieu van der Poel zeigte sich enorm aktiv und distanzierte rund 50 Kilometer vor dem Ziel mit einer brutalen Beschleunigung sogar seinen ewigen Rivalen Wout van Aert. 2. Der goldene Moment von Brandon McNulty Nachdem eine namhafte vierköpfige Spitzengruppe um Van der Poel durch eine Tempoverschärfung des mexikanischen Toptalents Isaac del Toro gestellt wurde, herrschte einen Moment lang Uneinigkeit im verbliebenen Elite-Feld. Diesen psychologischen Moment nutzte McNulty exakt 33 Kilometer vor dem Ziel für eine mutige Soloattacke. Niemand reagierte sofort, was sich als der entscheidende Fehler des Rennens herausstellen sollte. 3. Das kollektive Versagen der Verfolger Obwohl McNulty zwischenzeitlich über eine Minute Vorsprung herausgefahren hatte, brachte eine aggressive Verfolgergruppe um Tom Pidcock, Del Toro und den jungen Franzosen Paul Seixas den Abstand 9 Kilometer vor dem Ziel noch einmal auf 10 Sekunden heran. Anstatt das Loch jedoch gemeinsam komplett zuzufahren, begannen taktische Spielchen. Die Fahrer schauten sich gegenseitig an und verweigerten die Führungsarbeit, was McNulty nutzte, um nochmals den Kopf runterzunehmen und das Ding ins Ziel zu retten. 4. Die Geschlagenen: Belgien geht leer aus Das belgische Team reiste als absoluter Topfavorit mit einer Doppelspitze aus Remco Evenepoel (der zuvor sensationell zum vierten Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen hatte) und Wout van Aert an. Doch die Taktik ging nicht auf: Van Aert musste der harten Fahrweise Tribut zollen, und Evenepoel fand im Finale nicht die entscheidenden Beine, um die Lücke zu McNulty im Alleingang zu schließen. Am Ende reichte es für Evenepoel nur zu Platz 12.gregmann28-09-2026
- Die taktische Ausrichtung beim Straßenrennen der Männer-Elite bei den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal wird maßgeblich durch zwei Faktoren bestimmt: das Fehlen des verletzten Titelverteidigers Tadej Pogačar und das Verbot von Teamfunk ("No Race Radios"). Dadurch bricht die gewohnte Dominanz und Kontrolle klassischer World Tour-Teams weg. Das Rennen über 273,7 Kilometer und 3.803 Höhenmeter entwickelt sich zu einem hochgradig unvorhersehbaren Ausscheidungsfahren auf den 12 Runden rund um den Mont Royal. Die taktischen Hauptszenarien & Teamstrategien Nation / Fahrertyp Taktischer Ansatz & Ausrichtung Belgien (Evenepoel & Van Aert) Doppelspitze mit Rollenteilung: Geht als die kontrollierende Großmacht ins Rennen. Die Taktik sieht vor, mit Remco Evenepoel frühzeitig oder aus der Distanz zu attackieren, um die Konkurrenz zur Nacharbeit zu zwingen. Sollte diese Gruppe zurückgeholt werden, lauert Wout van Aert im reduzierten Feld für ein spätes Finale oder einen Sprint. Klassikerjäger (Mathieu van der Poel / Pedersen) Abwartende Trittbrettfahrer-Taktik: Fahrer wie Mathieu van der Poel wissen, dass der Kurs mit 3.800 Höhenmetern an ihrer absoluten Belastungsgrenze kratzt. Ihre Taktik baut darauf, Allianzen mit anderen Nationen einzugehen, Angriffe am Berg zu neutralisieren und die Entscheidung auf das ansteigende falsche Flachstück der Zielgeraden zu vertagen. USA & Außenseiter (McNulty, Simmons, Del Toro) Frühzeitige Offensive ("Chaos-Taktik"): Da Fahrer wie Isaac del Toro (Mexiko) kaum Helfer im Nationalteam haben, müssen sie das Rennen frühzeitig öffnen. Die USA nutzt ihre enorme Kaderbreite (Brandon McNulty, Quinn Simmons, Matteo Jorgenson), um in wechselnden Zwischengruppen vertreten zu sein und Belgien die Kontrollarbeit aufzuzwingen. Deutschland (Lipowitz, Schachmann) Reaktive Außenseiterrolle: Ohne absoluten Top-Favoriten setzt der BDR darauf, sich in Gruppen zu platzieren (z. B. durch Schachmann, Zimmermann oder Brenner). Florian Lipowitz agiert als geschützter Fahrer für das schwere Finale in den letzten Runden. Strategische Schlüsselfaktoren auf der Straße Entscheidung ohne Funkgeräte: Da Anweisungen aus dem Auto fehlen, müssen die Fahrer das Rennen selbst lesen. Wer eine rennentscheidende Gruppe verpasst, muss instinktiv reagieren. Dies führt oft zu taktischen Fehlern bei den Favoriten und erhöht die Chancen für mutige Ausreißer. Das Ausscheidungsfahren am Mont Royal: Der giftige Anstieg Côte Camillien-Houde (1,8 km bei 8 %) sowie die Côte de la Polytechnique (über 11 % in Spitzen) sieben das Feld mit jeder der 12 Runden weiter aus. Die Taktik verschiebt sich von "Kräfte sparen" in der ersten Rennhälfte hin zu einem brutalen Positionskampf vor den Anstiegen im Finale. Das falsche Flachstück im Ziel: Wer am Ende einer Gruppe den WM-Titel unter sich ausmacht, benötigt nach 274 Kilometern enorme Endschnelligkeit an einer rampenartigen Zielgeraden. Ein zu früher Antritt ist hier taktischer Selbstmord.gregmann27-09-2026
- WAS FÜR EIN FINALE!!!!! Das WM-Straßenrennen der Frauen Elite 2026 in Montréal lieferte ein absolut dramatisches und taktisch hochkomplexes Finale. Am Ende krönte sich die Topfavoritin Demi Vollering (Niederlande) nach einem packenden Schlagabtausch und taktischen Spielchen zur neuen Weltmeisterin. Sie schüttelte auf den letzten Kilometern ihre verbliebene Kontrahentin Kasia Niewiadoma ab.Der Rennverlauf und die SchlüsselszenenDer Solo-Vorstoß von Vollering: Gut 38 Kilometer vor dem Ziel zündete Demi Vollering die entscheidende Rakete. Sie setzte sich alleine vom restlichen Feld ab und baute schnell einen Vorsprung auf.Die gnadenlose Verfolgung: Dahinter formierte sich eine hochkarätige Verfolgergruppe, angeführt von der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney und der Italienerin Elisa Longo Borghini. Da bei Weltmeisterschaften kein Rennfunk („No Race Radios“) erlaubt ist, mussten die Fahrerinnen die Situation komplett eigenständig auf der Straße lösen.Der Zusammenschluss und der Konter: 15 Kilometer vor dem Ziel schien Vollerings Solo beendet. Niewiadoma und Longo Borghini schlossen zusammen mit der Französin Juliette Berthet zur Spitzenreiterin auf. Die Italienerin Longo Borghini fackelte nicht lange und ging auf der letzten Runde sogar kurzzeitig selbst in die Offensive.Das entscheidende Pokerspiel: Da sich Vollering und Niewiadoma an der Spitze zeitweise uneinig waren und taktierten, blieb das Rennen bis zum Schluss offen. Rund 4 Kilometer vor dem Ziel setzte Vollering jedoch die finale, alles entscheidende Attacke. Niewiadoma konnte dem Antritt nichts mehr entgegensetzen.gregmann26-09-2026
- Die taktische Ausgangslage beim UCI WM-Straßenrennen der Frauen-Elite in Montréal 2026 wird maßgeblich durch den schweren, 180,4 Kilometer langen Kurs (2.570 Höhenmeter) und die acht Runden auf dem selektiven Mont-Royal-Rundkurs bestimmt. Da Funkverbindungen („No Race Radios“) bei Weltmeisterschaften verboten sind, müssen die Teams ihre Strategien rein auf der Straße adaptieren.Die voraussichtlichen Teamtaktiken der großen Radsport-Nationen gliedern sich wie folgt: 🇳🇱 Niederlande: Das Rennen brutal schwer machen. Die Ausgangslage: Mit Demi Vollering stellen die Niederländerinnen die absolute Topfavoritin, die nach einer überragenden Saison das Regenbogentrikot jagt. Die Taktik: Das niederländische Team verfügt traditionell über die größte Dichte an Starfahrinnen (u.a. Puck Pieterse). Ihre Strategie wird darauf abzielen, das Rennen auf den acht Runden am Mont-Royal frühzeitig zu animieren. Um sprintstarke Konkurrentinnen wie Kopecky abzuschütteln, werden sie an den giftigen Rampen wie der Voie Camillien-Houde (2,3 km bei 6,2 %) ein mörderisches Tempo anschlagen, um das Feld zu dezimieren und Vollering für eine späte Solo-Attacke oder ein Duell aus einer kleinen Spitzengruppe zu lancieren. 🇧🇪 Belgien: Kopecky beschützen und isolieren Die Ausgangslage: Die zweifache Weltmeisterin Lotte Kopecky ist die größte Gefahr für ein Solo der Bergfahrerinnen. Sie bringt die perfekte Mischung aus Bergfestigkeit und einem mörderischen Zielsprint mit.Die Taktik: Belgien wird defensiver agieren als die Niederlande. Die Helferinnen müssen dafür sorgen, dass Kopecky bei den harten Tempoverschärfungen an den Anstiegen nicht den Anschluss verliert und gleichzeitig Konterattacken neutralisieren. Das Ziel ist es, Kopecky in einer reduzierten Gruppe über die letzte Rampe (Avenue Pagnuelo) und auf die leicht ansteigende Zielgerade zu bringen, wo sie im Sprint kaum zu schlagen ist 🇮🇹 Italien: Aggressives Forechecking mit Longo Borghini Die Ausgangslage: Elisa Longo Borghini befindet sich in herausragender Form (Sieg im WM-Mixed-Relay, starke Platzierung im WM-Zeitfahren).Die Taktik: Italien kann es sich nicht leisten, auf den Zielsprint zu warten. Ihre Taktik wird ein cleveres, aggressives Forechecking sein. Sie werden versuchen, Fahrerinnen in gefährliche Zwischengruppen zu schicken, um die Niederlande und Belgien zur Nacharbeit zu zwingen, damit Longo Borghini in den letzten zwei Runden den entscheidenden, harten Punch setzen kann. 🇩🇪 Deutschland: Die Underdog-Rolle und taktische Geschlossenheit Die Ausgangslage: Das BDR-Aufgebot reist ohne die eine, alles überragende Favoritin an, schickt aber ein extrem geschlossenes und formstarkes Quintett um Franziska Koch (Bronze im EZF), Liane Lippert, Antonia Niedermaier und Ricarda Bauernfeind ins Rennen. Die Taktik: „Taktische Flexibilität“ ist das deutsche Stichwort. Da man nicht die Last hat, das Rennen kontrollieren zu müssen, wird das Team versuchen, in den ersten Runden des Stadtkurses Kräfte zu sparen und bei gefährlichen Vorstößen stark besetzter Gruppen präsent zu sein. Sie werden darauf spekulieren, dass sich die großen Blöcke (Niederlande/Belgien) gegenseitig neutralisieren oder uneinig sind, um mit Lippert oder Koch im Finale um die Medaillen zu pokern. 🇨🇦 Kanada & Weitere Einzelkämpferinnen: Die Gunst des Chaos nutzenTitelverteidigerin Magdeleine Vallières (Kanada) und Fahrerinnen wie Kasia Niewiadoma (Polen) oder Kim Le Court (Mauritius) besitzen keine riesigen Helferteams. Ihre Taktik muss rein reaktiv und opportunistisch sein: Sie werden direkt am Hinterrad von Vollering und Kopecky kleben und auf den Moment setzen, in dem die großen Teams taktische Fehler begehen, um genau wie im Vorjahr im entscheidenden Moment wegzuspringengregmann26-09-2026










